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Diese Lernwerkstatt macht Schüler und Eltern fit

Projekt der Bürgerstiftung hilft benachteiligten Kindern — Viele Flüchtlingsfrauen engagieren sich ehrenamtlich als Übersetzer - 26.03.2018 19:20 Uhr

Die Lernbegleiterinnen der Lernwerkstatt üben mit den Kindern Deutsch. © Foto: Stefan Hippel


In der Lernwerkstatt der Nürnberger Bürgerstiftung können Flüchtlingskinder aus der Witschelstraße vor den Ferien noch einmal an verschiedenen Stationen ihre Fähigkeiten testen. Dafür stehen drei Tische zu den Themen "Kennenlernen", "Deutsch sprechen" und "Mathematik" mit Informationen und Aufgaben für die Kinder parat. Anders als sonst, sollen auch die Eltern bei diesem Termin mitmachen. Immerhin ist es den Veranstaltern wichtig, dass auch sie einen guten Anschluss an die Gesellschaft finden. Daneben werden Kenntnisse über das Schulsystem in Deutschland vermittelt.

Die Lernwerkstatt ist Teil des Projektes "Gemeinsam meistern wir die Schule" der Bürgerstiftung, das darauf abzielt, den neu angekommenen Familien den Schulalltag und die Lerninhalte in Deutschland näherzubringen. "Man kann ihnen zum Anfang hiermit einen guten Start geben", sagen Traudl Morck und Monika Gorbahn von der Bürgerstiftung.

Neben den Inhalten der Übungsaufgaben, betont Traudl Morck, spielen ein geordneter Alltag und Regeln für die Kinder ebenfalls eine wichtige Rolle, denn viele Neuankömmlinge seien schwer traumatisiert. "Wir hatten hier Kinder, die haben monatelang kein einziges Mal gelächelt", berichtet Traudl Morck. Ein strukturiertes Umfeld könne da helfen.

Schwierige Lage

Ursprünglich war die Unterstützung allgemein für benachteiligte Kinder gedacht. Mittlerweile nehmen aber hauptsächlich Flüchtlinge das Angebot war. Das liegt auch an der schwierigen Lage vieler Schutzsuchender. "Das Gebäude nebenan ist eine Erstaufnahmeeinrichtung. Da ist man maximal sechs Monate lang untergebracht", erklärt Traudl Morck die Situation der Kinder. "Danach erfolgt bayernweit der Transfer in andere Einrichtungen."

An den Stationen in der Lernwerkstatt geht es um Zahlen und Wörter. Hier stehen Matheaufgaben auf dem Programm. © Foto: Stefan Hippel


Die Suche nach Schul- oder Kindergartenplätzen gestalte sich oft aus rechtlichen oder organisatorischen Gründen schwierig. Die ehrenamtlich organisierte Lernwerkstatt hingegen steht allen offen und findet regelmäßig an drei Wochentagen statt. Als Ort zum Lernen, Hausaufgaben-Machen und Spielen steht ein Raum in der Witschelstraße zur Verfügung, so dass die Flüchtlingskinder keinen langen Weg auf sich nehmen müssen.

Neben der Bürgerstiftung Nürnberg sind auch Lernbegleiterinnen beteiligt, die selber als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und somit auch als Übersetzerinnen helfen können. Projektleiterin Traudl Morck ist froh über deren Hilfe. "Ohne die Lernbegleiterinnen hätte ich das hier nicht geschafft", räumt sie ein.

Da die beteiligten Frauen aus verschiedenen Ländern stammen, können sie vielen Familien bei diversen Schwierigkeiten zur Seite stehen. Immer wieder sind beispielsweise ihre Kurdisch- oder Arabisch-Kenntnisse gefragt. Auch außerhalb der Lernwerkstatt unterstützen sie die Familien.

Zusammen mit Elternlotsinnen des Nürnberger Elternbüros Schulerfolg und Teilhabe (Nest) beraten sie die Eltern im Schulalltag. Für die Mitglieder der Bürgerstiftung steht fest, dass Bildung der Schlüssel zu einer besseren Zukunft der Kinder ist. "Wir wollen, dass ihr hier alle viel lernt. Wer einen guten Beruf haben will, muss viel lernen", sagt Monika Gorbahn zum Abschluss zu den Kindern. Vorerst steht aber eine Pause an, denn die nächsten zwei Wochen sind ja Ferien.

FREDERIK SCHULZE

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