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Sonntag, 18.08.2019

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"Erde": Das rücksichtslose Geschäft mit Mutter Natur

Der Dokumentarfilm "Erde" nimmt uns mit in Minen, Steinbrüche und auf Kohleabbaugebiete - 18.07.2019 08:00 Uhr

Szene aus dem Film "Erde" des Oesterreichers Nikolaus Geyrhalter. © Real Fiction


Die einen graben nach Öl, andere nach archäologischen Schätzen. Hier wie dort ist das in der Regel ein sehr aggressives, rücksichtsloses Geschäft, bei dem sämtliche Grenzen schon längst überschritten sind.

Geyrhalter geht sein Thema sehr orthodox an, sprich: Ohne Kommentar aus dem Off und überhaupt ohne jede Wertung. Die Art, wie er seine Bilder gefühlt endlos stehen lässt, mag nicht den Sehgewohnheiten unserer Zeit entsprechen, doch in seiner betonten Unaufgeregtheit ist "Erde" ein schöner Kontrast zu den hektischen, hochgejazzten und personalisierten Dokus, wie man sie derzeit in Amerika zu machen pflegt.

Wenn die Arbeiter vor Ort über ihre Jobs sprechen, dann erstaunlich offen, reflektiert, abgeklärt und bisweilen gar philosophisch. "Die Erde ist eine grausame Geliebte", sagt etwa der Baggerfahrer im kalifornischen San Fernando Valley, wo vor lauter Landhunger ganze Berge abgetragen werden, um Platz für neue Städte zu schaffen, die gleichsam aus dem Boden gestampft werden. "Sie leistet Widerstand bis zuletzt. Doch am Ende gewinnen immer wir." Wie jeder gute Dokumentarfilm nimmt uns auch "Erde" mit an Orte, wo Otto Normalbürger nie einen Fuß hinsetzt: An die Spitze einer Tunnelbohrmaschine am Brenner und hinab in ein ehemaliges Salzbergwerk in Wolfenbüttel, wo der Atommüll der letzten Jahrzehnte "endlagert", so lange, bis die Fachleute einen besseren Ort gefunden haben (die radioaktiven Fässer wurden – man mag es kaum glauben – übrigens tatsächlich einfach so in die Gruben hinein gekippt und liegen kreuz und quer, doch die Fachleute sagen, dass das so schon alles seine Richtigkeit hat).

Sieben Länder, sieben Kapitel. Dass die Problematik nicht neu ist, zeigt der Besuch in den antiken Minen im spanischen Rio Tinto, die einst das riesige Römische Reich mit Kupfer und Silber versorgten.

Ein wenig Raffung hätte dieser Fleißarbeit mit einer Laufzeit von fast zwei Stunden gut getan. Das Ergebnis ist gleichwohl sehenswert. (A/115 Minuten) 

Stefan Gnad

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