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Dienstag, 22.10.2019

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Atommüll: Erkundungsbohrung vor der Lorenzkirche

Bürger protestieren gegen atomare Endlagerung in Gorleben und anderswo - 09.07.2009

Eine Baustelle vor der Lorenzkirche (Archivfoto): So gewaltig wird die "Probebohrung" natürlich nicht, die Gegner der Atomenergie direkt vor dem Gotteshaus als "Hingucker" anlegen. © Günter Distler


Denn die Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg, die sich seit Jahren gegen das geplante nukleare Endlager in Gorleben wehrt, will mit ihrer Aktion zeigen, dass jeder andere Standort so geeignet (oder besser: ungeeignet) ist wie die unterirdischen Salzstöcke in Wendland. Im Rahmen einer vierwöchigen Protestaktion ist die BI in ganz Deutschland und in vier Nachbarländern unterwegs. Heute kommt sie auf Einladung des Energiewendebündnisses auch nach Nürnberg.

«Propaganda-Erfindung der Reaktorbetreiber«

«Wir müssen den Leuten klarmachen, dass die Ängste - die Lichter gingen aus, der technologische Vorsprung gehe verloren oder das Klima könne nur mit Kernkraft gerettet werden - nur eine Propaganda-Erfindung der Reaktorbetreiber sind«, sagt BI-Vorstand Gerhard Harder. «Dagegen müssen wir etwas tun.« Die wahren Gefahren lägen ganz woanders, nämlich im Betrieb der Atomkraftwerke, siehe Krümmel, und in der ungelösten nuklearen Entsorgung. «Das soll in die Köpfe rein.«

Deponie in Nürnberg?

Deshalb macht das Team an allen 28 Stationen ihrer Tour mit Theaterstücken und Vorträgen auf ihr Anliegen aufmerksam. Größter Blickfang ist aber wohl ein symbolischer Bohrturm. «Mit dem Gerüst machen wir Untersuchungen und dann sehen wir, dass auch Nürnberg wunderbar geeignet ist, gefährlichen Atommüll aufzunehmen. Das macht die Menschen nachdenklich«, ist Harder sicher. Deshalb sollten möglichst viele zur «Erkundungsbohrung« kommen. Die Bürger sollen aber auch darauf hingewiesen werden, dass hoher Stromverbrauch den Atomkraft-Betreibern in die Hände spielt.

Von ganz besonderem Reiz ist für die Initiatoren die Aktion in Bayern, dem Bundesland, das die Atomkraft am intensivsten nutzt, aber mit Atommüll nichts zu tun haben will - nicht einmal, wenn Tschechien eine grenznahe Deponie einrichten will. Um den Dreck loszuwerden, bezeichne der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU) - dem Harder selbst minimalste Kenntnisse in Fragen der Entsorgung abspricht - Gorleben als sicher. Aber aus Sicht der Bürgerinitiative kann es «nicht angehen , dass vor unserer Haustür das Atomklo Deutschlands entstehen soll. Gorleben ist geologisch ungeeignet.«

Millionen Jahre (un)sicher

Harder kann sich auch keinen anderen Standort vorstellen, an dem man hochradioaktive Abfälle über Millionen Jahre sicher lagern könne. Und was von kurzfristigen Sicherheitsversprechen zu halten sei, sehe man in den maroden Deponien Asse und Morsleben.

Über den Stand der Entsorgung werden Harder und andere BI-Mitglieder Donnerstag Abend um 19.30 im Haus eckstein berichten.

Herbert Fuehr

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