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Montag, 20.05.2019

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Ganz schönes Schlagzeuggewitter

Beeindruckender Auftritt von Vivi Vassileva aus Hof bei den Nürnberger Symphonikern . Israelischer Dirigent Yaron Traub übernahm Konzert in letzter Minute. - 08.04.2019 18:41 Uhr

Absolute Könnerin: Die 25-jährige Vivi Vassileva. © Foto: Adriana Yanculova


Die Sympathiebekundungen, die ihr nach ihrem Auftritt mit den Nürnberger Symphonikern entgegenwehen, werden nicht nur von fränkischem Lokalpatriotismus genährt: Völlig versunken in ihr Metier aus Fellinstrumenten, Stabspielen, Gongs und allem anderen, was bumst, scheppert, dengelt oder Regengeräusche macht, hat die 25- Jährige aus Hof soeben eine beeindruckende Lehrstunde in Sachen Virtuosität, Sensibilität und Klangfarbenkunde abgehalten.

Zwischen verschiedenen, auf dem Podium der Meistersingerhalle verteilten Instrumentengruppen hin- und herwechselnd, verleiht Vassileva dem 2012 uraufgeführten Werk ein Höchstmaß an Theatralik, macht ihren eigenen Körper zum wichtigsten Instrument, infiziert und inspiriert dabei das Orchester in höchstem Maße. Vor ihm, am Dirigentenpult, steht Yaron Traub, der als Ersatz für den erkrankten Dmitri Jurowski in letzter Minute eingesprungen ist.

Hochachtung für einen Dirigenten, der ein ihm teilweise unbekanntes Programm in so kurzer Zeit lernt und dann in so souveräner Weise umzusetzen weiß. Dass Maurice Ravels "Pavane pour une Infante défunte" im ersten Teil ein wenig nach Durchspielprobe klingt, ist vor diesem Hintergrund verzeihlich.

Viel mehr nehmen die knackig musizierte, durchaus nicht unvirtuose Orchesterfanfare "Short ride in a fast machine" von John Adams zu Beginn und die nur selten im Konzertsaal vorbeischauende Orchestersuite "Scènes pittoreques" von Jules Massenets ein. Auch wenn manches Detail dieser in Mittellage komponierten, ballettartigen Musik – reizende Konfektionsware aus dem Ansichtskartensortiment des 19. Jahrhunderts – der Saalakustik zum Opfer fällt.

Zum Abschluss noch einmal Ravel: Trotz hin und wieder zu vermeldender kleiner Wackler bei den Bläsersoli schöpfen die Symphoniker das Rausschmeißer-Potenzial des "Boléro" voll aus und entlassen ein sichtbar hingerissenes Publikum in den Abend.

Info: Nächstes Symphoniker-Konzert: 13. April, mit dem brasilianischen Pianisten Fabio Martino und dem Dirigenten Marcello Mottadelli. Karten: Tel. 09 11 / 2 16 27 77. 

VON STEPHAN SCHWARZ-PETERS

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