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Samstag, 24.08.2019

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Den Stimmen des Orchesters auf der Spur

Kinder erleben bei "Mubikin in concert" die Nürnberger Symphoniker ganz nah - 08.07.2019 19:11 Uhr

Franziska Both (li.) und Kyumin Kim zeigen, wie Holzblasinstrumente klingen. Morgen achten im Orchester-Konzert über 580 Kinder unter anderem darauf, wann Flöte und Fagott besonders gut zu hören sind. © Foto: Stefan Hippel


Draußen brennt die Sonne, die Luft im Klassenzimmer in der Knauer-Schule ist stickig. Doch Johanna (9), David (9), Ferdinand (10) und die anderen Viertklässler sitzen absolut still. Lauschen gespannt und lassen Franziska Both und Kyumin Kim nicht aus den Augen. Dann verstummen Querflöte und Fagott. "Musik, das machen wir auf der Arbeit den ganzen Tag, nur mit viel mehr Leuten", erklärt Franziska Both, stellvertretende Soloflötistin der Nürnberger Symphoniker. "Wir treffen uns fast jeden Tag, üben zusammen, was wir vorher zu Hause geübt haben; und das spielen wir dann vor sehr vielen Leuten. Heute aber seid ihr unser Publikum!" Doch woraus besteht eigentlich so ein Orchester?

Auf einem Poster zeigt Both auf die verschiedenen Instrumentengruppen. Da gibt es beispielsweise die Streicher, die den Ton mit einem Bogen erzeugen. "Und ihr macht das mit der Luft!", sagt ein Mädchen fröhlich. "Genau, wir sind Bläser. Holzbläser." Aber warum ist die Querflöte dann aus Silber? Lässt sich ein Fagott zerlegen? Und vor allem: Wie bekommt man da Töne raus?

Die Flötistin hat eine Tüte Tortiglioni dabei, verteilt die Nudeln auf den Pulten und zeigt, wie man reinblasen muss, damit ein Ton entsteht. Einige haben es bald raus – es wird ordentlich laut. Beim Fagott geht dagegen nichts ohne ein – in der Regel selbst gemachtes – Mundstück aus Schilfrohr. "Für ein einziges brauche ich zwei Wochen", erzählt Kim und gibt eines herum. Vorsichtig wandert es von Hand zu Hand . . .

Insgesamt 27 Klassen von sechs teilnehmenden Schulen (Helene-von-Forster, Fischbach, Georg-Ledebour, Knauer, Eibach, und Friedrich-Wanderer) verteilen sich morgen auf zwei Konzerte, die ein Spezial- und Anschlussangebot von "Mubikin" (Musikalische Bildung für Kinder und Jugendliche in Nürnberg) sind.

Musik-Infos vom Ohrwurm

"Anders als 2016 ist ,Mubikin in concert‘ diesmal nicht produktionsorientiert", wie Projektleiterin und Organisatorin Andrea Herzog erklärt. Es gehe also nicht darum, dass die Kinder als Beteiligte eine gute Vorstellung abliefern, "sondern um ein Kinderkonzert im klassischen Sinn. Die Kinder sind dabei jedoch sehr aktiv und immer Teil der Aufführung", etwa mit Body-Percussion, Orff-Instrumenten oder Spontan-Aktionen.

Die inhaltliche Vorbereitung lief über das ganze Schuljahr hinweg. So gab es häufiger Post von einem "Ohrwurm" mit neuen Stücken, Infos zu deren Komponisten wie auch zu den Instrumenten, die etwa bei Griegs "Morgenstimmung" (Holzbläser) oder bei Pachelbels berühmtem Kanon (Streicher) besonders gut zu hören sind. Wie alles zusammen klingt, erleben die Kinder dann im Konzert.

Auch für die Lehrkräfte hatte Herzog, die die Konzerte moderieren wird, Material gestellt, so dass die jungen Musikfans nun auch bei Tschaikowski (5. Symphonie) auf die Blechbläser und bei Heinrich Hartls Ouvertüre seiner "Musikalischen Weltreise" auf die Musiker an den Schlaginstrumenten achten können.

Neben Mitgliedern der Symphoniker und Studenten der Musikhochschule besuchte auch Hartl, renommierter Komponist und Musiker, drei Klassen. "Es war entspannter als vor drei Jahren. Die Kinder hatten die Ouvertüre relativ gut geübt und noch ein rhythmisches Thema entwickelt, zu dem ich am Klavier improvisiert habe." In den Klassen sei die Vorbereitung aber unterschiedlich gut gewesen. "Die Kunst ist dann, die Kinder dort abzuholen, wo sie stehen."

Warum er sich für "Mubikin" engagiert? Hartl antwortet prompt: "Weil es mir guttut: Da entwickelt sich elementare Musikfreude, die wechselseitig überspringt. Die Teilhabe am Musizieren ist für ein potenzielles Publikum der Zukunft wichtig. Und vielleicht bekommen die Kinder so den Anstoß, selbst intensiver Musik zu machen."

Das sehen Both und Kim, die in der Knauer-Schule gerade ihre Instrumente einpacken, genauso. "Um Kinder für Klassik zu begeistern, ist es wichtig, dass sie Proben erleben und sehen, dass wir normale Menschen sind; nicht distanziert und weit weg in Abendkleid und Frack. Diese Nahbarkeit herzustellen, dafür ist ,Mubikin‘ ein toller Weg!" 

Anabel Schaffer

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