Der Fußballverband bittet die Vereine zur Abstimmung

8.5.2021, 09:08 Uhr
Auf den Sportplätzen der Region (wie hier in Ramsberg) herrscht weiterhin Ruhe: Die Corona-Krise hat den Spielbetrieb seit über einem halben Jahr lahmgelegt.

Auf den Sportplätzen der Region (wie hier in Ramsberg) herrscht weiterhin Ruhe: Die Corona-Krise hat den Spielbetrieb seit über einem halben Jahr lahmgelegt. © Foto: Uwe Mühling

Auf die Vereinsumfrage hatten auch die Klubs im Kreis Neumarkt/Jura schon länger gewartet. Seit Beginn dieser Woche steht nun fest, dass die bis 6. Juni fortgeschriebene 12. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung einen "nahezu uneingeschränkten Trainingsbetrieb" nicht zulässt, wie der Bayerische Fußball-Verband (BFV) in einer Pressemitteilung feststellt. Dementsprechend hat der BFV-Vorstand in einer jüngsten Sitzung die nächsten Schritte eingleitet.

Kernpunkt dabei: die angekündigte Einholung eines Meinungsbildes, wobei "je nach Ausgang der Umfrage auch ein außerordentlicher Verbandstag vonnöten sein kann", wie der Verband erklärt. Neben der aktuell gültigen Regelung in Paragraf 93 der Spielordnung, die eine Wertung für Auf- und Abstieg nach der Quotienten-Regelung unter Wegfall der Relegationsspiele vorsieht, können die Vereinsvertreter auch für die Alternativlösung "Nur Aufsteiger, keine Absteiger" votieren.

Online-Info-Seminare

Der Saisonabbruch sowie die für beide Varianten notwendige Tabellenreihung ergebe sich in jedem Fall aus dem Paragrafen 93, der im vergangenen Sommer eigens für die Corona-Saison und deren möglichen Abbruch eingeführt wurde. Vor der digitalen Umfrage finden in allen sieben Bezirken am 14. und 15. Mai Online-Seminare statt, die die Auswirkungen der beiden Modelle detailliert aufzeigen sollen.

Die Online-Abfrage des Meinungsbildes selbst soll vom 14. bis 18. Mai laufen. Jeder Mitgliedsverein, der am Erwachsenenspielbetrieb teilnimmt, besitzt eine Stimme. Im Kreis NM/Jura sind es rund 200 Vereine, die an die virtuelle Urne gebeten werden. Der exakte Zeitpunkt und der jeweilige Abstimmungslink wird den Vereinen möglichst zeitnah per offiziellem Vereinspostfach zugestellt – ebenso wie zuvor die Termine für die sieben geplanten Info-Veranstaltungen.

Mit der jetzigen Entscheidung folgte der BFV seinem Vier-Punkte-Plan von Ende März (wir berichteten). Eine sechsköpfige Arbeitsgruppe unter Vorsitz von Vizepräsident Robert Schraudner, der auch Bezirksvorsitzender in Oberbayern ist, war eingesetzt worden, nachdem in den vergangenen Wochen eine Vielzahl offener Briefe und einzelne Anträge von Vereinen an den BFV adressiert worden waren. Dabei gab es die unterschiedlichsten Forderungen an den Verband: Die einen möchten die gültige Quotienten-Regelung so anwenden, dass es einen verstärkten Aufstieg und keinen Abstieg geben soll. Andere setzen sich für die vollumfängliche Umsetzung des Paragrafen 93 der Spielordnung in der jetzigen Fassung ein. Einzelne Stimmen machten sich sogar für eine Fortsetzung der Saison über den 30. Juni hinaus stark.

"Keine Einbahnstraße"

"Für uns in der Arbeitsgruppe war klar, dass wir alle diese Meinungen nicht einfach übergehen. Ein Verband ist keine Einbahnstraße, so verstehen wir uns als Gremium auch nicht. Deshalb war es unser Ziel, unter Berücksichtigung der Vielzahl rechtlicher und spieltechnischer Belange zu prüfen, inwieweit es möglich ist, eine Entscheidung auf breiter demokratischer Basis herbeizuführen", erklärte Schraudner.

Dass der Vorstand das Ergebnis aus der Arbeitsgruppe mittrage und sich trotz gültiger Abbruchregelung dazu entschlossen hat, die Umfrage unter allen am Erwachsenenspielbetrieb teilnehmenden Vereinen durchzuführen, ist, so der Verbands-Vize, "in unseren Augen der beste Weg in einer für alle äußerst schwierigen Zeit. Für uns war es nicht möglich, die völlig unterschiedlichen Stimmungslagen in ganz Bayern in die eine oder andere Richtung zu interpretieren". Der Vorstand habe klar entschieden, dass ein Alternativmodell zur jetzt gültigen Regelung angeboten wird – und er sich "unabhängig vom Ausgang daran gebunden sieht".

Die Folgen deutlich aufzeigen

Wichtig ist dem BFV nun, in den Info-Veranstaltungen klar und deutlich aufzuzeigen, "welche Entscheidung welche Folgen mit sich bringt. Und jede Entscheidung wirkt sich auf jeden einzelnen Verein aus." Von daher bittet der Verband alle Stimmberechtigten, sich mit ihrem Votum "unbedingt an diesem Meinungsbild zu beteiligen".

Wie es in der BFV-Mitteilung weiter heißt, würde bei der kompletten Anwendung des aktuell gültigen Paragrafen 93 der Spielordnung die einzelnen Spielklassen in ihren Mannschaftsstärken nahezu unverändert bleiben, weil es direkte Auf- und Absteiger gibt und sich die nicht stattfindenden Relegationsspiele nach oben und unten aufheben.

Im Falle eines mehrheitlichen Votums für die Alternative, wonach alle Vereine, die mittels der Quotienten-Regelung auf einem Aufstiegs- und Relegationsplatz stehen, aufsteigen können und gleichzeitig der Abstieg nicht vollzogen wird, steigt folglich die Zahl der Mannschaften in den einzelnen Spielklassen an. Die weiter unten angesiedelten Spielklassen würden dementsprechend ausgedünnt.

Alternativmodell mit verschärftem Abstieg

Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand konsequenterweise bereits jetzt beschlossen, dass für die Ligen mit anwachsenden Mannschaftszahlen in den zwei Spielzeiten 2021/2022 und 2022/2023 ein verschärfter Abstieg greifen muss, um zur Saison 2023/2024 wieder die für den pyramidalen Spielklassenaufbau wichtige Sollstärke flächendeckend zu erreichen. Der BFV wird im Lauf der kommenden Woche eine Prognose-Übersicht der einzelnen Spielklassen – geordnet nach Bezirken – veröffentlichen und diese auch zum Inhalt der virtuellen Info-Seminare machen.

Je nach Meinungsbild hat der BFV anschließend unterschiedliche Wege einzuschlagen: Sollte die Mehrheit für die aktuell gültige Regelung stimmen, würde der Vorstand am 18. Mai 2021 Abbruch und Wertung formal beschließen können.

Außerordentlicher Verbandstag?

Für den Fall, dass die Mehrheit der bayerischen Vereine für die Variante unter dem Titel "Nur Aufsteiger, keine Absteiger" und damit einen verstärkten Abstieg in den nächsten beiden Spielzeiten stimmt, würde der Vorstand am 18. Mai einen außerordentlichen Verbandstag einberufen müssen, der unter Einhaltung der dreiwöchigen Ladungsfrist endgültig entscheiden müsste.

"Ein außerordentlicher Verbandstag ist für den Fall, dass das Alternativ-Modell mehrheitlich Zustimmung findet, notwendig, weil nur dieses Organ bestehende Regelungen auflösen und neue erlassen kann. Und wir haben seit August 2020 mit Paragraf 93 eine verbindliche Regelung", erklärt der für Rechtsfragen zuständige Vizepräsident Reinhold Baier. Weiter sagt er: "Im vergangenen Sommer konnte der Vorstand den Paragrafen 93 der Spielordnung ohne Zustimmung eines außerordentlichen Verbandstages und mit einer Rechtsmittelbelehrung einführen, weil es für einen Saisonabbruch aufgrund höherer Gewalt bis dahin gar keine Regelung gegeben hatte. Einen solchen Fall gab es noch nie."

Das jetzt vom Vorstand verabschiedete Vorgehen gilt für den Ligen-Spielbetrieb bei den Frauen (ab Bayernliga abwärts) und Herren (ab Regionalliga abwärts) sowie den Verbandspokal-Wettbewerb der Frauen. Die aufgrund der Genehmigung durch das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration erlassenen Sonderregelungen für die Play-offs der Regionalliga Bayern, den Totopokal-Wettbewerb und den Ligapokal der Regionalliga Bayern bleiben davon ausdrücklich unberührt.

Neue Modelle für die neue Saison

In seiner Videokonferenz hat sich der BFV-Vorstand nach der Entscheidung zum Saison-Abbruch 2019/2021 zudem mit der neuen Spielzeit 2021/2022 befasst. "Fakt ist, dass wir dann zwar die Saison abgebrochen haben, die Corona-Pandemie uns aber weiterhin begleiten wird", betont BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher, der für den Spielbetrieb zuständig ist. Deshalb wolle der Verband ab der Saison 2021/2022 auch eine begrenzte Zahl alternativer Spielklassenmodelle ermöglichen.

Weiter erklärte Faltenbacher: "Unsere Spielleiter haben sich hier sehr viele Gedanken gemacht und unterschiedliche Modelle für die Zukunft erarbeitet. Diese werden wir nun prüfen. Im zweiten Schritt überlassen wir es den Kreisen sowie Bezirken in direkter Abstimmung zusammen mit den Vereinen der einzelnen Spielklassen, welches der zur Verfügung stehenden Modelle sie für sich wählen".

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