Slow Cinema

"Memoria": Tilda Swinton brilliert auf der Suche nach einem mysteriösen Geräusch

5.5.2022, 09:07 Uhr
Gemeinsam mit dem Tontechniker Hernan versucht Jessica (Tilda Swinton), dem mysteriösen Geräusch, das sie nicht schlafen lässt, auf den Grund zu gehen.

© Port au Prince Pictures/dpa Gemeinsam mit dem Tontechniker Hernan versucht Jessica (Tilda Swinton), dem mysteriösen Geräusch, das sie nicht schlafen lässt, auf den Grund zu gehen.

Seit Jessica (Tilda Swinton) bei Tagesanbruch von einem lauten Knall aufgeschreckt wurde, leidet sie unter Schlafstörungen. Immer wieder hört sie dieses bedrohliche Geräusch, das außer ihr sonst niemand wahrzunehmen scheint. Sie reist ins kolumbianische Bogotá, um ihre kranke Schwester Karen zu besuchen.

Dort versucht sie auch, mit dem Sounddesigner Hernan dem mysteriösen Geräusch auf die Spur zu kommen und in Streifzügen durch die Stadt und Umgebung Klarheit zu finden. Sie freundet sich mit der Archäologin Agnès an. Diese untersucht menschliche Überreste, die beim Bau eines Tunnels entdeckt wurden. Jessica besucht Agnès an der Ausgrabungsstätte. Eine noch tief verborgene Ahnung, woher das Geräusch rühren könnte, wächst in Jessica heran. In einer kleinen Stadt in der Nähe der Ausgrabungsstätte macht sie schließlich die Bekanntschaft eines weiteren Hernan, eines Fischers.

Slow Cinema

Beide verbringen zusammen Zeit am Fluss, tauschen Erfahrungen aus und teilen Erinnerungen miteinander. Gegen Abend empfindet Jessica schließlich ein ungewöhnliches Gefühl der Klarheit. "Slow Cinema" nennt man das Kino von Apichatpong Weerasethakul, der für seinen Spielfilm "Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben" 2010 als erster thailändischer Filmemacher die Goldene Palme der Internationalen Filmfestspiele von Cannes gewann.

Für "Memoria" drehte Weerasethakul erstmals nicht in Thailand, sondern in Kolumbien. Die Handlung des Films ist nicht so wichtig. Es gibt lange, statische Filmeinstellungen, die Atmosphären und Geräuschkulissen lebendig machen. Und mit Tilda Swinton eine ganz starke Hauptdarstellerin, deren Spiel von stellenweise hynotischer Intensität ist.

"Memoria" ist der dritte Film, mit dem der 1970 geborene Regisseur in den Wettbewerb nach Cannes eingeladen wurde und der ebenso wie 2004 "Tropical Malady" mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Und ähnlich wie dieser ist auch "Memoria" ein Film, auf den man sich einlassen muss. Den man am besten im Kino anschaut – ohne Nebengeräusche, ohne Handy, auf großer Leinwand. Neben der eigentlichen Geschichte schwingen viele Themen in diesem Werk mit, das eher einer Meditation als einem Spielfilm gleicht.

Es geht um persönliche und kollektive Erinnerung und um die Idee, dass alles in einer Art Bewusstseinsstrom miteinander verbunden ist: Menschen, Steine, Pflanzen. Mit "Memoria" initiiert der Streamingdienst Mubi übrigens erstmals einen Kinostart in Deutschland. Erst nach der Auswertung ist der Film auf Mubi erhältlich. (136 Min.)

In diesen Kinos läuft der Film.