Neuer Klima-Report warnt: Mehr als 50 Hitzetage pro Jahr in Franken

Martin Müller

Redaktion Metropolregion Nürnberg und Bayern

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24.2.2021, 10:44 Uhr
Der Klimawandel macht auch vor Bayern nicht Halt. Im Freistaat wird es immer heißer. Die mittlere Jahrestemperatur ist seit 1951 bereits um 1,9 angestiegen.

© Julian Stratenschulte/dpa Der Klimawandel macht auch vor Bayern nicht Halt. Im Freistaat wird es immer heißer. Die mittlere Jahrestemperatur ist seit 1951 bereits um 1,9 angestiegen.

„Der Klima- Report ist eine Warnung der Wissenschaft. Der Klimawandel ist Fakt. Und der Vergleich zum Klima-Report 2015 zeigt: Der Wert für die mögliche Maximaltemperatur in Bayern im Jahr 2100 muss noch einmal nach oben verschoben werden“, betonte Glauber.


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Der erste bayerische Klima-Report war im Jahr 2015 veröffentlicht worden, Umweltministerin war damals noch Ulrike Scharf (CSU). Bis 2050 wurde damals im Freistaat noch ein Temperaturanstieg um ein bis zwei Grad prognostiziert, bis 2100 sollte es zwei bis viereinhalb Grad wärmer werden - jeweils verglichen mit der Durchschnittstemperatur der Jahre 1971 bis 2000. Nun hat sich die Prognose auf 4,8 Grad erhöht.

Franken trifft der Klimawandel besonders hart

Allerdings ist das auch das Maximal-Szenario ohne Klimaschutz. Als wahrscheinlich wird im Klima-Report eine Erhöhung um 3,8 Grad genannt. Heiße Tage mit über 30 Grad wurden im vergangenen Klima-Report bis 2100 bereits 30 vorhergesagt. Nun erhöht sich die Prognose auf 36. Zum Vergleich: Zwischen 1971 und 2000 gab es etwa vier Hitzetage pro Jahr.

Die Prognosen unterscheiden sich dabei stark nach den einzelnen Klimaregionen in Bayern. Das Landesamt für Umwelt (LfU) hat sieben solche Klimaregionen definiert. Zur "Mainregion" zählt dabei nicht nur der größte Teil Unterfrankens, sondern auch Westmittelfranken, das Nürnberger Land und die Region entlang der Regnitz.

Dort gab es bislang schon 6,2 Hitzetage im Jahr. Ohne Klimaschutz sagt das LfU für die Main-Region bis 2100 sogar 45 zusätzliche Hitzetage voraus, insgesamt wären das dann also mehr als 50 Tage im Jahr, an denen die 30-Grad-Marke überschritten wird. Selbst mit Klimaschutz ließe sich die Erwärmung nicht komplett aufhalten. Dann wären es immer noch 13 Hitzetage mehr als bislang.


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Franken trifft es wesentlich härter als das Alpenvorland. Dort gibt es bislang nur 1,5 Hitzetage im Jahr. Im schlimmsten Szenario würden bis zum Jahr 2100 27 Hitzetage hinzukommen. "Der Klimawandel findet statt, aber wie er stattfindet, haben wir in der Hand", betonte LfU-Vizepräsident Richard Fackler.

Das Jahr 2018 war mit einer Durchschnittstemperatur von 9,9 Grad das wärmste in 139 Jahren Temperaturaufzeichnungen. Und: Es war das neunte zu warme Jahr in Folge, jeweils mit einer Steigerung zum Vorjahr. In Bayern hat sich die Jahrestemperatur von 1951 bis 2019 um 1,9 Grad erhöht.

Glauber kündigte an, auf Grundlage des Reports konkrete Vorschläge machen zu wollen, wie der Klimaschutz in Bayern weiter vorangebracht werden könne. "Wir sind herausgefordert, dass Thema mit ganzer Kraft anzugehen", sagte der Umweltminister.

Kommt die Solarpflicht für private Dächer?

Ab dem Jahr 2022 sollen zum Beispiel alle 8000 staatlichen Liegenschaften dazu verpflichtet werden, Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern zu installieren. "Wir brauchen auch so schnell wie möglich eine Verpflichtung bei gewerblichen Dächern", forderte Glauber. Und auch auf den rund drei Millionen privaten Dächern in Bayern soll noch mehr Solarenergie gewonnen werden mit einem neuen Förderprogramm für Photovoltaikanlagen und Speicher.

Auch eine Solarpflicht für private Häuser sei denkbar, so Glauber. "Das muss man aber vorsichtig angehen, damit die Ausbau-Dynamik dadurch nicht sogar gebremst wird. Deshalb nähern wir uns da jetzt über die staatlichen und gewerblichen Dächer langsam an", sagte der bayerische Umweltminister. Am Ende dürfe man kein Wohnhaus mehr bauen lassen, ohne die Photovoltaikanlage mitzudenken.

Glauber betonte, wie wichtig für eine erfolgreiche Energiewende auch die Windkraft sei. Nach einem zuvor raschen Ausbau auf etwa 2500 Anlagen in Bayern, gebe es durch die Einführung der 10H-Abstandesregel seit dem Jahr 2018 eine "glatte Nulllinie".

Glauber ist gegen die 10H-Regel für Windkraft

"Ich war für die Freien Wähler der Klagende gegen das 10H-Gesetz und meine persönliche Meinung verstecke ich auch jetzt nicht", unterstrich Glauber. Allerdings gelte auch für ihn der Koalitionsvertrag - und in dem bleibt 10H fester Bestandteil bayerischer Politik.

"Ich bin nicht zufrieden mit der Dynamik. Da war schon mehr drin - und wir werden auch wieder mehr reinbringen", versprach Glauber. Er will jetzt ein "Klima-Paket II" schnüren. Massiv soll zum Beispiel in den Schutz und die Wiedervernässung der Moore investiert werden.

Im Sommer weniger Niederschlag in Bayern

Und auch nachts wird die Temperatur häufiger über 20 Grad Celsius bleiben: bis zu maximal 18 sogenannte Tropennächte sind in Bayern möglich.

Die Niederschlagssummen werden sich im Freistaat wohl nicht wesentlich ändern. Nur im Sommer wird es weniger regnen. "Der klassische Landregen, der so segensreich für die Landwirtschaft und die Grundwasserneubildung ist, wird aber seltener werden. Der Trend geht zu mehr Starkregen-Ereignissen, für die wir dann natürlich wieder mehr Hochwasserschutz brauchen", verdeutlichte Glauber.

Als problematisch wird es zudem eingeschätzt, dass durch die Erwärmung der Niederschlag im Winter kaum mehr als Schnee fällt. Durch das langsame Abschmelzen waren zuvor die Grundwasserspeicher im Boden besonders gut aufgefüllt worden.

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