Donnerstag, 14.11.2019

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Teilzeit-Stromer holen auf

Plug-in-Hybride: Mehr Reichweite, mehr Modellvielfalt - 19.10.2019 16:53 Uhr

Plug-in-Hybrid VW Passat GTE: Er bietet 160 kW/218 PS Systemleistung und eine E-Reichweite von rund 55 Kilometern. © Hersteller


Plug-in-Hybride waren von Anbeginn an als Übergangslösung gedacht, als technologischer Brückenschlag zwischen der Zeit des Verbrennungsmotors und einer elektrischen Zukunft. Anders als Mildhybride, bei denen der Verbrennungsmotor von einem Startergenerator unterstützt wird oder Vollhybride, deren Batterie nur für kurze Strecken elektrischen Fahrens ausreichen, ist bei den sogenannten „PHEVs“ (Plug-in Electric Vehicle) der Akku extern an der Steckdose aufzuladen. Sie können somit deutlich längere Distanzen im E-Betrieb zurücklegen. Für den Besitzer eines solchen Teilzeitstromers bedeutet das, dass er im Cityverkehr lokal emissionsfrei unterwegs ist – andererseits aber frei von jeglicher Reichweitenangst auf die Langstrecke gehen kann.  

So wie es aussieht, bleiben uns die „PHEVs“ noch lange erhalten. Zwar ist noch immer jener Kritikpunkt valide, wonach sie durch ihr hohes Gewicht in der Stadt mehr Strom als ein reines Elektroauto brauchen und auf der Autobahn zumeist mehr Sprit als ein reiner Verbrenner. Und doch scheint die große Zeit der Plug-in-Hybride erst jetzt zu beginnen.

Hersteller unter Druck

Dies hat hauptsächlich drei Gründe: Zum einen stehen die Automobilhersteller unter Druck – sie müssen die Plug-ins in den Markt drücken, um die ab nächstem Jahr gültigen Flottengrenzwerte (CO2-Ausstoß im Schnitt 95 g/km) einhalten zu können, andernfalls drohen hohe Strafzahlungen. Zum zweiten erleichtern Fördermaßnahmen der Kundschaft die Kaufentscheidung für ein PHEV – als da wären die Umweltprämie (3000 Euro, wenn die Reichweite über 40 Kilometer liegt oder die CO2-Emissionen unter 50 g/km bleiben) und der Steuerbonus für Dienstwagen (0,5 statt ein Prozent vom Bruttolistenpreis bei privater Nutzung). Und zum dritten wird die elektrische Reichweite der Teilzeit-Stromer zunehmend interessant. Hatten die ersten Modelle nur etwa 25 Kilometer zu bieten, sind – dank größerer Batterien - heute 50 Kilometer der Regelfall, und dies nach dem inzwischen gültigen und wesentlich realitätsnäheren WLTP-Messstandard. Ein BMW 330e bringt es auf 59 km, eine Mercedes A-Klasse 250e auf 68 km, ein BMW X5 xDrive45e auf 87 km und ein Mercedes GLE 350 de – der ungewöhnlicherweise einen Diesel mit einem E-Motor kombiniert - sogar auf knapp 100 km.

Auch er bekommt ein E-Kennzeichen: Der BMW X1 xDrive25e bringt es auf bis zu 57 km E-Reichweite. © Hersteller


Allerdings sind nicht alle PHEVs schnellladefähig. Der Mercedes GLE 350 de beispielsweise verfügt über eine Combo-Ladedose für Wechselstrom- und Gleichstromladen, an der DC-Gleichstrom-Ladesäule ist sein 31,2-kWh-Akku in einer halben Stunde von zehn bis 100 Prozent aufgeladen. Der BMW X5 xDrive45e hingegen kann nur 3,7 kW Wechselstrom ziehen, er hat somit nicht einmal von den üblichen 11- oder 22-kW-Wallboxen oder –Ladestationen was und muss rund acht Stunden an der (Haushalts-)Steckdose verharren, bis er komplett aufgeladen ist.

Bedrohtes Privileg

Die erhöhten Aktionsradien erhalten den Plug-ins womöglich auch ein bedrohtes Privileg. Angesichts bescheidener elektrischer Möglichkeit verloren viele PHEV-Besitzer nach einer anfänglichen Euphorie nämlich bald die Lust darauf, Abend für Abend das Ladekabel hervorzukramen. Stattdessen fuhren sie – ist schließlich bequemer – ausschließlich benzinbefeuert. Davon hat die Umwelt freilich gar nichts, weswegen bereits darüber diskutiert wurde und wird, den Teilzeitstromern die Zufahrt in Sperrzonen zu verweigern. Die neuen, reichweitenstärkeren Plug-ins aber müssen womöglich gar nicht mehr täglich aufgeladen werden und somit seltener ans Netz als ihre Vorfahren.

Ob sich einer der verhältnismäßig teuren Plug-in-Hybride für ihn lohnt, muss der Autokäufer freilich sorgfältig überlegen. Wichtigstes Kriterium bleibt die üblicherweise am Tag zurückgelegte Fahrstrecke: Handelt es sich dabei um eine kurze Pendlerdistanz, die mit einer Akkufüllung (oder durch Nachladen am Arbeitsplatz) zu bewältigen ist, macht ein PHEV Sinn. Für den Vertreter, der täglich Langstrecke fährt, sieht das ganz anders aus, er ist mit einem Diesel am besten beraten.  

Aktuell umfasst die Liste des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) für förderfähige Plug-in-Hybride 84 Modelle, die Zahl erweitert sich beständig. PHEVs gibt es inzwischen in nahezu allen Fahrzeugklassen, vom Kompaktwagen übers SUV bis hin zur Luxuslimousine oder Transporter. Eine Auswahl in der Bilderstrecke:  

Bilderstrecke zum Thema

Plug-in-Hybride: Mit Doppelherz

Plug-in-Hybride unterscheiden sich von anderen Hybridantrieben durch ihre extern aufladbare Batterie. Dadurch erzielen sie eine höhere elektrische Reichweite. 50 Kilometer gelten inzwischen als Standard, teilweise sind sogar schon knapp 100 Kilometer möglich. Das Angebot ist mittlerweile umfangreich und wächst noch weiter. Einige der neuen "PHEVs" im Überblick.


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