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Kriminalstatistik: Weniger Straftaten in und um Lauf

1895 Fälle registrierte die Polizei 2018 - 07.05.2019 18:15 Uhr

Tatsächlich zeichnen die statistischen Zahlen der Polizei für das Nürnberger Land und besonders für das Gebiet der Polizei Lauf ein positives Bild. Exakt 1895 Straftaten registrierte die Polizei 2018 in dem 225 Quadratkilometer großen Bereich zwischen Simmelsdorf und Schwaig. Das bedeutet einen Rückgang um 245 Delikte oder um 11,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit einen neuen Tiefstand im Vergleich der letzten zehn Jahre.

Um eine bessere Vergleichsmöglichkeit der Regionen zu schaffen, berechnen die Inspektionen außerdem die so genannte Häufigkeitszahl – die Zahl der Straftaten je 100.000 Einwohner. Und diese kann sich im Bereich der Polizei Lauf durchaus sehen lassen. Denn während Mittelfranken für das Jahr 2018 eine Häufigkeitszahl von 4989 gemeldeten Straftaten verzeichnet, umfasst die Häufigkeitszahl im Bereich der Polizei Lauf 2 685 registrierte Straftaten, also kaum mehr als die Hälfte. Im Bundesdurchschnitt beträgt die Häufigkeitszahl 2018 sogar 6 513 Delikte pro 100.000 Einwohner.

Fälle wie der Einbruch in den Edeka-Supermarkt in der Diepersdorfer Straße in Schwaig zählen zu den Ausnahmen. Im September 2018 stiegen die Täter dort über das Dach in den Laden ein und stahlen Bargeld und Zigaretten im Wert von rund 120 000 Euro. Die Gesamtzahl der angezeigten Ladendiebstähle ist 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 30 Fälle auf 48 Diebstähle gesunken.

Einbrecherbande geschnappt

Auch die Zahl der gemeldeten Wohnungseinbrüche sank von 53 (2017) auf 32 (2018). Die Aufklärungsquote im Bereich der Wohnungseinbrüche ist im Vergleich zu 2017 aber dramatisch gesunken, nämlich von 26,4 Prozent im Jahr 2017 auf gerademal noch 3,1 Prozent.

Tatsächlich gibt diese Entwicklung einen Einblick in die Tücken der Statistik. Denn 2017 kam die Kripo Schwabach einer Bande von Einbrechern auf die Schliche, die im Raum Nürnberger Land ihr Unwesen trieb. Sie nahm die Diebe fest und konnte dadurch ungewöhnlich viele Einbrüche aufklären. Die Aufklärungsquote 2018 von 3,1 Prozent ist dagegen wieder auf Durchschnittsniveau in Sachen Wohnungseinbruch und zeigt, wie schwer sich in diesem Bereich die Ermittlungen gestalten.

Das gilt auch in Sachen Auto– und Fahrraddiebstahl, ein Bereich, in dem die Täter in der Mehrheit der Fälle nicht ermittelt werden können. Die Zahl der Fahrzeugdiebstähle ist im Gebiet der Polizei Lauf seit 2017 stark gestiegen. Die Zahl der Autodiebstähle kletterte von 10 (2017) auf 22 (2018). Dabei wählten die Täter vor allem Autos, die mit dem KeylessGo–System mit elektronischem Schlüssel ausgestattet waren, und fingen das Signal ab, um die Türen zu öffnen.

Mehr geklaute Fahrräder

Der starke Anstieg von Fahrraddiebstählen im unteren Pegnitztal ist ebenfalls auffällig. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der geklauten Fahrräder um 67,2 Prozent von 67 auf 112 Velos. Die Aufklärungsquote liegt in diesem Bereich bei mäßigen 11,6 Prozent. Bezogen auf alle 1900 Straftaten im vergangenen Jahr ist die Aufklärungsquote der Polizei Lauf jedoch auf einem recht hohen Niveau. Sie liegt bei 65,7 Prozent und damit 9,2 Prozentpunkte höher als die bundesweite Aufklärungsquote von 56,5 Prozent.

Anzeigen nicht in jedem Fall

Neben besonderen Aufklärungserfolgen der Polizei haben noch weitere Aspekte Einfluss auf die Kriminalstatistik. So spielt laut Bauereiß die „Anzeigelust“ der Betroffenen eine wichtige Rolle. Denn während die Geschädigten von Unfallfluchten und schweren Diebstählen meistens die Polizei rufen, fallen täuschende Erpresser–E–Mails eher unter den Tisch. Das "Dunkelfeld" der nicht gemeldeten Verbrechen ist so bei verschiedenen Straftatbeständen unterschiedlich groß.

Eine besonders hohe Dunkelziffer existiert im Bereich der Drogendelikte. Die Polizei Lauf übergab vergangenes Jahr 186 Fälle von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz an die Staatsanwaltschaft. 2017 waren es noch 240 Verstöße, meist in Form des Besitzes von Cannabis. Die tatsächliche Zahl der Verstöße dürfte den Wert von 186 ermittelten Fällen um ein Vielfaches übertreffen. Handel und Anbau von Drogen werden noch seltener aufgedeckt.

Fälle wie die Entdeckung einer Cannabisplantage in einer Sandgrube bei Neunkirchen sind meist Werke von Bruder Zufall. Dort meldete ein Mitarbeiter der Sandgrube Ende Oktober 2018 den Fund mehrerer Cannabispflanzen. Die eingesetzten Polizisten sammelten daraufhin 31 Hanfpflanzen ein. Der Gärtner blieb allerdings unbekannt.

Zwei junge Männer sorgten im Mai 2018 in Neunkirchen für Aufsehen. Dort meldeten Anwohner der Bahnhofstraße, dass von einem Balkon in Richtung Bahnhof geschossen werde. Spezialkräfte nahmen daraufhin einen 24–jährigen und einen 20–jährigen Mann fest, die mit einer Softairwaffe vom Balkon gefeuert hatten.

250 Körperverletzungen

Derlei Gewalttaten oder tätliche Übergriffe sind laut der Laufer Kriminalstatistik 2018 weniger geworden. Die Zahl der gemeldeten Fälle von Körperverletzung sank von 294 (2017) auf 251 (2018). "Im Vergleich der vergangenen zehn Jahre hatten wir 2018 den niedrigsten Stand an Straftaten in unserem Gebiet", berichtet Bauereiß in seinem Fazit. "Trotzdem fühlt sich die Bevölkerung oft unsicher. Das liegt vermutlich daran, dass sich schlechte Nachrichten schneller verbreiten als gute. Unsere Aufklärungsquote ist auf einem hohen Stand, aber wir werden uns darauf nicht ausruhen, sondern weiter ermitteln", so Bauereiß. 

Andrea Beck

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