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Thomas Reichel: Der Buffon von Langenzenn

"Die Seele des Vereins"

In der Fußballabteilung des TSV sorgt der ehemalige Feldwebel Thomas Reichel für Ordnung, einen militärischen Ton aber muss niemand fürchten.

Thomas Reichel am Tor zu seiner blauen Fußballwelt in Langenzenn. 

 / © Hans- Joachim Winckler

Als Georg Schönleben davon erfuhr, dass jemand aus der Fußballabteilung seines TSV Langenzenn für die Serie „Die Seele des Vereins“ porträtiert werden soll, hatte er Bauchschmerzen. Sich nur einen herauszupicken, empfindet der Abteilungsleiter unfair gegenüber den vielen Helfern im Verein, die unerwähnt blieben. Tatsächlich ist das auch in den anderen Vereinen so, aus deren Reihen wir bislang einen Ehrenamtlichen vorgestellt haben. Die Intention dieser Serie ist es aber nicht, jemanden in den Himmel zu loben, sondern anhand eines Porträts zu erzählen, was für interessante Menschen oft ungeachtet der Öffentlichkeit ein Vereinsleben möglich machen.

Und so beginnt die Geschichte über Thomas Reichel auch mit einer Lobeshymne auf Schönleben: „Er ist das Urgestein des TSV Langenzenn. Er hat von kleinauf hier gespielt, die erste Mannschaft und sämtliche Jugendmannschaften trainiert, war Jugendleiter und seit 20 Jahren Abteilungsleiter.“ Sein Stellvertreter Reichel teilt sich mit ihm die Aufgaben: „Ich mache das ganze Digitale, er ist die gute Seele des Vereins und schaut sich jeden Tag am Vereinsgelände um.“ Und da hat sich seit dem ersten Lockdown eine Menge getan: Der B-Platz ist frisch angelegt, es gibt eine neue Beregnungsanlage und neue Tore für den Nachwuchs. Dank Fördermitteln aus dem Programm „Zenngrund Allianz“ – und Ehrenamtlern wie Schönleben.

Derzeit führen der Abteilungschef und Spielleiter Sebastian Wirth Gespräche mit potenziellen Nachfolgern von Rino Letizia. Seit der Trainer der ersten Mannschaft verkündet hat, dass er im Sommer nach Deutenbach geht, gingen über zehn Bewerbungen beim Aufstiegskandidat aus der Kreisklasse ein. „Das sind dreimal mehr als vor sechs Jahren“, freut sich Reichel. Der Neue wird auch ihn trainieren. Denn obwohl er schon 38 Jahre alt ist, steht er immer noch zwischen den Pfosten, dieser Gigi Buffon der Kreisklasse – und schuld daran sind Andreas Köpke, militärische Disziplin und Fußballverrücktheit.

Reichel durchlief als waschechter Langenzenner alle Jugendteams des TSV, bevor er nach einer Tingeltour wieder in der Heimat landete. 700 Pflichtspiele hat er in den Knochen, sein fünfhundertstes für Langenzenn war die letzte Partie vor dem Lockdown. Dass man für derlei Jubiläen eine Urkunde bekommt, hat sein Kapitän Patrick Pattaro eingeführt.

„Man muss sich selbstdisziplinieren und fit halten“, spricht Reichel gelassen aus, was er auch neben dem Platz braucht. Denn er ist Coronabeauftragter, Jugendleiter und Coach der B-Jugend – genauso wie sein Pendant in Wilhermsdorf, Simone Grebehahn. Mit dem dortigen TSV bildet der Langenzenner Nachwuchs ab der D-Jugend eine Spielgemeinschaft.

Summa summarum bleibt dem IT-Spezialisten nicht viel Freizeit. Genauer gesagt, gar keine, wie er schmunzelnd feststellt: „Deswegen bin ich auch ledig, weil das keine Frau mitmacht. Ich bin 24/7 auf dem Sportplatz.“ Doch warum diese Ämterhäufung, warum diese Opfer? „Es ist die Liebe zum Fußball“, sagt er. Dabei hat er nicht einmal einen Lieblingsverein.

Die Glaubensfrage nach Club oder Kleeblatt beantwortet er als Grenzgänger: „Ich freue mich für beide.“ Das rührt daher, dass ihn zwar sein Vater mit zum Club nahm, als er noch ein ganz kleiner Bub war. „Mein absolutes Vorbild war Andi Köpke, deshalb bin ich ins Tor gegangen.“ Doch 2011 durfte er für ein Jahr Co-Trainer der U 14 der SpVgg sein, der Spielführer hieß David Raum. „In dem Fürther Jahr habe ich gelernt, wie Fußball auf Nachwuchsleistungsniveau funktioniert.“ Doch die Schattenseiten, dieses knallharte Aussieben von Teenagern, „die viel von ihrer Jugend aufgeben“ – das alles gibt es beim TSV nicht, und das findet Reichel gut so.

Magath kommt nicht an

„In Langenzenn ist es wichtig, die Jungs bei Laune zu halten“, erzählt er aus seinem Alltag und muss lachen, „wenn man als Breitensporttrainer den Felix Magath mal raushängen lässt, kommen gleich zwei weniger ins Training.“ Dabei könne er sogar den Militärausbilder raushängen lassen, immerhin war er Feldwebel bei den Heeresfliegern in Roth.

„Was mir total viel gebracht hat, ist das freie Sprechen vor einer großen Gruppe. Aber ohne Befehlston, denn damit ist man schon zu meiner Zeit bei der Bundeswehr nicht mehr weit gekommen.“ Oft belächelte Zitate aus der Zentralen Dienstvorschrift wie „Ab einer Wassertiefe von 1,20 Meter hat der Soldat selbstständig mit Schwimmbewegungen zu beginnen“ gehörten längst der Vergangenheit an. „Der Soldat wie der Spieler bekommt einen Auftrag, den er selbst lösen muss“, erklärt Reichel seine Philosophie.

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