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Samstag, 19.10.2019

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Auch in Erlangen: Aktionen zum Weltfrauentag

Amnesty International sensibilisiert am 8. März für Menschenrechte - 07.03.2019 17:07 Uhr

Dinah Radtke setzt sich für die Rechte behinderter Frauen ein. © Foto: Millian


Ebenfalls engagiert am Internationalen Frauentag ist die Erlanger Ehrenbürgerin Dinah Radtke, die selbst im Rollstuhl sitzt. Wir haben vorab mit ihr gesprochen.

Frau Radtke, Sie werden am Freitag beim Stand von Amnesty International ein kurzes Statement abgeben. Sind denn behinderte Frauen ebenfalls von Gewalt betroffen?

Dinah Radtke: Das sind sie. Sexualisierte Gewalt erleben behinderte Frauen laut einem EU-Bericht sogar drei- bis viermal öfter als nichtbehinderte Frauen. Nur sehr selten allerdings gelangen solche Fälle an die Öffentlichkeit, so wie kürzlich, als bekannt wurde, dass ein Krankenpfleger eine behinderte Frau vergewaltigt hat. Das Ganze ist ein Tabuthema. Das liegt auch daran, dass behinderte Frauen so wehrlos sind. Da behinderte Frauen oftmals sowohl körperlich als auch psychisch abhängig sind von den Leuten, die sie pflegen, verschweigen sie nicht selten, wenn ihnen Gewalt zugefügt wird.

Meinen Sie, dass behinderte Frauen in der Gesellschaft nicht richtig sichtbar sind?

Radtke: Na ja, es hat sich schon etwas geändert. Seit ein paar Jahren wird es besser. Behinderte Frauen sind selbstbewusst geworden und kämpfen für ihre Rechte und auch für die Umsetzung der Menschenrechte und der UN-Behindertenrechtskonvention. In Letzterer gibt es einen eigenen Artikel "behinderte Frauen". Das ist so wichtig, weil wir eben so lange nicht wahrgenommen wurden. Letztes Jahr haben wir 100 Jahre Frauenwahlrecht gefeiert. Und wenn man zurückblickt auf die Einführung des Wahlrechts für Frauen im Jahr 1918, dann stellt man fest, dass damals behinderte Mädchen und Frauen so gut wie unsichtbar waren.

Große Aktion der "Nürnberger Nachrichten" zum Weltfrauentag

Wie ist das heute: Unterscheiden sich Ihre Anliegen als behinderte Frau denn überhaupt von den Anliegen behinderter Männer?

Radtke: Es ist auf jeden Fall so, dass wir mehrfach diskriminiert werden, als Behinderte und als Frauen. So sind zum Beispiel mehr behinderte Frauen arbeitslos als behinderte Männer, behinderte Frauen haben auf dem Arbeitsmarkt einfach weniger Chancen als behinderte Männer. Der Aspekt der Erwerbsarbeit ist für Frauen von großer Bedeutung — und natürlich auch für behinderte Frauen.

Am Weltfrauentag ist nicht nur Amnesty International aktiv (Hugenottenplatz, ab 14 Uhr). Das "Bündnis 8. März" ruft zu einer Kundgebung ab 13 Uhr an der Martiussäule gegenüber den Arcaden auf. Um 14.30 Uhr ist Treffpunkt auf dem Bahnhofsvorplatz für die gemeinsame Fahrt zur Demo nach Nürnberg.

EVA KETTLER

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