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Freitag, 18.10.2019

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Ben Salomo in Weißenburg: "Hört Rap, aber mit Filter"

Der Rapper und ehemalige "Rap am Mittwoch"-Moderator hat sein Buch vorgestellt - 17.05.2019 16:16 Uhr

Noch schnell ein Foto für Instagram: Ben Salomo mit den Schülern des Weißenburger Gymnasiums. Hier war er am Freitag zu Besuch, um mit den Jugendlichen über Antisemitismus in der Gesellschaft und vor allem in der Rapmusik zu sprechen. © Foto: Maria Segat


Ben Salomo bewegt sich zwischen Welten. Aufgewachsen in einem Berliner Brennpunktviertel und früh mit Hip-Hop in Kontakt gekommen, gründete und moderierte er acht Jahre lang das Battlerap-Format "Rap am Mittwoch", das über Youtube ausgestrahlt wurde, und bot damit späteren Größen der Szene eine erste Bühne. Einerseits.

Andererseits ist er ein Mann Anfang 40, verheiratet, Vater einer Tochter, inzwischen Buchautor: "Ben Salomo bedeutet Sohn des Friedens" heißt das Buch, das er geschrieben hat über seine Geschichte als Jude in Deutschland – und dessen Vorstellung ihn nach Weißenburg geführt hat.

Salomo hat eine Botschaft

Auch hier bewegt sich Ben Salomo, der mit bürgerlichem Namen Jonathan Kalmanovich heißt, zwischen zwei Welten. Am Donnerstagabend stellt er sein Buch in der Buchhandlung Meyer vor, am Freitag ist er zu Gast an der FOSBOS und am Gymnasium. Salomo ist eigentlich kein Teil dieser Welten. Er ist kein Bürger einer beschaulichen Kleinstadt, die, wie er vermutet, "vielleicht noch eine Oase ist", in der man weitestgehend frei von Rassismus und Antisemitismus leben kann. Er ist auch kein Schüler, kein leicht zu beeinflussender Jugendlicher mehr, der heutzutage Rapmusik hört, die vieles darf und vieles verherrlicht, vor allem wenn man nicht allzu genau hinhört.

All das ist Salomo egal, weil er eine Botschaft hat. Er, der selbsternannte "Sohn des Friedens", ist nicht hierhergekommen, um ein netter Typ zu sein, behutsam Kritik zu äußern, Umstände zu relativieren. "Dafür habe ich keine Zeit mehr", sagt er. "Dafür haben wir alle keine Zeit mehr." Seine dringlich vorgebrachte Botschaft lautet: Deutschland hat ein Problem mit Antisemitismus – und jeder, der davor die Augen verschließt, ist ein Teil davon.

"Das sollte Ihnen Angst machen"

Salomo ist in Israel geboren, nach Deutschland kam er mit seiner Familie als Kleinkind. Seit er elf Jahre alt ist, erlebt er immer wieder antisemitische Diskriminierung. Er erzählt von Freunden, die plötzlich nichts mehr mit ihm zu tun haben wollten, als sie erfuhren, dass er Jude war, von Holocaust-Sprüchen und Geldverleiher-Witzen. Judenfeindlichkeit hat er sein Leben lang zu spüren bekommen, die Rapszene ist da alles andere als eine Ausnahme: "Die Rapszene ist ein Spiegel der Gesellschaft von morgen, und das sollte Ihnen Angst machen", sagt Salomo zu den Gästen in der voll besetzten Buchhandlung Meyer und erntet dafür ein wenig Geschmunzel.

Er will nicht unterhalten, er will aufrütteln

Aber wer denkt, er könne sich an diesem Abend zurücklehnen und als Genre-Tourist ein wenig bespaßen lassen von kuriosen Geschichten aus diesem fremden Kosmos, der irrt und wurde möglicherweise enttäuscht. Salomo will die Leute nicht unterhalten, er will sie aufrütteln. Aus seinem Buch liest er nichts vor. Er redet frei und "lässt sich von seiner Intuition leiten".

So kippt sein Vortrag über den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland zwischenzeitlich ein wenig in Richtung einer Aufzählung von "Wussten Sie eigentlich" und "Haben Sie mitbekommen, dass" – gefolgt von haarsträubenden Statements deutscher Politiker, UN-Resolutionen gegen Israel und der Tatsache, dass das Wort "israelkritisch" als einziges seiner Art im Duden steht. Das mag mitunter belehrend wirken, vor allem aber ist es konsequent.

Ein unbequemer Gast

Denn Salomo scheut sich nicht, jedem Einzelnen der Anwesenden mitzugeben, dass schweigendes Achselzucken eben auch eine Komplizenschaft mit solchem Gedankengut ist. Er ist ein unbequemer Gast und er weiß das. Auf Diskussionen mit seinen teils sehr skeptischen Zuhörern lässt er sich gerne ein, weil er besser informiert ist als sie. Salomo hat vielleicht kein Abitur, aber über den Nahostkonflikt weiß er augenscheinlich mehr als die Anwesenden.

"Seien Sie mir nicht böse, dass ich die Samthandschuhe heute nicht mitgebracht habe", sagt er abschließend. Ob der eine oder andere genau das am Ende doch war, wird ihm egal sein, solange seine Botschaft ankam.

Battlerap darf viel, aber nicht alles

Die will er auch den Schülern des Weißenburger Gymnasiums vermitteln, vor denen er am nächsten Morgen in der Sporthalle steht. Von den Zehnt- und Elftklässlern kennen ihn sicher deutlich mehr als am Abend davor, auch mit Rapmusik haben die Jugendlichen naturgemäß mehr Berührungspunkte. An die knüpft er mit seinem Vortrag an. Mit den Schülern geht er nicht so hart ins Gericht, doch die Botschaft bleibt im Kern dieselbe: "Hört auf Euren moralischen Kompass."

Er wünsche sich nicht, dass junge Leute keinen Rap mehr hören. "Rap ist cool, aber hört ihn mit einem Filter", sagt er. Als Kunstform dürfe Rapmusik vieles, besonders im Battlerap sei fast alles erlaubt, solange sich die Kontrahenten hinterher die Hand schütteln können. Das ist gewollt, weil es in einem vorgegebenen Rahmen passiert. Außerhalb dieses "Containers", wie Salomo ihn nennt, hätten solche Dinge nichts verloren. "Daran dürfen wir uns niemals gewöhnen."

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