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Christen im (Fußball-)Lockdown: "Wir vertrauen einfach drauf, dass es gut wird"

Nachgefragt

Unsere Gesprächspartner haben auf verschiedene Weise einen Bezug zum Christentum. Kommen Sie deshalb leichter durch den Lockdown?

Auch Christen können auf dem Platz zulangen, wie Garret Gachot (links) im Dress von Tuspo Roßtal beweist. 

 / © Zink

Bernd Jesussek antwortet mit einer bewegenden Geschichte auf die Frage, wie es ihm gerade geht. Der Vorsitzende des einzigen DJK-Vereins in Fürth, der DJK Concordia, erzählt: „Wir haben gerade einen Freund da sitzen, dessen Frau im Februar gestorben ist. Er hat bedauert, dass nur der engste Familienkreis gekommen ist.“

Normalerweise hätten mindestens 50 Vereinskollegen Abschied genommen; die Fahne der katholischen „Deutsche Jugendkraft“-Bewegung ist bei solchen Anlässen immer dabei. Das Beispiel zeigt, was Vereinsleben auch abseits des Sports bedeuten kann: zusammen feiern, zusammen trauern. „Wir haben genauso Hoffnung, dass sich die Pandemie auflöst. Und wir sind genauso eingeschränkt“, sagt Jesussek. Der katholische Glaube sei bei der DJK Concordia Fürth schon präsent, Aufnahmekriterium aber seit einer Satzungsänderung nicht mehr.

So beherbergt der Verein auch einen bunten Haufen an Christen und Nichtchristen unter dem Namen Jesus Cooperation. Vor dem Lockdown bat deren Leiter Klaus Hartmann vor jedem Mittwochstraining zum Gebet. Er gibt unumwunden zu: „Jeder hat gehofft, dass es jetzt wieder losgeht. Das Vereinsleben besteht derzeit nur aus einem kurzen Austausch über Whatsapp, aber das war’s auch schon.“ Der Gymnasiallehrer in Oberasbach vermutet, dass viele eher Kontakt halten zu ihren freichristlichen und kirchlichen Gemeinden.

"Irgendwann kommt die Normalität“

So wie die Fußballer des FC Fels des Glaubens. Der ehemalige Landesligaspieler Garret Gachot versucht als Spielführer, die Truppe zusammenzuhalten: Regelmäßig treffen sie sich in Zweier- und Dreiergruppen, an den Video-Konferenzen nehmen bis zu 15 Mitspieler teil, berichtet er.

„Der Kontakt ist, so gut es geht, da, damit wir uns nicht aus den Augen verlieren“, erzählt der 26-Jährige. Den letzten gemeinsamen Gottesdienst feierten sie Anfang des Jahres, nun ist ihnen auch das genommen worden, was Garret Gachot sehr belastet. „Wir haben uns im christlichen Rahmen öfter getroffen als zum Fußballspielen. Wir haben uns sehr aneinander gewöhnt.“ Er gibt zu: „Ich habe wirklich Phasen, in denen ich am Verzweifeln bin.“ Dann sagt er sich: „Es geht aber weiter, irgendwann kommt die Normalität.“

Aus drei wurden 40

Die sportliche Realität wiederum ist für den FC Fels des Glaubens: Tabellenführer der B-Klasse 7. „Bitterer geht es gar nicht für uns“, klagt deren Torjäger Gachot vor allem im Kontext der jungen Vereinshistorie. „Wir haben mit drei Leuten vor eineinhalb Jahren nach einem Gottesdienst angefangen und hatten gar nicht vor aufzusteigen.“ Doch nach den Presseberichten über das Team, das Gläubige versammelt, kamen christliche Spieler von überall her.

„Jetzt sind wir 40 Mann im Training beim TSV Sack. Dann spielst du so eine Saison und dann kommt der Lockdown.“ Denn Nächstenliebe hin oder her – als ambitionierte Sportler kennen sie jetzt nur noch eine Richtung: „Wenn du da oben stehst, willst du auch aufsteigen.“ Nun hofft er, dass bei einem Saisonabbruch die Erstplatzierten hoch dürfen.

Beinharter Kleeblatt-Fan

Aufstieg ist auch das Thema von Michael Wolf. Denn der Pfarrer ist beinharter Kleeblatt-Fan, seit dem Lockdown eben mit Sky-Abo statt mit Eintrittskarte. Auch er verwendet wie Gachot das Wort „bitter“: „Es ist bitter, dass man nicht live dabei sein kann, diese schönen Spiele im Stadion erleben und anschließend in die Gustavstraße gehen . . . Die Vorstellung, dass vielleicht jeder für sich den Aufstieg feiern muss, ist gruselig.“

Als Pfarrer hat er vor neun Jahren in seiner evangelischen Gemeinde bei Schwabach den Fanklub „Rohrer Teebeutel“ gegründet. Heute pendelt er als Kirchenrat von der Fürther Südstadt nach München und muss sich, was den Lockdown anbelangt, hin und wieder selbst eine Predigt halten: „Ich merke schon von der Stimmung her bei mir, dass man langsam keinen Bock mehr hat. Die Vernunft, die man sich eingeredet hat, kostet einen schon Kraft.“ Und so langsam begräbt er auch die lange gehegte Hoffnung, dass zum entscheidenden Aufstiegsspiel am letzten Spieltag wieder Zuschauer dabei sein dürfen.

„Obwohl wir uns gegen alles abgesichert haben, zeigt dieses Virus, wie wichtig das Leben, Gesundheit, Sport und Kultur sind.“ In unserer Gesellschaft heiße es immer: Du kannst alles schaffen, wenn du willst. „Aber das gilt jetzt eben nicht mehr. Wir kommen an unsere Grenzen, haben es nicht im Griff.“ Was ihm zu diesem Ostern dennoch Kraft gibt, ist die Einstellung: „Wir brauchen jetzt ein Stück Gottvertrauen. Wir vertrauen einfach drauf, dass es gut wird.“

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