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Immer öfter geordert: Ist Rum der neue Gin?

Kneipier Paul Felsing verrät, worauf es bei Zuckerrohrschnaps ankommt - 24.02.2021 12:24 Uhr

Neben Whisky- haben sich nun auch Rumverkostungen etabliert. Dort schmeckt man sich mit Spaß und Schwips durch die Vielfalt der Spirituose.

05.02.2021 © Rainer Jensen/dpa


Gin ist out und Rum ist in?

Paul Felsing: Beides ist in. Gin ist seit gut zehn Jahren das große Ding, aber Gin ist eher was für Longdrinks. Guten Rum trinkt man pur. Rum verdrängt den Gin also nicht, er ergänzt ihn. Die Leute wollen halt auch mal was anderes probieren.

Was macht Rum so besonders?

Felsing: Seine Vielseitigkeit, der Geschmack geht je nach Alter und Lagerung von süß bis kräftig, von leicht bis intensiv. Und er kommt aus der ganzen Welt und transportiert viel Exotik. Wir haben Rum von den Kanaren, aus Afrika und der Karibik, aus dem indischen Ozean, Südostasien, der Südsee.

Wie ist der Rum in eine Bar in Nürnberg-Gostenhof geschwappt?

Felsing: Wir sind eine Seemannskneipe, hier gegenüber gab's ja sogar mal einen Kanal, das hört man noch an der Oberen Kanalstraße, die in der Nähe ist. Bei uns findest Du Hans-Albers-Romantik, leckere Matjesbrötchen, viel Seemannsgarn. Und Seemänner trinken nun mal gerne einen Rum.

Welchen empfiehlst Du, wenn eine Landratte bei Euch zum ersten Mal durch die Tür tritt?

Felsing: Pur getrunken für Starter einen eher süßen, leichten, gefälligen. Ideal sind die spanischen Varianten alter Lagerung, also vor allem die aus der Karibik. Preislich liegen die bei uns zwischen 2,50 und 5,50 Euro. Weißer Rum ist eher was für Mixgetränke, und das sind meist Longdrinks und nur selten Cocktails.

Wo bekommt Ihr Euren Rum her?

Felsing: Aus dem Großhandel, aber auch von den Tres Hombres. Das sind drei Jungs aus den Niederlanden und Österreich, die mit ihrem Segelschiff einmal im Jahr über die Kanaren oder die Kapverden in die Karibik und über die Azoren wieder heimsegeln. Unterwegs laden sie überall Rumfässer, aber auch Kaffee und Kakao auf und transportieren 40 Tonnen Fracht umweltfreundlich nach Europa. Bei der Überfahrt wird die Spirituose derart durch die Holzfässer geschwenkt, dass sie die Fass-Aromen viel schneller aufnimmt, als das an Land möglich wäre. Aus der Schnapsidee ist inzwischen ein Geschäft geworden – unter ihrem Namen verkaufen sie Rum kategorisiert nach Region und Jahr in ganz Europa.

Paul Felsing zapft in der Hafenkneipe "Große Freiheit" in Nürnberg Gostenhof auch Bier. Hinter dem gebürtigen Niedersachsen steht das Rum-Sortiment im Regal. Er ist optimistisch, die Bar bald wieder aufsperren zu dürfen.

05.02.2021 © Eduard Weigert


Rum ist das ideale Reisemitbringsel, selbst in Indien gibt es tollen Rum. Den besten weißen habe ich auf den Kapverden direkt vom Brennrohr weg in einem Zuckerrohrfeld gekauft. Wo findest Du Deinen besten Rum?

Felsing: Dieses eine Erlebnis hatte ich noch nicht, aber auf den Kanaren gibt es ein paar Brennereien, darunter Ron Aldea auf La Palma, Arehucas auf Gran Canaria und Guajiro auf Teneriffa. Super Qualität, die vor Ort wenig kostet, außerdem kommt man von Deutschland aus leicht hin. Ich probiere in den Ländern, in denen Rum produziert wird, auch immer, was sie zu bieten haben. Und da entdecke ich manchmal Überraschungen.

Wie viel Geld muss ich investieren, um einen prima Rum zu kaufen?

Felsing: Im Fachhandel bekommt man Beratung und große Auswahl, doch inzwischen gibt's auch in Supermärkten wie Edeka, Rewe oder Marktkauf ein brauchbares Sortiment. 30 Euro sollte ein gelagerter brauner Rum zum pur trinken schon kosten, bis 60 Euro gibt es eine spürbare Qualitätssteigerung. Darüber lohnt sich das kaum noch, ab 100 Euro ist der Rum höchstens selten, aber nicht besser.

Vielleicht verrätst Du noch ein paar Markennamen?

Felsing: Der Zacapa aus Guatemala steht in vielen Bars, spanischer Stil, ab 40 Euro zu haben. Süßer und fruchtiger ist der Botucal aus Venezuela, ein brauchbarer Einsteiger und in vielen Supermärkten zu finden. Eher trocken und kräftig ist der Mount Gay aus Barbados, von der Dominikanischen Republik kennen viele sicher den trockenen und leicht süßen Ron Barcelo. Mit denen macht man sicher nichts falsch. Letzten Endes muss man sich ein wenig durchkosten, um herauszufinden, was einem am besten schmeckt. Das ist bei Wein und Whiskey genauso, da entscheidet bedingt der Preis übers Geschmacksempfinden.

Was kostet ein guter weißer, junger Rum? Und reicht auch ein Käpt'n Koma aus dem Discounter, wenn man eh Cola reinkippt?

Felsing: Zwischen zehn und 20 Euro bekommt man was Gutes. Für Longdrinks sind in der Regel gesetzte Marken wie Bacardi oder Havanna Club gut geeignet, die findet man überall. Ich bevorzuge den Havanna Club, der ist etwas fruchtiger. Wer weniger Ansprüche hat, kann auch getrost den Discounter-Rum nehmen.

Der wahre Trend soll ja eigentlich Korn sein. Schon probiert?

Felsing: Wir haben tatsächlich auch schon immer zwei Korn im Sortiment. Kein Pennerglück, das im Laden nur vier Euro kostet, sondern einen Breslauer Art mit Kümmel und einen klaren Nordhäuser Art, beide prima zum wegnippen. Guter Korn geht Richtung Whiskey, der ja auch aus gemälztem Getreide gemacht wird. Korn kann man ebenfalls gut im Fass lagern. Auch hier gilt: der Preis entscheidet über die Qualität, lieber etwas mehr zahlen. Ab einer gewissen Höhe wird es dann wieder übertriebener Quatsch.

Cuba Libre ist ein Longdrink mit Rum und Cola, der um 1900 in Kuba entstand.

10.02.2021 © Pixabay


Hier noch das Rezept für einen Rum-Longdrink zum Dazustellen: "Ich mag ja die einfachen Sachen, Cuba Libre zum Beispiel. Das kennt ja nun jeder.

Mein Tipp: Dark & Stormy.
Denn Ginger Beer ist im Moment auch groß im Trend.

Du brauchst: 4cl brauner Rum
2cl Limettensaft
8cl Ginger BEER

Den Schnaps – da reicht auch ein einfacher Rum aus dem Discounter – und das Sirup verrühren oder shaken, Eis rein, Limo drauf. Schon fertig.“

Mehr Informationen über die "Große Freiheit" in unserer Rubrik Essen und Trinken!

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