Im Oberpfälzer Haxen-Himmel

17.4.2014, 16:01 Uhr
Georg und Karin Böhm, Gabi und Hanns Konrad Winkler (v. r. n. l.) führen das Winkler Bräustüberl samt Privatbrauerei und Gutshof in Lengenfeld.

Georg und Karin Böhm, Gabi und Hanns Konrad Winkler (v. r. n. l.) führen das Winkler Bräustüberl samt Privatbrauerei und Gutshof in Lengenfeld. © Hubert Bösl

Es soll genauso schmecken wie vor 50 Jahren, als er es zuletzt aß. Gelingt es dem Koch, warten Gold und Ländereien. Im anderen Fall das Richtschwert. Da bittet der Mann den Herrscher, gleich den Henker zu rufen — weil er die Speise unmöglich mit den Kindheitserinnerungen des Königs würzen kann.

So gesehen fehlt etwas, trotz knuspriger Kruste, zartem Fleisch, tadelloser Soße, frischem Salat. Zum Beispiel der Wirtshausdampf von vor über 35 Jahren, als der große "Gasthof Winkler" mit modernem Hotel und Tagungsräumen einfach noch „Der Winkler“ war, zu dem sich die Eltern regelmäßig am Sonntag aufmachten. Die Fahrt von Neumarkt aus kam einem als Kind sehr lange vor (keine 20 Kilometer) und dann saß man schließlich mit einem Extra-Kissen auf dem Stuhl an einem großen Holztisch im damals einzigen Gastraum. Dort trank der Vater dann sein „Kupfer Spezial“ und irgendwann, nachdem man sich im Stall rumgetrieben und ein paar Schiffe auf den mitgebrachten Block gemalt hatte, stand das Essen vor einem. Ein weicher, warmer Kloß in einer großen braunen Soßenpfütze. Dazu teilten die Eltern dann ein paar Stücke von ihrem Braten aus und irgendwann kam ein Mann vorbei und fragte, ob auch alles passt.

Heute ist Hans-Konrad Winkler fast 70 und erinnert sich noch gut an die „klassische Fleischküche“, die seine Mutter und seine Tante damals am Herd gepflegt haben. „Dafür sind die Leute ja auch von Neumarkt und Nürnberg aus gekommen“, sagt er. Und für das „Kupfer“ natürlich, das er 1976 erstmals eingebraut hat.

Heute gibt es noch ein paar andere Sorten, die den Gästen allesamt schmecken und zusammen mit der Bier- und der Speisekarte ist der ganze Betrieb gewaltig gewachsen, sind die Ställe schon vor 25 Jahren Hotelanbau, glasüberdachtem Innenhof und Biergarten gewichen, könnten zwei Frauen in der Küche den Gästeansturm nicht mehr bewältigen, schon gar nicht an Feiertagen: 140 Mitarbeiter hat „Der Winkler“ heute.


In der Geschichte hat der König den Koch dann übrigens nicht köpfen lassen, sondern ihn stattdessen für seine Weisheit reich belohnt. Und selber freut man sich, dass es heute den eigenen Kindern so gut schmeckt. Der Kloß mit Soß und die Haxen-Stücke von Papas Teller.

Mehr Informationen über den Gasthof Winkler in unserer Rubrik Essen und Trinken!

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