Nürnberger Tiergarten bald ohne Wapitis und Bisons

Hartmut Voigt

Lokalredaktion Nürnberg

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13.2.2018, 06:00 Uhr
Wapitis, eine amerikanische Hirschart, gelten genau wie Bisons laut Tiergarten nicht mehr als akut gefährdet. Deshalb werden sie auf absehbare Zeit aus dem Tiergarten verschwinden.

© Christian Langhans Wapitis, eine amerikanische Hirschart, gelten genau wie Bisons laut Tiergarten nicht mehr als akut gefährdet. Deshalb werden sie auf absehbare Zeit aus dem Tiergarten verschwinden.

Auf die großen Rothirsche will man bereits heuer verzichten, sagt Tiergarten-Direktor Dag Encke. Schließlich gebe es zu den amerikanischen Wapitis keine wissenschaftliche Forschung oder Bildungsangebote fürs Publikum am Schmausenbuck. Außerdem seien die Huftiere als Art nicht gefährdet. Diese drei Punkte spielen neben der Attraktivität für die Besucher die entscheidende Rolle bei der Frage, ob Tierarten ihren Platz behalten - oder eben nicht.

Ein weiteres wichtiges Argument: natürlich das Geld. Eine Elefantenhaltung beispielsweise wäre extrem teuer, die dafür nötige, riesige (Winter)Halle würde außerdem einen Teil der Waldlandschaft im Nürnberger Osten zerstören. Die Pläne für ein Elefantengehege liegen zwar in der Schublade, doch dort bleiben sie auch. Die Tiergarten-Leitung schließt aus, dass afrikanische oder asiatische Elefanten hier wieder zu sehen sind. Auch wenn der Nürnberger Tiergarten 95 Jahre lang Dickhäuter gehalten hat - und die meisten Besucher schwer beeindruckt waren.

Bisonhaltung hatte lange Priorität

Stichwort Platznot: Der 65 Hektar große Landschaftszoo im Osten Nürnbergs ist zwar sehr großzügig und weitläufig. Doch die Zoo-Mitarbeiter sehen das ein wenig anders: Die Räume sind dicht besetzt, die Plätze in der "Arche Noah" vergeben. Der Tiergarten will den einzelnen Arten ausreichend große Gehege ermöglichen, um sie einigermaßen angemessen zu halten.

Wie stark sich die Einstellung der Zoologen zu einer Tierart ändert, zeigt das Beispiel Bison: Amerikanische Siedler hatten den Bestand von rund 25 Millionen Büffeln im 19. Jahrhundert gnadenlos zusammen geschossen. Im Jahr 1902 soll es nur noch 23 freilebende Exemplare in ganz Nordamerika gegeben haben. Für Zoos hatte Zucht und Haltung dieser Art daher lange Zeit sehr hohe Priorität. Schutzprogramme, Haltung in Naturparks und gezielte Züchtung haben den Bestand der zotteligen Rinder allmählich wieder stabilisiert. Heute leben etwa 30.000 Bisons in freier Wildbahn in Nordamerika. "Als Art sind sie gerettet", sagt Encke. Die Konsequenz: Die wuchtigen Bisons sollen dem Nürnberger Tiergarten spätestens bis 2020 den Rücken kehren.

Kritiker sehen auch Delfinarien als Auslaufmodell

Das Wal- und Delfinschutzforum (WDSF) nennt andere Kandidaten, die den Tiergarten verlassen sollten: WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller fordert die Beendigung der Tümmlerhaltung und die Rückführung in ihre Ursprungsländer mit menschenbetreuten Meeresbuchten. "Die Gefangenschaftshaltung von Delfinen ist schon lange nicht mehr zeitgemäß und Delfinarien sind Auslaufmodelle", sagt Ortmüller, "die Großen Tümmler sind in freier Wildbahn bisher nicht bedroht. Wir lehnen diese Anlagen ab, weil neben der beengten Tierhaltung klar geworden ist, dass Zoos keinen Beitrag zur Arterhaltung von freilebenden Delfinpopulationen leisten können."

Tiergarten-Direktor Encke sieht das ganz anders: Natürlich werde man die Tümmler behalten. Neben der Attraktivität für das Publikum gebe es im Delfinarium umfangreiche Forschungsarbeiten. Auch biete man dem Publikum ein umfassendes Bildungsangebot zu den Tümmlern. Kurz: "Die Delfine bleiben."

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