Bald geht's los: So kommt der Corona-Impfstoff zu uns

Martin Müller

Redaktion Metropolregion Nürnberg und Bayern

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23.12.2020, 16:07 Uhr
Am Wochenende sollen die ersten Impfstoffdosen im Verteilzentrum am Universitätsklinikum Erlangen ankommen. 

© Mike Morones, dpa Am Wochenende sollen die ersten Impfstoffdosen im Verteilzentrum am Universitätsklinikum Erlangen ankommen. 

Am Wochenende wird es so weit sein. Dann wird der erste Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer beim Universitätsklinikum in Erlangen eintreffen. Dort befindet sich eines von acht bayerischen Verteilzentren für das sehnlichst erwartete Vakzin.

In Thermoboxen auf Trockeneis bei Minus 75 Grad gelagert, kommt es aus dem Pfizer-Werk im belgischen Puurs bei Antwerpen, wo der in Mainz und Idar-Oberstein produzierte Ausgangsstoff weiterverarbeitet und abgefüllt wird.


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Nach Bayern kommt der Impfstoff aber wohl nicht direkt aus Belgien, sondern über den Umweg eines nationalen Zwischenlagers bei der Bundeswehr. "Das Bundesgesundheitsministerium hat uns da um Amtshilfe gebeten. Der Antrag wurde geprüft und positiv beschieden", bestätigt ein Sprecher des Sanitätsdienstes der Bundeswehr auf Anfrage unserer Zeitung.

Bundespolizei sichert Impfstoff-Transporte

Ob man auf ein zentrales Impfstofflager oder mehrere Einrichtungen setzt, sei "momentan noch in der Klärung", wie die Bundeswehr mitteilt. Rechtzeitig zum Wochenende stehe aber auf jeden Fall alles bereit.

Kommuniziert werden die Standorte der Lagerstätten aus Sicherheitsgründen allerdings nicht. "Sonst hat man schnell die Busse mit Corona-Leugnern vor der Tür, die alles blockieren wollen", verdeutlicht der Sprecher des Sanitätsdienstes. Den Transport kann die Bundeswehr allerdings nicht übernehmen, da dies ein Einsatz im Inneren wäre (in den Impfzentren hilft die Bundeswehr dagegen mit Personal und Material).

Die Bundespolizei bestätigt zwar auf Anfrage, dass sie die Transporte begleitet und sichert. "Aus einsatztaktischen Gründen geben wir aber keine weiteren Auskünfte", betont eine Sprecherin.

Erste 9750 Impfstoffdosen für Bayern

Für den Transport hat Pfizer eigens einen Ultra-Niedrigtemperatur-Koffer entwickelt, in dem mithilfe von Trockeneis die Temperatur mehr als zehn Tage lang stabil gehalten werden kann. Die Box wird laut Pfizer in drei Lagen mit 23 Kilogramm Trockeneis befüllt. Über Thermosensoren wird konstant die Temperatur kontrolliert, per GPS weiß der Hersteller immer genau, wo sich die Boxen gerade befinden.

Am 26. Dezember werden die ersten 9750 Impfstoffdosen in Bayern ausgeliefert, jeweils die Hälfte geht an die beiden Verteilzentren in München und Erlangen, von wo die wertvolle Fracht von einem privaten Transportdienstleister an die Impfzentren vor Ort weitertransportiert wird.

Jede Kreisverwaltungsbehörde in Bayern bekommt zunächst 100 Impfstoffdosen, damit am Sonntag auch wirklich überall mit der Impfung begonnen werden kann, wenn auch im sehr kleinen Rahmen (einzig München erhält 250 Dosen).

Abgesehen von der ersten Lieferung, wird die Hälfte der Dosen in nächster Zeit aber zurückgehalten werden, um sicherzustellen dass alle Geimpften innerhalb von drei Wochen ihre zweite Impfung erhalten können. Am 28. Dezember bekommt der Freistaat die nächsten 97.500 Dosen, am 30. Dezember weitere 107.250. Ab Januar soll dann ein regelmäßiger Satz geliefert werden.

In Erlangen stehen in einem normalen Logistiklager des Universitätsklinikums zwei vom Freistaat finanzierte Ultratiefkühlschränke bereit, in denen jeweils 130.000 Impfdosen Platz finden. In einer angelieferten Thermobox befinden sich bis zu fünf Faltkartons mit jeweils 195 Fläschchen. Ein Fläschchen enthält jeweils fünf Impfdosen.


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Bis zu fünf Minuten darf es laut Biontech dauern, die Impfdosen von der geöffneten Thermobox in den Ultratiefkühlschrank umzulagern. "Die Tür des Kühlschranks darf dabei nicht länger als 30 Sekunden offen sein", betont Dr. Tobias Borst, stellvertretender Leiter der Apotheke des Uniklinikums. Der Kühlschrank ist an die Leitwarte angeschlossen. Wenn die Tür zu lange offen steht oder die Temperatur steigt, wird dort Alarm geschlagen.

Impfstoff bis zu sechs Monate lagerbar

"Für Blut- und Laborproben in Forschungseinrichtungen sind solche Ultratiefkühlschränke häufiger im Einsatz, in Kliniken bisher nicht. Wir haben nur ein weiteres Arzneimittel, ein Krebsmedikament, das bei solchen Temperaturen gelagert werden muss. In Zukunft wird aber wohl mehr Medikamente mit solchen Lageranforderungen geben", glaubt Borst.

In dem speziellen Kühlschrank kann der Corona-Impfstoff bei Minus 75 bis 80 Grad theoretisch bis zu sechs Monate lagern. Tatsächlich wird aber wohl die zentrale Koordinierungsstelle beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen so oft Transporte veranlassen, dass die Impfdosen nur sehr kurz im Uniklinikum lagern.

Der Weitertransport kann dann bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad erfolgen. "So ist der Impfstoff dann fünf Tage lang haltbar", erklärt Borst. Vor Ort in den Impfzentren wird er aufbereitet und mit isotoner Kochsalzlösung verdünnt. Ab diesem Zeitpunkt muss das Vakzin innerhalb von sechs Stunden verimpft werden, was bei Raumtemperatur geschehen soll.

Impfstoff von Moderna weniger empfindlich

Bei den Impfstoffen anderer Hersteller wird das Verteilzentrum in Erlangen wohl nicht mehr gebraucht werden, die Lageranforderungen sind deutlich geringer. Das Vakzin von Moderna wird bei Minus 20 Grad langzeitgelagert und ist bei zwei bis acht Grad 30 Tage lang haltbar, der Impfstoff von AstraZeneca braucht keine Minustemperaturen und ist bei zwei bis acht Grad sechs Monate lang haltbar.

"Wir haben sehr viele Infos erhalten, auch zur Handhabung. Biontech ist sehr transparent und offen. In die Zulassungsbehörden habe ich vollstes Vertrauen. Ich habe keinerlei Bauchschmerzen bei dem Impfstoff", betont Borst.

Das Technische Hilfswerk (THW) hilft in Bayern mit, Impfzubehör, Antigen-Schnelltests Schutzausrüstung zu transportieren und hat vielerorts, wie auch das Bayerische Rote Kreuz, Impfzentren aufgebaut. Allein vergangenen Woche hat das THW in Bayern 600.000 Spritzen und fast vier Millionen Kanülen im Freistaat verteilt, dazu mehr als 1000 Paletten Schutzausrüstung. Ein weiterer Transport ist für den 29. Dezember geplant.

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