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An drei Tagen regieren Studenten die Welt

Modell der Vereinten Nationen tagte erstmals in Nürnberg - 14.03.2017 18:03 Uhr

Mehrere Studenten vertreten ein Land und müssen nach dessen Vorstellungen und Interessen bestmöglich entscheiden. © Foto: Roland Fengler


Are there any motions on the floor?" Will jemand einen Antrag stellen? Sofort schießen zahlreiche Zettel mit Ländernamen in die Höhe. Jede Delegation möchte als erste aufgerufen werden. Die offizielle Sprache der Konferenz ist Englisch, wer auch nur kurz Deutsch spricht, wird böse angeschaut. Bei den Vereinten Nationen geht es schließlich um Verständigung.

Studenten der Universität Erlangen-Nürnberg und der Universität der Bundeswehr München sind mit dabei, aber auch Schüler aus der Türkei und Bulgarien sind extra angereist. Alle mit dem Wunsch, ihr vorab gewähltes Land bei der nachgestellten Generalversammlung der Vereinten Nationen bestmöglich zu vertreten.

Schon seit den 1920 Jahren – vor Gründung der eigentlichen UNO – veranstalten amerikanische Unis "Model United Nations", damit sich Studenten mit globalen Problemen und den Interessen einzelner Länder beschäftigen. Nach und nach fand das Konzept weltweit Nachahmer – nun zum ersten Mal auch in Bayern.

"Honorable Chair, the delegation of Mexico moves to suspend the meeting for 30 minutes?" Endlich, die mexikanische Delegation bittet den "ehrenwerten Vorsitzenden", um eine Pause. Das ist nötig bei den strengen formellen Sitzungen, in denen die Abgeordneten schnell hintereinander einminütige Reden halten. Als die Mehrheit für die Pause gestimmt hat, strömen alle aus. Jetzt gilt es, andere Länder von der eigenen Idee zu überzeugen, Koalitionen zu schmieden und Resolutionsentwürfe zu schreiben. Die Zeit ist knapp, alle stehen unter Strom und wollen ihre Interessen in einen Entwurf einbringen.

Mehr Bildung gegen den Terror

Das Thema der Konferenz ist die Gefahr der internationalen Sicherheit durch Terrorismus. Einige Gruppen schlagen Bildung als präventive Maßnahme vor. Andere versuchen den Datenaustausch zu verbessern. Wieder andere wollen einen Rahmen schaffen, um Terroristen besser verurteilen zu können. Aus einer Arbeitsgruppe steigt Israel kurzfristig aus: "Wir können nicht mitarbeiten, solange Terrorismus nicht ausführlich definiert ist – am Ende profitieren unsere Feinde davon", sagt eine Delegierte. Einem anderen Entwurf will China nicht zustimmen. Das greife zu sehr in die Souveränität der Länder ein. Aber sie versprechen, sich bei der finalen Abstimmung lediglich zu enthalten und nicht dagegen zu stimmen.

Es ist ein Trapezakt, die Interessen des gewählten Landes glaubwürdig zu vertreten und nicht mit eigenen moralischen Vorstellungen und Ideen zu verwechseln. Die Studenten halten Reden, schreiben Resolutionen, gehen Kompromisse ein und all das mit diplomatischer Etikette. Immer wieder müssen sie sich ins Gedächtnis rufen: "Was würde das Land zu diesem Vorschlag sagen?"

In den Sitzungen wird heiß diskutiert, es gibt Sticheleien und Angriffe in den Reden. Wie gegen Saudi-Arabien, denen Australien vorwirft, das eigentliche Problem zu sein. Auch die USA kommt nicht ungeschoren davon und wird immer wieder für ihren Präsidenten kritisiert. Vielleicht ist das schon ein Ausblick auf künftige reale UN-Sitzungen.  

Sabrina Ahmed

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