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Höchstadts großer Sohn Spix – bis heute als bayerischer Humboldt berühmt

Museen im Lockdown: Das 2004 eröffnete Geburtshaus des Brasilien-Reisenden in Höchstadts Badgasse - 12.02.2021 11:00 Uhr

Johann Baptist Ritter von Spix, der „bayerische Humboldt“: Faszinierend sind auch die detailgetreuen Zeichnungen im Museum.

11.02.2021 © Foto: Edith Kern-Miereisz


Der berühmteste Sohn der Stadt an der Aisch wurde vor 240 Jahren in der Badgasse geboren – als "bayerischer Humboldt" ist er bis zur Stunde nicht nur in Forscherkreisen ein Name.

Der Spix-Förderverein mit rund 70 Mitgliedern hält das Andenken des Forschungsreisenden Johann Baptist Ritter von Spix hoch. Vorsitzender Herbert Fiederling sperrte das Museum für die NN in Lockdown-Zeiten auf und erläuterte die Exponate, die eine Welt eröffnen, die zu Recherchen um den ganzen Globus über 200 Jahre führen können.

Bilderstrecke zum Thema

Spix-Museum in Höchstadt: Ein virtueller Rundgang in Corona-Zeiten

Eine Reise in den brasilianischen Urwald auf den Spuren von Johann Baptist Ritter von Spix und Carl Philipp Martius ist auch in Lockdown-Zeiten im Spix-Museum in der Höchstadter Badgasse möglich.


Die "Reise in Brasilien", die zwei Bayern von 1817 bis 1820 unternahmen, Johann Baptist Spix aus Höchstadt und Carl Friedrich Philipp Martius aus Erlangen, beschäftigt Naturforscher bis zur Stunde. Bereits Carl Friedrich Philipp Martius, später Gründer des Botanischen Gartens bei Schloss Nymphenburg, war bis zu seinem Tod 1868 mit der Aufarbeitung der epischen Amazonas-Tour 42 Jahre lang beschäftigt.

Kinder indigener Völker

Zwei Kinder indigener Völker, Juri und Miranha, als Sklaven gekauft von Martius, was er später als schweren Fehler ansah, brachten die Reisenden mit. Ihr früher Tod beschäftigt die Forschung unter dem Gesichtspunkt "Kolonialismus" bis heute. Herbert Fiederling, der das große Thema Spix nach seiner Sparkassen-Zeit "als Hobby" ansieht: "Wir recherchieren auf der ganzen Welt über Spix." Lebende und präparierte Tiere verschiedenster Arten und Größenordnungen, darunter viele Affenarten, exotische Pflanzen, 350 beschriebene Vögel, Landschaftszeichnungen zählten zur Ausbeute der langen und strapaziösen Reise, die Spix gesundheitlich angeschlagen zurückließ und seinen frühen Tod bedeutete.

Der blaue Hyazinthara

Ein Exponat, weniger berühmt als der Spix-Ara, dessen Nachzucht auf Teneriffa und auf der Arabischen Halbinsel versucht wird, ist der Hyazinthara, ein Papagei aus der Gattung der Blauaras. Der beeindruckende, stattliche Vogel soll im Mittelpunkt einer Ausstellung stehen, die für die ersten Monate 2021 geplant ist.

Tucan, Alligator, die grüne Hundskopfboa in Konservierungslösung, Käferriesen aus den Urwäldern Brasiliens, darunter der Amazonas-Riesenbock, der größte Käfer weltweit, – das Spix-Museum, oftmals Ziel für Schulklassen, ist sensationell im Detail.

An die 30 Indianerstämme wurden von Martius und Spix besucht, ihre Riten und Masken gezeichnet – teils ein wertvolles Erbe, das nicht einmal in Brasilien existiert.

Seit der Neugestaltung hatte sich die Besucherzahl auf rund 1000 jährlich vervielfacht. Hauptattraktion sind auf den ersten Blick natürlich der Jaguar – der im Übrigen zuvor Zoobewohner in Nürnberg war und nach seinem Ableben präpariert und vom Tiergarten verkauft wurde.

Die Nebenstorys

Doch auch die Nebengeschichten faszinieren: Etwa, dass die Familie Spix aus den Niederlanden einwanderte, die Mutter italienischer Abstammung war. Bis heute sind Spix-Forscher zudem auf der Suche nach den Briefen, die Spix an seine Lebensgefährtin schrieb.

1821 war Spix zum letzten Mal in Höchstadt. Als Geschenk hinterließ er seiner Heimatstadt eine opulente Monstranz – für Spix-Fans womöglich ein weiterer Forschungsansatz.

Einer der bis in die Gegenwart reicht: Die ikonische Zeichnung aus dem "Atlas der Reise in Brasilien", als Spix und Martius mit breitkrempigen Hüten am Vogelteich am Rio de Sao Francisco standen und dieses Paradies bewunderten, wurde nachgestellt. Brasilianer der Jetztzeit unternahmen eine Motorradreise zu diesem Punkt. Das Foto, aufgenommen aus der gleichen Perspektive, wirft ein Schlaglicht auf die Gegenwart: Der romantische Vogelteich ist verschwunden. Die Bäume um das Gewässer wurden abgeholzt – Opfer von Umweltzerstörung.

INFO

Das Spix-Museum im Geburtshaus des Naturforschers (spix-museum.de)befindet sich in der Badgasse 7 in Höchstadt. Ein virtueller Museumsrundgang ist möglich unter www.nordbayern.de/hoechstadt

EDITH KERN-MIEREISZ

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