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Die Volksfestkönigin geht nie ohne Trachten-Haarband und Nadelset aus

Andrea Konn ist für die langen Tage am Dutzendteich bestens ausgerüstet - 05.09.2012

Packt ihre Tasche mit System: Volksfestkönigin Andrea Konn.

04.09.2012 © Fengler


Frau Konn, Sie wohnen in Rohrbach und fahren jeden Morgen nach Nürnberg, wo Sie dann den ganzen Tag auf dem Volksfest verbringen. Ist das tatsächlich die einzige Tasche, die Sie dabeihaben?

Andrea Konn: Das ist die einzige. Aber ich bin heute erst mittags hergefahren. Wenn ich in der Früh hergefahren wär’, wär’ noch eine Jacke dabei.

Und was hat eine echte Volksfestkönigin noch so in ihrer Handtasche?

Konn: (zählt auf, was sie aus dem mittelgroßen schwarzen Exemplar herausholt): ein Trachten-Haarband für Fahrgeschäfte. Wenn ich mit offenen Haaren fahr’, wär’ das nicht so vorteilhaft, dann wirbelt’s mir alles durcheinander. Lipgloss und Puder — falls man doch mal ins Schwitzen kommt. Aspirin. Geschenke anderer Königinnen: eine Honighandcreme von der Honigkönigin, ein Nadelset von der Nadelprinzessin. Das war übrigens schon öfter im Einsatz — nicht nur bei mir, auch bei anderen Hoheiten. Ein absolutes Muss ist der Volksfestplan, damit man weiß, wo was steht und wo man selber gerade steht. Ein Notizblock und Stifte... Und natürlich das Lieblingsaccessoire jeder Königin: das Königinnenbuch, in das sich Prominente eintragen. Bei mir steht bisher leider bloß Bernd Händel drin.

Damit geht die Volksfestkönigin in den Festzelten also selbst auf Promi-Fang?

Konn: (schüttelt den Kopf): Das Buch hat für die Königinnen schon einen tieferen Sinn, man lässt nicht jeden Promi reinschreiben, sondern nur die, mit denen man eine Erinnerung verbindet. Der Herr Händel hat meine Eröffnung moderiert, da war’s für mich wichtig, dass er drinsteht. Und die ganzen Gastköniginnen, die bei der Eröffnung waren, natürlich auch (kramt weiter in der Tasche und holt neben zwei Handys auch noch Streichhölzer hervor). Die sind ein Geschenk von einem Schausteller. Kann ja so laufen wie beim Nähset, dass man mal dringend ein Licht braucht, also bleibt’s in der Tasche.

Finden Sie darin alles auf Anhieb?

Konn: Haargummi und Handys müssen schnell greifbar sein und sind deswegen in den Seitentaschen. Der Rest ist innendrin. Zusammen, aber mit System reingelegt!

Ist das die offizielle KöniginnenTasche?

Konn: Ich hab’ zwei Taschen, die schwarze hier und noch eine hellere. Ich mach’ das passend zum Dirndl und den Schuhen. Aber die schwarze ist eigentlich schon die meistgenutzte Königinnen-Tasche. Man sieht’s a bisserl an den Gebrauchsspuren...

Und die Lieblingstasche von Andrea Konn?

Konn: Am liebsten benutz’ ich meine Kameratasche. Wenn ich weggeh’ und Fotos mach’, ist eine Handtasche fehl am Platz, dann passt das alles in die Kameratasche und fertig.

Fotografieren ist Ihr Hobby?

Konn: Leidenschaft! Früher hab’ ich die Volksfeste mit der Kamera besucht, jetzt besuch’ ich sie als Königin.



Was ist das Wichtigste, das beim Volksfest immer mit dabei sein muss?

Konn: Das Bahnticket! Sonst hab’ ich ein Problem (lacht). Dann das Handy (überlegt kurz und inspiziert noch mal den Inhalt der Tasche). Und natürlich der Block! Der ist immer dabei, weil mir oft ein Gedicht einfällt und wenn ich dann nix zum Schreiben hab’, ist das echt ärgerlich.

Sie sind also auch leidenschaftliche Gedichteschreiberin?

Konn: Ja...Ich mach’s nicht so oft wie das Fotografieren, aber gerade jetzt als Königin kommt es öfter vor, dass ich eins schreiben darf. Mein Gedicht zur Eröffnung hab’ ich auf diesem Block geschrieben.

Schreiben Sie auch privat Gedichte?

Konn: Für mich schon. Und manchmal schreib’ ich auch für Hochzeiten oder für Geburtstage von der Verwandtschaft Gedichte oder Gstanzln.

(Ein Besucher kommt vorbei, bleibt stehen und sagt zu Konn gewandt: „Darf ich Ihnen eine Frage stellen? Sie sind doch keine Fränkin. Warum sind Sie dann die Nürnberger Volksfestkönigin?“)

Konn: (im schönsten Dialekt): Weil i’ als Oberbayerin überzeugt bin, dass des Nürnberger Volksfest des schönste is’!
(Die Antwort scheint den Besucher zufriedengestellt zu haben. Er geht nickend weiter.)

Passiert Ihnen das öfter?

Konn: Normalerweise kommen eher so Sätze wie „Ah, Sie sin’ die oberbayerische Königin“ oder „Reden Sie doch mal!“. Ich find’ das immer witzig und nett.

Zurück zur Tasche. Kein Buch dabei gegen Langeweile im Zug?

Konn: Es kommt selten vor, dass mir langweilig ist. Im Zug bin ich eigentlich immer froh, wenn da a bisserl Pause ist.

Sie hätten aber eigentlich eine Unterkunft hier in Nürnberg?

Konn: Schon. Aber ich fahr’ jeden Tag heim nach Rohrbach. Und wenn’s nur für eine Stunde ist. Damit ich wenigstens kurz meine Familie seh’ und weil Mama mir so schön die Haare macht.

ARIANE MAIER

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