Die Zahlen von 2019 vorgelegt

Es wird ungemütlich für das Seckendorff-Heim

Wolfgang Dressler
Wolfgang Dressler

Altmühl-Bote

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8.10.2021, 16:38 Uhr
Der markante Gebäudekomplex des Gunzenhäuser Alten- und Pflegeheims in der Reutbergstraße. 

Der markante Gebäudekomplex des Gunzenhäuser Alten- und Pflegeheims in der Reutbergstraße.  © Wolfgang Dressler, NN

Das Seckendorff-Heim, betrieben von der städtischen Hospitalstiftung, sorgte über Jahrzehnte für zufriedene Mienen im Rathaus, denn alles war in bester Ordnung: Das Alten- und Pflegeheim erfreute sich eines ausgezeichneten Rufs, einer sehr regen Nachfrage und stabiler Finanzen. Es gab auch mal schwierigere Jahre, aber die blieben Episoden. Bei einer Belegung von 98 Prozent und mehr brauchte man sich keine großen Sorgen zu machen. Für ein Bett, das frei wurde, stand schon ein neuer Interessent bereit. Diese Zeiten sind vorbei. Die Belegungszahlen bröckeln.

"Keineswegs zufriedenstellend"

Was das konkret bedeutet, wurde nun im Gunzenhäuser Stadtrat besprochen. Kämmerer Siegfried Ehalt präsentierte den Jahresabschluss 2019. Er bezifferte das tatsächliche Defizit auf 724000 Euro und wertete es als „keinesfalls zufriedenstellend“. Bereits der Wirtschaftsplan hatte einen erheblichen Verlust vorgesehen, und im Vergleich dazu trat 2019 eine Ergebnisverschlechterung um 293000 Euro ein.

Das Burkhard-von-Seckendorf-Heim wurde in der jüngsten Vergangenheit aufwändig saniert. Das schlägt sich allerdings nicht in den Belegungszahlen nieder.

 

Das Burkhard-von-Seckendorf-Heim wurde in der jüngsten Vergangenheit aufwändig saniert. Das schlägt sich allerdings nicht in den Belegungszahlen nieder.   © Reinhard Krüger und Stadtverwaltung, NN

Als Hauptursache für die schlechte finanzielle Entwicklung nannte Ehalt eine Auslastung von nur noch 86,8 Prozent. Damit kam es zu einer beträchtlichen Minderung der Heimentgelte. Hier ist anzumerken, dass die Pflegekassen nur den durchschnittlichen Lohn, errechnet für ganz Bayern, erstatten, das Seckendorff-Heim aber darüber liegt, weil hier Tariflohn gezahlt wird. Man wird also für vorbildliches Wirken als Arbeitgeber letztlich bestraft. Außerdem, so hörten es die Stadträte weiter, gab es einen Personalüberhang. In den Worten des Kämmerers: Personalstand und tatsächliche Heimbelegung standen nicht in Einklang. Es seien fünfeinhalb Stellen zu viel gewesen. Dieser Überhang verteilte sich auf alle Bereiche.

Schon seit einigen Jahren

Und der Kämmerer stellte weiter fest, dass die Heimbelegung schon seit einigen Jahren nur eine Richtung kennt, nämlich nach unten. Die tatsächlich abgerechneten Belegungstage im Jahr 2019 gab er mit 55314 an. Jeder Platz war durchschnittlich an 316,7 Tagen belegt. 2018 hatte sich noch eine Auslastung von 93,3 Prozent errechnet. Im Vergleich dazu stiegen 2019 die Belegungszahlen in den Pflegegraden 1 bis 3 an. Diese Zunahme wurde jedoch durch die geringeren Belegungszahlen in den Pflegegraden 4 und 5 mehr als kompensiert. Im Rüstigenbereich war ein Rückgang der Bewohnerzahlen vor allem ab Mitte 2019 zu beobachten.

Im Rahmen der Sanierung wurde auch der Zugang zu der Einrichtung barrierefrei.

Im Rahmen der Sanierung wurde auch der Zugang zu der Einrichtung barrierefrei. © Marianne Natalis, NN

So muss das Heim beziehungsweise die Hospitalstiftung mehr als einen Jahresfehlbetrag verkraften. Letztlich, wenn kein Umschwung gelingt, muss die Stiftung dafür herhalten, die roten Zahlen zu kompensieren. Und hinter der Stiftung steht die Stadt Gunzenhausen. Vor diesem Hintergrund ist die Äußerung von Bürgermeister Karl-Heinz Fitz zu verstehen, dass man die ganz schwierige Situation finanziell gesehen nicht mehr lange „durchhalten“ werde. Als ein Kernproblem sah er den mitunter sehr hohen Pflegebedarf bei Heimbewohnern, auch im psychischen Bereich. Den hohen Aufwand bei der Betreuung und Pflege bekomme man nicht vollständig vergütet.


Schon 2018 machte das Altenheim kräftig Minus


Die Verantwortlichen aus dem Rathaus und vom Seckendorff-Heim selbst saßen vor kurzem zusammen, um die schwierige Lage des Hauses mit seinen 177 Plätzen zu beraten und über Abhilfe zu sprechen. Denn inzwischen hat sich die Lage wieder etwas gewandelt. Es hat sich gegenüber 2019 ein Personalabbau ergeben, sei es altersbedingt oder weil befristete Arbeitsverhältnisse ausliefen. Aktuell halten sich Heimbelegung und der adäquate Personalaufwand in etwa die Waage, doch damit ist längst nicht alles gut. Das Seckendorff-Heim braucht, um erfolgreich zu arbeiten, qualifizierte Kräfte von außen, aber die zu finden, erweist sich als immer schwerer. Stellenanzeigen brachten ein unbefriedigendes Ergebnis, berichtete der Bürgermeister den Stadtratsmitgliedern.

Den Entscheidungsträgern muss zu denken geben, dass das Seckendorff-Heim leider nicht im Trend liegt. Auf Nachfrage erklärte der Bürgermeister, dass in den „Heimen um uns herum“ die Belegungszahlen nach oben gehen.

Harald Romanowski (Freie Wähler) betonte, der Verlust liege nicht am Personal, sondern an der rückläufigen Belegung. Und was sei beim hohen Krankenstand im Hausmeisterbereich getan worden? Dazu vermeldete Siegfried Ehalt, dass mittlerweile ein zweiter Hausmeister eingestellt worden sei.

Dr. Werner Winter (ebenfalls FW) machte sich ebenfalls große Sorgen wegen der schwächeren Auslastung. Zehn Prozent weniger, dafür müsse es Gründe geben, da müsse unbedingt „strukturell etwas verändert werden“. Vielleicht könne ein externer Experte Aufschluss geben, woran es liege, und die Stadt auf diese Weise unterstützen.


Burkhard von Seckendorff gründete im 14. Jahrhundert ein Spital


Zunächst muss die Hospitalstiftung die schlechten Zahlen des Jahres 2019 verkraften. Unterm Strich kann der Kämmerer 307000 Euro vom Minus nicht abdecken, dieser Betrag wurde auf das Jahr 2020 übertragen – man spricht von Verlustvortrag. Und dieser ist nach spätestens fünf Jahren von der Hospitalstiftung auszugleichen, falls sich bis dahin nicht Gewinnvorträge ergeben haben.

Kurzfristig pocht der Kämmerer, dem sein Verdruss über das Resultat von 2019 deutlich anzumerken war, von einer zwingend erforderlich Heimbelegung in Höhe von 95 Prozent. Damit das gelingt, sollten „Werbemaßnahmen“ durchgeführt werden. Und bis die 95 Prozent wieder erreicht seien, müsse die Heimleitung darauf achten, dass der Personalstand nicht erneut zu hoch ausfalle.


Das Gebäude 2 wurde zu Wohnungen umgebaut


Auf der Tagesordnung des Stadtrats stand auch die Jahresrechnung 2020 der Hospitalstiftung. Sie fällt unspektakulär aus, hat im Verwaltungshaushalt (laufende Einnahmen und Ausgaben) ein Volumen von 439000 Euro. Im Investitionsteil sind es 289000 Euro. Die allgemeine Rücklage konnte um 27100 Euro gestärkt werden und lag damit Ende 2020 bei 1,03 Millionen Euro. Der Haushalt der Stiftung hat nichts mit dem Betrieb des Seckendorff-Heims zu tun, sondern umfasst die Bereiche Spitalkirche, Stiftungswald und allgemeines Grundvermögen. Für das Alten- und Pflegeheim ist, wie oben schon erwähnt, ein eigener Wirtschaftsplan vorgeschrieben. Und dort stecken die finanziellen Risiken.

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