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Schiri-Quartett aus Roßtal: Mit Gottes Segen und Deniz Aytekin

Schiedsrichter

Gleich vier Schiedsrichter kommen aus der evangelischen Kirchengemeinde Sankt Laurentius in Roßtal. Ob das Zufall ist, weiß keiner so genau, vielmehr geben Alexander Schneider und Co. einen Einblick, wie sie an die Pfeife kamen und was sie bei der Schiedsrichterei umtreibt.

Alexander Schneider (links) und Helmut Bauer halten coronakonform Abstand, doch sie verbindet die Liebe zu Gott und zum Fußball.

 / © Markus Eigler

Nein, anders als im restlichen Roßtal riecht sie nicht, die Luft rund um die evangelische Sankt-Laurentius-Kirche. Und doch muss in ihr etwas sein, das sie von vielen anderen Orten unterscheidet: ein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit.

Anders ist es nicht zu erklären, dass es in dieser Kirchengemeinde gleich vier Fußballschiedsrichter gibt: Mesner Helmut Bauer (79), Mark Götz (20), die Konfirmandin Lea Richter sowie Jugenddiakon Alexander Schneider (31).

Aus Zufall hätten sie von ihrem gemeinsamen Hobby erfahren, wie sich der Jugenddiakon der Gemeinde erinnert: "Helmut und ich hatten uns 2016, in meinem ersten Jahr in Roßtal, über das Wochenende und Fußball unterhalten. Er erzählte mir dann, dass er als Schiedsrichter tätig war und ich meinte: Ich auch!" Seit 2011 pfeift Schneider Fußballspiele. Vorbild war Opa Rudolf, der 50 Jahre lang Schiedsrichter war. Knackpunkt beim Enkel war das Studium: "Vorher habe ich in Lenkersheim gespielt, durch das Studium in Rummelsberg waren mir aber auf Dauer die Fahrten zu lang." Mittlerweile spielt der Außenverteidiger zwar beim SV Raitersaich wieder selbst, doch die Schiedsrichterei möchte er nicht mehr missen.

Zum Einsatz kommt der 31-Jährige von der Schiedsrichtergruppe Frankenhöhe Nord überwiegend bis zur Kreisklasse bei Herren, Damen und Jugendlichen. Vor allem bei letzteren könne er einiges für seinen Beruf mitnehmen: "Es ist eine gute Übung für gewaltfreie Kommunikation. In der A- und B-Jugend geht es meist aggressiver zur Sache als bei den Alten Herren, wo sich niemand mehr verletzen will." Wenn von außen durch Trainer oder Eltern Schärfe reinkommt, übertrage sich das aufs Feld. Das muss nicht selten der Referee ausbaden. Verrückt sein müsse man dennoch nicht, um Schiedsrichter zu werden, aber einen Sinn für Gerechtigkeit haben – und die Liebe zu diesem Sport: "Die große Motivation ist es, dafür zu sorgen, dass alle Spaß am Fußball haben." 

Über 1000 Spiele als Referee

Ähnlicher Meinung ist Helmut Bauer. Der Spaß zu kicken war ihm damals beim Tuspo Roßtal nämlich vergangen. Schlichtweg zu schlecht gepfiffen hatte ihm der Schiedsrichter, den er nach dem Abpfiff auch darauf ansprach. Der stellte sich als Obmann der Zirndorfer Schiedsrichtergruppe heraus und gab ihm den Hinweis: "Mach doch mal deinen Schiedsrichterschein, dann kannst du mitreden." Gesagt, getan. Mit 38 Jahren startete er im Amateurbereich durch. An der Seite des Ex-Bundesliga-Schiris Manfred Dölfel schaffte es Bauer als Linienrichter bis in die Bezirksliga. So kamen zu den rund 1250 Partien als Spieler noch knapp 1200 als Referee dazu. Doch irgendwann musste Schluss sein, mit 70 pfiff der Mesner 2011 sein letztes Spiel: "Ich sehe es nicht ein, mit 80 Jahren noch zur Gaudi auf dem Platz zu sein. Man muss immer auf Ballhöhe sein, das schafft man irgendwann einfach nicht mehr." Gleichzeitig gab er die Rolle des Obmanns ab, die er selbst 2001 übernommen hatte und widmete sich dem Nachwuchs, der ihm heute noch am Herzen liegt.

Doch der Weg ist hart: "Die Jungen sehen alle die Bundesliga vor sich, doch wenn man dann sein erstes Spiel in der D-Jugend macht und von Eltern oder Trainern angegangen wird, sind viele schnell wieder weg." Wenn die Schiedsrichterei Bauer eines gelehrt hat, dann, wie unterschiedlich Menschen sein können: "Wenn man zum Spiel kommt, wird man erst verköstigt und wenn es dann nicht so läuft, beschimpft. Dann hilft einem keiner mehr, manche verlieren den Anstand." Dass es sich lohnen kann, zeigt der Weg von Deniz Aytekin. Bauers Ziehvater Manfred Dölfel proklamiert für sich, den Fifa-Referee einst beim ASV Zirndorf entdeckt zu haben. Bauer habe neben Dölfel als Ausbilder seinen Anteil am Weg Aytekins gehabt und nahm ihm die Schiedsrichterprüfung ab. Auch menschlich freut es ihn: "Deniz ist bis heute ein ganz netter Mann, ist zugänglich und kommt stets zu unseren Sitzungen." Mit Mark Götz, der als Ehrenamtlicher in der Jugendarbeit der Roßtaler Kirchengemeinde tätig ist, steht schon der nächste Schiedsrichter in den Startlöchern. Schneider gab den entscheidenden Impuls, wie Götz sagt: "Eine Woche später fand ein Wochenendlehrgang der Schiedsrichtergruppe Zirndorf statt, den ich mit Erfolg abgeschlossen habe. Mir gefällt vor allem die Gemeinschaft mit den Schiedsrichterkollegen und die Kontrolle, die man während des Spiels hat." Ob es am Ende für ihn so viele Spiele wie für Helmut Bauer werden, weiß niemand, doch das Feuer für den Fußball brennt weiter in der Gemeinde. Es muss an der Luft um Sankt Laurentius liegen.

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