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Holger Fritz vom SV Seukendorf: "Selbst in der A-Klasse fließt Geld"

Seele des Vereins

Holger Fritz ist beim SV Seukendorf zuständig für die Abteilung Fußballromantik und trotz seiner niedergelegten Ämter noch mittendrin bei seinem Herzensverein.

Holger Fritz war 25 Jahre lang Abteilungsleiter in Seukendorf. Der 2017 gegründete Fußball-Kindergarten soll die Zukunft der SVS-Fußballer sichern.

 / © Hans-Joachim Winckler

Zwei Jahre hat es gedauert, bis der SV Seukendorf einen Nachfolger für Holger Fritz gefunden hat. Nach fünf Jahren Jugendleiter und 25 Jahren Abteilungsleiter sollten die Jüngeren ran. Aber was heißt schon ein Nachfolger?

"Den Job, den ich gemacht habe, teilen sich jetzt vier Mann und eine Frau", erklärt der 55-Jährige und lacht. Neben einer Jugendleiterin sind das die Ämter Kassier, Spielleiter, Kontaktmann zum BFV und Eventmanager. Kassier macht nun sein Sohn Florian (33), denn "das Ehrenamt gibt man weiter".

Holger Fritz erzählt das mit seiner rauchigen, unaufgergten Stimme nicht aus Eitelkeit. Er will nur seine Einstellung beschreiben: "Wenn was zu tun war, kann man den Holger fragen." Und der dachte sich oft: "Ach, das kann ich ja so nebenbei machen." Und das war beim kleinen SVS fast alles, außer Jugendtrainer seiner eigenen Söhne, "das wollte ich nie".

Doch für alles andere hat der einstige Mittelfeldstratege bei der SG Quelle Fürth, dem TSV Burgfarrnbach, TSV Nürnberg-Ost und SV Seukendorf um sich herum ein Netzwerk an Freunden und Spielereltern aufgebaut, das bis heute zusammenarbeitet. Zehn Mitspieler von damals bilden den engsten Zirkel, auf den er zählen kann, wenn Jugendtrainer, Kuchenbäcker, Grillmeister oder Handwerker gebraucht werden.

Mittlerweile gehört er als Ex-Abteilungsleiter selbst zu diesen Heinzelmännchen. Er mäht den Rasen, weil sich der Sportverein Seukendorf genauso wenig einen Platzwart leistet wie er Spieler bezahlt. Als er darauf zu sprechen kommt, wird er emotional. Denn im Amateurfußball hätten die Dinge eine Wendung genommen, die er nicht mehr nachvollziehen kann. Da wäre die Mentalität einiger Eltern, "die ihre Kinder nur noch abgeben und fragen, wann sie sie wieder abholen können".

"Ich wollte das nie"

Da gebe es Spieler, die selbst schon in der A-Klasse schauen, welcher Verein Punktprämie zahlt. In Seukendorf fließt laut Fritz kein Cent. Und das sei für ihn auch ein Grund, warum die erste Mannschaft nur auf Rang neun der A-Klasse 8 steht. "Es gibt im Umkreis viele Sportvereine, in denen die Spieler nicht umsonst spielen. Ich aber wollte das nie", sagt er. "Ich wollte, dass wir aus unseren eigenen sportlichen Möglichkeiten was machen. Höherklassig spielen funktioniert aber so nicht, da hast du keine Chance."

Er sah im Lauf der Jahre viele Talente, die abgeworben und förmlich darauf "dressiert worden sind, dass sie irgendwann Geld verlangen können". Auf die Frage, ob ihn das ärgere, dass man mit dieser Attitüde in der untersten Liga feststecke, antwortet er: "Das ist kein Manko, das ist das Schöne, dass wir eine Familie sind, die sich zusammensetzt oder Feste feiert."

Frei von Ambitionen sei er natürlich trotzdem nicht: "Ein bis zwei Klassen höher ist das Ziel." In seinem Beruf als Vertriebler von Software für Dokumentenmanagement würde er wohl von einem "Upgrade" der Ligazugehörigkeit sprechen.

Doch so ein Wort kommt dem Bewahrer alter Werte in seinem Ehrenamt nicht über die Lippen. "Es war eine andere Zeit", beschreibt er die Jahre, "in denen Vereinsleben tatsächlich Vereinsleben war. Den Spruch hasse ich zwar, aber es war alles einfach nicht so stressig."

Früher habe es mehr Zusammenhalt gegeben, "die Frauen haben gequatscht, die Kinder haben Fußball und auf dem Spielplatz neben dem Sportheim gespielt, zu jedem Festchen wurden die Eltern eingeladen. Das war wie ein Dorftreffen".

Das Idyll bröckelt

Auch, weil Fritz ein Credo beim SVS etabliert hat: "Bei uns ist die kleinste Mannschaft so wichtig wie die größte. Die Kleinsten haben bei der Ersten zugeschaut und gesagt: Da will ich auch mal spielen." Doch das Idyll bröckelt. Die 170 Mitglieder starke Abteilung des SV Seukendorf musste vor zwei Jahren Spielgemeinschaften in den Nachwuchsteams eingehen, eine Lücke in der C-Jugend war nicht mehr zu schließen.

"Es gibt kaum noch richtige Straßenfußballer. Heute gibt es Ausreden wie 'der Has‘ ist gstorm'. Wir könnten Bücher drüber schreiben." Doch die SG soll eine Momentaufnahme bleiben. Seit 2017 sei der "Fußball-Kindergarten" des SVS ein wahrer Magnet im Landkreis.

"Wir versuchen, das von ganz unten aufzubauen, damit wir die SG nicht mehr brauchen", sagt Fritz und klingt immer noch ein wenig wie der Abteilungsleiter. Seine Einstellung legt er nicht mit dem Amt ab: "Man muss sich gerade jetzt engagieren, denn sonst gibt es in fünf Jahren keinen SV Seukendorf mehr."

Nach dem langen Telefonat verabschiedet sich Holger Fritz höflich, doch er baue gerade an einem Mehrgenerationenhaus. Es gibt kein schöneres Bild, das die Seele des Vereins beim SV Seukendorf beschreibt.

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