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Demo vor der N-Ergie: Verbrauchertäuschung mit Ökostrom?

Energiewende-Aktivisten protestieren am Nürnberger Plärrer - 05.03.2021 14:32 Uhr

Protest am Plärrer: Ein gutes Dutzend Aktivisten vom Energiewendebündnis Nürnberg kritisiert vor dem Eingang der N-Ergie das Ökostrom-Angebot des Versorgers als "Verbrauchertäuschung".

05.03.2021 © Oliver Haas, NNZ


Protest vor dem Hochhaus der N-Ergie am Nürnberger Plärrer: Nicht jeder freut sich über den Wechsel zum Ökostrom, den der Versorger zum Jahresanfang ohne Aufpreis für alle Privatkunden automatisch durchgeführt hat. "Die N-Ergie betreibt dreiste Verbrauchertäuschung, wenn sie ihren Privatkunden durch die angebliche Umstellung auf Ökostrom eine Einsparung von 480.000 Tonnen CO2 pro Jahr verspricht“, kritisiert Peter Mühlenbrock vom Nürnberger Energiewendebündnis. Sein Vorwurf: Die N-Ergie würde lediglich "für einen Spottpreis sogenannte Herkunftsnachweise für Ökostrom aus alten Anlagen“ erwerben. "Dieser Kauf ändert jedoch nichts an der Emission an Treibhausgasen.“

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Die N-Ergie weist die erhobenen Vorwürfe entschieden zurück. Der Erwerb von Zertifikaten, die die Herkunft von Strom aus regenerativen Anlagen bescheinigen, ist ein "absolut üblicher Weg“, sagt Konzernsprecher Michael Enderlein – und betont, dass man im Unterschied zu vielen Wettbewerbern bewusst Nachweise aus Deutschland statt aus dem Ausland kauft, trotz höherer Preise. Zudem würde die N-Ergie auch selbst Ökostrom in eigenen Anlagen produzieren.

Nur ein Prozent aus eigenen Anlagen?

Die Kritiker vom Energiewendebündnis lassen dieses Argument nicht gelten: "Die N-Ergie erzeugt gerade mal ein Prozent ihres Stromabsatzes in eigenen Anlagen für erneuerbare Energie“, rechnen sie nach und stellen dem gegenüber, dass bei den Stadtwerken in München bereits heute 80 Prozent des Stromabsatzes im Stadtgebiet aus eigenen Anlagen stammen würden. Ein schiefer Vergleich, findet Enderlein, da in München nur das Stadtgebiet betrachtet werde, bei der N-Ergie hingegen die gesamte Region und auch überregionale Abnehmer, zu denen große Industriekunden zählen.

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Mühlenbrock beharrt jedoch darauf, dass ohne den Bau neuer Ökostromanlagen keinerlei Verbesserung für den Klimaschutz erzielt werde. Seine Berechnung für die N-Ergie: "Um auf hundert Prozent Erneuerbaren Strom in ihrem Versorgungsgebiet zu kommen, ist ein Zubau von mindestens 6000 Megawatt Photovoltaikanlagen bis 2030 erforderlich.“


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Diese geforderte Menge wird der Nürnberger Versorger nicht so schnell erreichen: "Pro Jahr wollen wir in unserer Nähe Anlagen mit einer Leistung von 20 bis 50 Megawatt errichten“. Enderlein betont jedoch, dass der Nürnberger Versorger nachweislich die drei Kriterien erfüllt, die an einen Ökostromanbieter gerichtet werden: Er liefert tatsächlich zertifizierten Ökostrom, baut die erneuerbaren Energien aus und beteiligt sich nicht an Atom- oder Kohlekraftwerken.

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