Kommunalpolitiker sauer

Bausünde: Offene Automatenfront im Fürther Denkmal sorgt für Ärger

27.10.2021, 06:00 Uhr

"Das Ding ist potthässlich": Der offene Selbstbedinungsautomat an prominenter Stelle der Fürther Altstadt sorgt für Entsetzen. © Wolfgang Händel

"Denkmalstadt Fürth" – Schilder mit dieser Aufschrift prangen an vielen Einfallstraßen und Autobahnen rund ums Stadtgebiet, doch die Pflege des historischen Erbes gestaltet sich nicht immer einfach. Unlängst nun sind Stadträte wegen des aus ihrer Sicht zu laschen Umgangs mit Bausünden in der Königstraße hart mit dem kommunalen Baureferat ins Gericht gegangen.

Grund: Vor einigen Monaten wurde in der Königstraße 77 – pikanterweise direkt gegenüber dem historischen Rathaus – ein Ladenlokal im Erdgeschoss durch eine offene Automatenfront mit Selbstbedienung ersetzt. Schon im Juni hatte das Baureferat auf Anfrage der Grünen-Fraktion darüber informiert, dass dieser gravierende Umbau eines eingetragenen Baudenkmals und Teil des Altstadtensembles ohne Genehmigung durchgeführt wurde.

In der jüngsten Sitzung des städtischen Bauausschusses berichtete Baureferentin Christine Lippert nun, dass sich die Eigentümer "gesprächsbereit und konstruktiv" hinsichtlich einer Umgestaltung gezeigt hätten. Ein Nutzungsverbot wegen des offensichtlichen Schwarzbaus auszusprechen komme für sie jedoch nicht in Frage, so Lippert, weil das unverhältnismäßig sei. "Auch einen Rückbau können wir nicht so einfach einfordern", sagt sie.

SPD-Fraktionschef Sepp Körbl, der selbst im Altstadtviertel lebt, ging so viel Diplomatie gegen den Strich: "Das Ding ist potthässlich. Und wir sollen jetzt verhältnismäßig reagieren, obwohl doch die Zerstörung des Baudenkmals eindeutig unverhältnismäßig war", schimpfte er. Bei derartig eklatanten Verstößen müsse die Bauaufsicht härter vorgehen "und auch mal die Peitsche rausholen".

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Kamran Salimi erinnerte in diesem Zusammenhang an das Anwesen Schwabacher Straße 1 am Beginn der Fußgängerzone: Dort waren ebenfalls ohne Erlaubnis große Teile der denkmalgeschützten Fassade abgetragen worden.

"Wir laufen hinterher"

"Jetzt ist wieder etwas Schützenswertes weg und wir laufen wieder nur hinterher", monierte Salimi. "Für eine Denkmalstadt, die wir ja sein wollen, ist das nicht in Ordnung", findet er.

Auch er forderte deshalb ein konsequenteres Durchsetzen bestehender Vorschriften. Sonst setze sich unter den Bauherren in Fürth langsam, aber sicher die Erkenntnis durch: "Erst mal machen – und hinterher schauen wir, was passiert."

Oberbürgermeister Thomas Jung sieht das im aktuellen Fall ganz ähnlich: Die Automatenfront, gerade an dieser prominenten Stelle, hält er für einen eklatanten Verstoß gegen die Baurichtlinien. Das Image als Denkmalstadt sehe er zwar nicht gleich gefährdet, so der OB, doch gebe es eben auch schwarze Schafe. Die überwiegende Zahl der Bauherren nehme den Denkmalschutz sehr ernst, "aber für manch neuen Eigentümer ist er leider komplett fremd".

Baureferentin Lippert dagegen will sich nicht einmal darauf festlegen, dass es sich bei dem Umbau ohne Genehmigung um eine Ordnungswidrigkeit handelt. In den weiteren Gesprächen mit dem Eigentümer werde ihre Behörde nun aber – wie von den Stadträten gefordert – eine eindeutigere Haltung einnehmen, versicherte sie.

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