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Mittwoch, 18.09.2019

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infra erarbeitet ein Konzept namens New Mobility

Auf der Suche nach smarten Lösungen für die Kleeblattstadt - 13.05.2019 21:00 Uhr

Fahrräder frei: Ob die Regelung hier, in der Fürther Fußgängerzone, auch für E-Scooter gelten würde, bleibt vorerst offen. © Hans-Joachim Winckler


Vieles sei noch nicht konkret, sagte Geschäftsführer Marcus Steurer auf FN-Nachfrage, und doch scheint man im Fürther "ThinkTank" (Steurer), der Denkfabrik an der Leyher Straße, auf Hochtouren zu hirnen. "Wir wollen eine moderne Mobilität in die Stadt bringen." Erwünschte Begleiterscheinungen sind eine sauberere Luft und ein Service mit hohem Wohlfühl-Faktor für die Kunden. Denn, so der infra-Chef: Wer sich durch die Stadt bewegt und nicht weiß, wie er das am effektivsten und günstigsten bewerkstelligt, "will ein Problem gelöst haben, sich darüber aber keine Gedanken machen müssen".

Die infra suche nach solchen "einfachsten Lösungen, um die Lebensqualität der Bürger zu erhöhen." Steurer denkt nicht nur an eine Zeit nach der Fahrkarte aus Papier, an eTickets und eTarife, sondern auch an attraktiv verknüpfte ÖPNV-Angebote. Ideale "Mobilitätsdrehscheibe" wäre für ihn der Hauptbahnhof, wo die infra nach der Sanierung in einem Servicezentrum vertreten sein könnte.

Bei den Bussen wird laut Steurer über neue Taktungen nachgedacht und über Zusatz-Angebote wie eine "flexiblere Anbindung von Vororten mit Ruf-Fahrzeugen". Aber: "Auch das sind Gedankenspiele. Wir schauen, was weltweit und deutschlandweit passiert und überlegen, was optimal für Fürth sein könnte." Oder das Autonome Fahren. Wie berichtet, bewirbt sich der Landkreis Fürth beim Bund mit einer Teststrecke für fahrerlose Busse in Oberasbach. "Wir wollen auch in Fürth nicht abwarten, bis alles eingeführt ist." Die infra sei für Testphasen bereit.

Strategisch sinnvolle Stützpunkte

Die E-Mobilität baut Fürth gerade aus. Fünf der 60 infra-Busse sind Hybrid-Fahrzeuge, einer fährt mit Strom, Ende 2019 sollen es drei sein. Auch die Zahl der öffentlichen Stromtankstellen wächst, was Privatleute zum Kauf von Elektro- und Hybridautos animieren könnte. Aktuell betreibt die infra in der Stadt 14 Ladesäulen und in Parkhäusern vier Wandladestationen mit je zwei Anschlüssen.

Zum Carsharing bereitet die Stadt eine Ausschreibung vor, so Steurer. Bereits ab Herbst könnten Gemeinschaftsfahrzeuge in Fürth unterwegs und – anders als bisher – an strategisch sinnvollen öffentlichen Stützpunkten zu finden sein. Steurer denkt an zentrale Stellen wie den Hauptbahnhof und an Wohnviertel mit entsprechender Nachfrage. Aber auch hier gelte: abwarten.

Als Firmenvertreter und Lokalpolitiker Mitte April im Ronhof bekanntgaben, dass der neue E-Scooter von Metz mit einer Sondergenehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes als Verkehrsmittel eingesetzt werden darf, betonte Oberbürgermeister Thomas Jung, Fürth brauche "mehr Platz für den zweirädrigen Verkehr". Konkret will die Stadt eine Radverkehrsachse vom Hauptbahnhof zur Billinganlage schaffen, weitere Radwege und Schutzstreifen sowie bis zu sechs Fahrradstraßen im Jahr. Außerdem plant sie, Bürgern die Navi-App "Bike Citizens" samt Lenkradhalterung fürs Handy kostenlos anzubieten.

Ob Sharing-Angebote bei Fahrrädern und E-Tretrollern das ÖPNV-Portfolio aus Bussen und U-Bahn sinnvoll ergänzen könnten, wenn Menschen in Fürth von A nach B gelangen wollen? Steurer ist sich "noch nicht sicher". Zwar rollt er "schwer begeistert" mit einem der drei Metz-"Moover", die die infra im Testbetrieb nutzt, durch die Stadt. Den Weg zwischen infra und Rathaus legt er so in acht Minuten zurück. Doch stellen sich auch Fragen wie diese: Tobt um die Scooter aktuell nur ein Hype? Wie sähe in Fürth, wo es wenige Touristen gibt, die Zielgruppe aus?

Bundesverkehrsminister Scheuer will E-Roller auf Gehwegen nun doch nicht dulden. Bleibt es dabei? Am Freitag weiß man schon mehr. Der Bundesrat befasst sich dann mit der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung und gibt vielleicht grünes Licht. Steurer ist gespannt – und fragt sich: Wäre die Fürther Fußgängerzone für E-Scooter dann tabu oder nicht? Er will auch die Ergebnisse des E-Scooter-Pilotprojekts in Bamberg erst einmal abwarten. Eines aber weiß er schon: Kopfsteinpflaster ist kein Problem, wenn man mit einem luftbereiften Roller drüberflitzt. 

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