Mittwoch, 14.04.2021

|

Beulen, Dellen und Fäule ade

Architekten präsentieren ihre Pläne zur Sanierung des Wöhrder Friedhofswärterhauses - 12.09.2011 07:59 Uhr

Knut Engelbrecht, Pfarrer Hannes Ostermayer und Claus Giersch (v. links) wollen das alte Haus mit seinen morschen Balken wieder instandsetzen.

06.09.2011 © Distler


Beulen, Dellen, hängendes Gewebe, Fäule: Wäre das ehemalige Totengräberhaus am Wöhrder Friedhof eine Dame, es wäre wohl zutiefst unglücklich. Nein, einen Preis für makellose Schönheit würde das Gebäude sicher nicht mehr gewinnen. Doch das soll sich, wenn es nach der „Jury“ geht, bald ändern.

Vertreter aus der Gemeinde St.Bartholomäus, der Kirchenbauverein sowie der hiesige Vorstadtverein haben sich dem Projekt verschrieben. Zwei Architekten untersuchten das Haus zusammen mit Historikern und Restauratoren. Nun folgte ihr Urteil. Architektin Marisia Conn braucht viel Atem, um all die Problemstellen aufzuzählen: „Die Außenwände sind marode. Die tragenden Wände verlieren ihre Wirkung, die Decken hängen durch. Für den kleinen Glockenturm am Dach müssen wir die waagrechten Tragebalken stabilisieren.“ Hinzu käme die Fäulnis an den Holzbalken. „Lange warten sollte man mit der Sanierung also nicht mehr“, warnt Conns Kollege Claus Giersch angesichts der noch offenen Frage nach der Finanzierung.

Eine halbe Million Euro

Das Totengräberhaus muss saniert werden.

06.09.2011


Mit knapp einer halben Million Euro rechnen die Vertreter der Kirchengemeinde und des Vorstadtvereins für die Instandsetzung des ehemaligen Wohnhauses. „Ohne Zuschüsse und Sponsoren wird das sehr schwer“, sagt Pfarrer Hannes Ostermayer.

Bis die Gelder beisammen sind, wird weiterhin nur das Erdgeschoss genutzt. Darin haben die Gärtnerei sowie ein Geräteraum für die Friedhofspflege ihren Platz gefunden. Obergeschoss und Dachboden stehen leer. Zwar sei diese nicht einsturzgefährdet, dennoch sollte man aufpassen, wo man beispielsweise auf dem alten Holzboden unter dem Dach seinen Fuß hinsetzt. Auch sonst sei man bemüht, das erste Stockwerk nicht mit allzu vielen schweren Kisten oder dergleichen vollzustellen, um das Haus nicht weiter zu belasten.

Bis 1975 war das Gebäude mit seinen sechs Zimmern bewohnt — teils mit bis zu neun Personen. „Jede Generation versuchte, es den eigenen Anforderungen anzupassen“, lautet der Erklärungsversuch der Architekten für zwei entfernte Trägerbalken im Erdgeschoss oder das mit Putz verdeckte Fachwerk der Außenfassade. Für die skurrile „Anpassung“ im Treppenaufgang haben aber auch sie keine Erklärung: Hier findet sich unter einer Schicht Putz ebenfalls Fachwerk. Doch statt dieses hervorzuheben, ziert eine Tapete aus den 60er Jahren die Wand. Deren Aufdruck: grüne Blätter zwischen Fachwerk-Streben, die exakt über den Originalen liegen.

Solche Fehltritte möchte man nun rückgängig machen und die alte Schönheit des Hauses wieder herstellen. Dann soll der Pfarrer mit einem Seelsorgeraum Einzug halten. „Ebenso die Zentrale des Vorstadtvereins und auch die Gärtnerei braucht wieder ein Quartier“, sagt Knut Engelbrecht vom Vorstadtverein. Doch zuerst benötige das Haus die Schönheitskur. Eineinhalb Jahre wird es den Architekten zufolge dauern, bis es heißt: Beulen, Dellen und Fäule ade.

 

Alexandra Haderlein E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: nordbayern.de