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Freitag, 19.07.2019

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Das Wirtshaus in der Ohrwaschel – genau vor 100 Jahren abgerissen

Ursprünglich war es nur eine Hütte für Wald-Arbeiter — Mitte des 19. Jahrhunderts zur Waldschänke erweitert — Später übel beleumundete Spelunke - 20.02.2013

Um 1900 entstand dieses Bild mit Waldarbeitern und Förster vor der Ohrwaschel.Repro: Ernst Bayerlein


Wie kam es dazu? Viele alte Häuser in den Städten und Dörfern unserer Gegend sind aus Sandstein gebaut, überwiegend wurden diese Steine im Reichswald um Nürnberg, insbesondere auch im Tennenloher Forst gebrochen. Mit Fuhrwerken wurden die Quader abtransportiert, von Steinmetzen bearbeitet und dann als Bausteine verkauft.

Der Eingang zum einstigen Felsenkeller, wo das Bier zum Kühlen gelagert wurde, existiert noch. © Ernst Bayerlein


Erst spät, nämlich im 17. Jahrhundert entdeckte man den Steinbruch in der Ohrwaschel und begann mit dem Abbau. 1839 wurde dann ein kleines Waldhaus für die Waldarbeiter und zum Unterstand errichtet. Acht Jahre später verpachtete die Forstbehörde den Steinbruch an die Steinbrechermeister Wolfermann und Geiger, später dann an Geiger und Horlamus.

Keller angelegt

Dieser stellte 1852 einen Antrag, ein „Häuschen“ zu bauen. 1865 war daraus eine Wohnung, ein Stadel, Stallung, Schmiede und eine Sommerlaube geworden, die Horlamus an seinen Nachfolger Johann Meyer verkaufte. Dieser richtete eine Bierwirtschaft ein; dazu wurde auch ein Keller zur Kühlung des Bieres in den Sandstein geschlagen. Sein Nachfolger Matthäus Eckart baute 1872 mit Genehmigung des Oberförsters von Dormitz ein neues größeres Haus. 1890 erwarb Johann Georg König die Gaststätte und vor allem seine Schwester Magdalena war eine sehr gute Köchin und Wirtin, wie in alten Unterlagen berichtet wird.

Im Jahr 1900 kaufte Johann Kirchdörfer das Wirtshaus, er heiratete auch gleich die Köchin Magdalena. In einem Bericht in den Erlanger Heimatblättern in den 1950er Jahren berichtet Hans Walter Schmidt, dass hochbetagte Erlanger sich noch gut an die Wirtschaft in der Ohrwaschel erinnern können. „Es gab ein fest gebautes hübsches Sandsteinhaus, wo der Metzgermeister Kirchdörfer, er war auch ein großer Jäger, als sorgsamer Gastwirt seine Gäste mit Speis und Trank erquickte. Auch bei seinem Vorgänger König war ich öfter zu Gast, besonders wenn ich meine längeren Ritte durch den Staatswald in der Ohrwaschel unterbrach, um hier ein opulentes Mahl einzunehmen. Ich sehe noch heute im Geist genau den Wirt hinüber zu der kleinen Pforte des in den Sandstein gehauenen Felsenkellers eilen, um ein Fässchen Gerstensaft zu feuchtfröhlichem frischen Anstich herüberzurollen“, so der Bericht.

Steinbruch übernommen

1906 übernahm Georg Konrad Ebersberger den Steinbruch und die Wirtschaft. Wie beliebt und sehr viel besucht der Ort war geht daraus hervor, dass in der neuen Genehmigung es dem Pächter ausdrücklich verboten war, größere Veranstaltungen mit und ohne Musik zu halten und den Platz zu einen öffentlichen Belustigungsort zu machen.

Platz der Wilderer

Die Lage des Steinbruches mitten im Wald und die Wirtschaft führten in den folgenden Jahren aber dazu, dass das Forstamt feststellte: „Der Steinbruch ist das Asyl für die schlechtesten Elemente der Arbeiterschaft der ganzen Umgebung geworden“. Weiter wurde festgestellt, dass sich die Ohrwaschel zum Platz der Wilderer, Holzfrevlern und Vogelfänger entwickelt habe und die Qualität des Wirtschaftsbetriebes stark abgenommen habe.

Das Ende des Steinbruches Ohrwaschel schien am 1. Januar 1912 gekommen. Nur auf ein dringendes Gesuch hin, unterstützt auch von den Bürgermeistern aus Kraftshof und Tennenlohe sowie dem Universitätsbauamt in Erlangen und seinem Hinweis, dass seine Frau vor der Entbindung stehe, gelang es Ebersberger die Schließung bis zum 1. Mai 1912 aufzuschieben. Bis zum Sommer hatte er seine letzten Verbindlichkeiten erledigt, das Wirtshaus und die anderen Gebäude wurden bis zum Jahresende abgerissen. Damit kehrte in der Gemarkung Ohrwaschel nach 73 Jahren wieder Ruhe ein. 

ERNST BAYERLEIN

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