Mittwoch, 14.04.2021

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Frühere Topsprinterin aus Pleinfeld ist heute dreifache Mutter

Anja Wurm zählte einst zu den schnellsten Frauen in Deutschland, nun genießt sie ihr Familienleben - 01.03.2021 06:01 Uhr

Schnell und dynamisch: Als Sprinterin holte Anja Wurm zahlreiche Leichtathletik-Titel und Erfolge auf bayerischer, süddeutscher und deutscher Ebene.

26.02.2021 © WT-Archiv/Theo Kiefner


Heute lebt Anja Wurm ein ganz anderes Leben. "Das mit dem Wettkampfsport ist für mich ‘rum ums Eck", erzählt sie ohne Anflug von Wehmut. Sie schaut zwar gerne beim Sport zu und feuert auch gerne an. Doch selbst ein offizielles Rennen zu bestreiten, das ist kein Thema für sie – momentan jedenfalls nicht.

Den Takt in ihrem Leben geben längst nicht mehr der Leistungssport und die Arbeit als Verlagskauffrau vor, sondern vielmehr ihre Familie. Anja Wurm, die ihren Mädchennamen behalten hat, ist mit Christian Loy verheiratet. Zusammen haben sie sich in Pleinfeld unweit ihres Elternhauses ihr eigenes Heim gebaut. Und zusammen haben sie drei Kinder.

Wie im Sport: "Hundertprozentig"

Henry (sechs Jahre), Fanny (drei) und Hanna (elf Monate) halten ihre 39-jährige Mama mindestens genauso auf Trab wie früher die Leichtathletik. "Wir wollten drei Kinder und die kosten Zeit", sagt Anja Wurm, die sich diese Zeit sehr gerne nimmt. "Es ist wie früher beim Sport: Wenn ich etwas mache, dann mache ich es hundertprozentig oder gar nicht". Aktuell befindet sie sich in Elternzeit und ist gerade in der Corona-Phase ganz froh darüber. Denn bei Freunden kann sie mitunter sehen, was diese alles organisieren müssen, um Kinderbetreuung und Berufstätigkeit im Lockdown unter einen Hut zu bringen.

Ein glücklicher Familienmensch: Anja Wurm lebt mit ihrem Mann Christian Loy sowie den drei kleinen Kindern in Pleinfeld.

26.02.2021 © Privat


Anja Wurm war schon als Topläuferin immer sehr bescheiden. Sie macht nicht gerne Wind um ihre Person und man muss sie auch ein wenig davon überzeugen, dass es durchaus einen interessanten Artikel geben könnte, wie das Leben der einstigen Spitzensportlerin heute aussieht. Ein Leben, das bestens ausgefüllt ist. "Mir ist es in den letzten zehn Jahren nie langweilig geworden", bestätigt sie lachend. Das eigene Haus mit Garten, die Arbeit als Hausfrau und die Rolle als Mutter von drei kleinen Kindern – all das ist mehr als ein Vollzeitjob.

Und Anja Wurm geht darin auf: "Jetzt stehe halt nicht mehr ich im Vordergrund, sondern vielmehr die Kinder." Statt wie früher zum Training auf die Laufbahn geht es nun mit dem Nachwuchs zum Rad- und Rollerfahren. Oder wie neulich zum Schlittschuhlaufen. Auch wenn meist das gemacht wird, was die Kinder wollen, versucht sich die einstige Sprinterin auch selbst noch Zeit für Sport zu nehmen, meistens am Sonntagfrüh.

Laufen: Zehn Kilometer statt 100 Meter

Beim Laufen findet sie Ausgleich, kann bestens abschalten und auf andere Gedanken kommen. Zehn Kilometer können da schon mal zusammenkommen und damit eine Distanz, die früher für sie unvorstellbar war. "Das wäre ja auch kontraproduktiv gewesen, damals weite Strecken zu laufen." Während ihrer Glanzzeit hat sie mal augenzwinkernd gesagt: "Für mich sind die 200 Meter schon fast eine Langstrecke." Als Sprinterin war sie vor allem auf den 100 Metern sowie in den Staffeln unterwegs – und das sehr erfolgreich.

Im Alter von sieben Jahren kam sie durch einen Bekannten in die Leichtathletik-Abteilung ihres Heimatvereins FC Pleinfeld. Zunächst war Anja als Kind in allen Disziplinen aktiv. "Es kristallisierte sich dann jedoch mehr und mehr heraus, dass ich vor allem schnell laufen kann." Und dieses Talent förderten ihre Trainer. Zunächst Hans Loy beim FCP, dann Marianne Bayer beim ESV Treuchtlingen beziehungsweise bei der damaligen LG Altmühl-Jura. Vor allem Frau Bayer hat Anja Wurm viel zu verdanken.

Die inzwischen verstorbene Ausnahme-Trainerin blieb auch an der Seite ihres Schützlings, als Anja Wurm zum LAC Quelle Fürth und später zur LG Stadtwerke München wechselte. "Sie hat mich bis zum Ende meiner Laufbahn unterstützt und begleitet", sagt die Athletin über ihre langjährige Trainerin. Und das Gleiche kann sie auch von ihren Eltern Werner und Erika Wurm sowie von ihrer jüngeren Schwester Kathrin behaupten.

Küsschen von Linford Christie

Sie alle haben ihren Anteil an den Leistungen und Erfolgen von Anja Wurm, deren persönliche Bestzeiten von 11,56 Sekunden über die 100 Meter und 7,34 Sekunden über die 60 Meter in der Halle liegen. Die besonderen Erlebnisse ihre Karriere begannen schon in der Schülerzeit, als sie zum Beispiel im Nürnberger Stadion beim Linford-Christie-Cup auf den damaligen Superstar traf und bei der Siegerehrung "Küsschen links und rechts" bekam. Christie wurde später zwar wegen Dopings gesperrt, dennoch wird Anja Wurm das Treffen "ewig in Erinnerung bleiben".

Anja Wurm (links) hat in ihrer Karriere viele Medaillen. Das Kapitel Wettkampfsport ist für die 39-jährige Pleinfelderin inzwischen aber längst geschlossen.

26.02.2021 © WT-Archiv/Theo Kiefner


Als ihren größten Erfolg bezeichnet die schnelle Pleinfelderin ihren zweiten Platz und damit die Vizemeisterschaft über 60 Meter bei der Deutschen Hallenmeisterschaft 2008 in Sindelfingen. Nur ihrer damaligen Vereinskameradin Verena Sailer musste sie den Vortritt überlassen. Mit ihr zusammen im Fürther Team feierte Anja Wurm allerdings mehrere deutsche Titel und Topplätze in den Staffeln über die 4 x 100 und die 4 x 200 Meter.

Auch etliche Medaillen bei Süddeutschen Meisterschaften kamen hinzu. Dem eingangs erwähnten letzten bayerischen Einzeltitel über 60 Meter im Jahr 2011 ließ Anja Wurm zum Ausklang ihrer Karriere 2012 noch einen Vizetitel im Freistaat sowie einen fünften Rang bei der "Deutschen" mit der 4 x 100 Meter Staffel ihres Münchner Teams folgen.

Start in Familienstaffel?

Danach war Schluss. "Es war eine sehr schöne Zeit", stellt die 39-Jährige heute im Rückblick fest. "Ich würde es wieder so machen." Letztlich habe aber alles im Leben seine Zeit. Und momentan ist es die Zeit für und mit ihrer jungen Familie. Anja Wurm wird zwar immer wieder mal gefragt, ob sie nicht bei dem einen oder anderen Lauf in der Region mitmachen würde. Bislang hat sie aber immer abgelehnt. Der Grund: "Da würde wieder der alte Ehrgeiz erwachen, ich müsste trainieren und wäre am Ende wohl doch immer unzufrieden."

Also wirklich keinerlei Wettkämpfe mehr? Na ja, vielleicht gibt es doch noch eine Ausnahme. Anja Wurm würde sich freuen, wenn ihre Kinder später mal intensiver Sport treiben würden. Und wenn sie dann mal nach einer Familienstaffel fragen würden, "dann könnte ich mich dem sicher nicht entziehen", sagt Anja Wurm – garniert von einem fröhlichen Lachen.

 

UWE MÜHLING

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