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Sonntag, 16.06.2019

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Außenansichten afrikanischer Wirklichkeit

Ausstellung in der Slow Art Galerie - 31.05.2019 18:34 Uhr

Hobb edz, küss den Frosch! In der Slow Art Galerie am Weinmarkt trifft traditionelle afrikanische Kunst auf solche, die den Blick von außen auf die Alltagsrealität des schwarzen Kontinents wagt, wie das Gemälde von Anton Atzenhofer. © Foto: Galerie


Afrika ist ein Kontinent der schroffen Gegensätze. Gleich neben den Touristen-Paradiesen und der wunderbaren Natur liegen die Kriegs- und Hunger-Höllen, aus denen in jüngster Zeit unzählige Menschen nach Europa zu fliehen versucht haben. Dass all dies in der Slow Art Galerie nicht aufscheint, ist kaum verwunderlich. Dokumente der Not sind als Schmuck für deutsche Wohnzimmer nicht so recht geeignet. Daher präsentiert Galeristin Lydia Schuster lieber Objekte und Bilder, die eine intakte Natur und ein weitgehend friedliches Leben durchweg gesunder, fröhlicher Menschen zu spiegeln scheinen.

Tiere und Arbeitssituationen

Für diese auf das Schöne beschränkte Außenansicht afrikanischer Wirklichkeit stehen zum Beispiel die sehr gekonnt gemalten Porträts traditionell gekleideter und frisierter Afrikanerinnen von Gisa Gudden und Susanne Schattmann oder die wunderbar naturgetreuen Bilder afrikanischer Tiere, die Anton Atzenhofer nach Modellen aus dem Nürnberger Tiergarten gestaltet hat. Der Alltagsrealität des schwarzen Kontinents relativ nahe kommen die Gemälde der Bambergerin Claudia Wirth, die unter anderem verschiedene Arbeitssituationen thematisieren.

Die traditionelle religiöse und profane (Gebrauchs-)Kunst der afrikanischen Völker repräsentieren ein paar sehr hochwertige, ästhetisch reizvolle Holzschnitzereien. Was daraus in vielen Fällen mittlerweile (leider) geworden ist, zeigen nebenan einige weitere Holzarbeiten, die in unseren Tagen eigens für den Verkauf an europäische Touristen angefertigt wurden.

Eine Ahnung von echter zeitgenössischer Bildhauerei in einem kulturell besonders eigenständigen Teil Afrikas vermitteln hingegen die sogenannten Shona-Skulpturen aus der international bekannten Künstlerkolonie Tengenenge in Zimbabwe. Was es damit auf sich hat, mag schon dieser Staatsname andeuten. Er heißt übersetzt nichts anderes als "Haus aus Stein".

Die in Tengenenge seit Jahrzehnten tätigen Künstlerinnen und Künstler bearbeiten in aller Regel die dort massenhaft vorhandene Gesteinsart Serpentin. Künstlerisch inspirierend wirkt zunächst, dass es den sehr harten Stein in den unterschiedlichsten Farbnuancierungen gibt, von schwarz über braun bis zu grau und grün. Aus solch reizvollem Material entstehen dann formal stark vereinfachte Menschen- und Tierfiguren, die sich in ihrer würdevollen Schlichtheit wohltuend von den sonst nur allzu üblichen Souvenir-Produkten aus fast allen afrikanischen Ländern abheben.

Slow Art Galerie, Weinmarkt 12: "Afrika". Bis 6. Juli, Mi.–Sa. 13–18 Uhr

BERND ZACHOW

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