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Dienstag, 15.10.2019

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Alte Hasen mischen sich unter junge Löwen

Das Nürnberger Trio Hammond Eggs spielt im Rahmen des Jazz-Nachwuchs-Festivals „Young Lions on Stage“ - 21.05.2014 19:00 Uhr

Die Hammond Eggs gastierten mit Star-Trompeter Randy Brecker (2. v. li.) im letzten Herbst auf AEG. Zum Konzert in der Tafelhalle haben sie jetzt den Saxophonisten Bob Mintzer eingeladen. © Hippel



Wer „Orgel-Jazz“ sagt, meint in aller Regel noch immer den swingenden, von Funk, Blues und Soul geprägten Sound von Jimmy Smith aus den fünfziger und sechziger Jahren. Natürlich gab und gibt es, nachdem Smith die Hammond Orgel im Jazz etabliert und revolutioniert hatte, auch noch andere bedeutende Jazz-Organisten wie Jimmy Griff, Groove Holmes oder John Medeski. Nichtsdestotrotz ist das Instrument ein bisschen in Vergessenheit geraten.

Und genau dies ist im Grunde eine ideale Vorrausetzung für ein Orgel-Trio wie Hammond Eggs: Organist Jermaine Landsberger, Gitarrist Paulo Morello und Schlagzeuger Christoph Huber haben sich zum Ziel gesetzt, den legendären Sound der Hammond-B3-Orgel in der klassi-

schen Kombination mit Gitarre und Drums in den Jazz der Gegenwart zu holen.

Vielfältige Kompositionen

Wie vorzüglich ihnen das gelingt, kann man auf der neuen CD des Trios nachhören: „Back in the pan“ besticht durch komplexe, stilistisch äußerst vielfältige Kompositionen, beeindruckende Virtuosität und energetische Spielfreude. Sollte es das Sub-Genre „Hammond-Fusion“ noch nicht geben, so haben es die drei hiermit erfunden. Kombinieren sie doch gepfefferten Funk mit komplexen Unisono-Bebop-Läufen, wechseln lässig zwischen Elf-Achtel- und Neun-Achtel-Metren, ohne jemals ins Stolpern zu geraten, und brennen ihre solistische Feuerwerke mit dem Selbstbewusstsein erfahrener Musiker ab, die spieltechnisch so unlimitiert sind, dass sie sich ganz auf ihren Instinkt verlassen können.

Stargäste wie der Trompeter Randy Brecker, die Saxophonisten Bob Mintzer, Tony Lakatos und Kim Barth sowie der Bassist Dudu Penz (der nur auf drei Stücken zu hören ist, ansonsten kommt der Bass, wie in dieser Besetzung üblich, von den Bass-Pedalen der Orgel) stehen dem selbstredend in nichts nach und erweitern das klangliche Spektrum des Trios enorm.

„Funky Huber“

Bei allem Bemühen um einen zeitgemäßen Sound vernachlässigen die Musiker allerdings nicht ihre Wurzeln: So scheint bei Paulo Morellos „Let’s Famos“ klar des Gitarristen Brazil-Background durch, während „For Django“ nicht nur als eine Hommage an Django Reinhardt, sondern auch an Landsbergers Sinti-Herkunft gedeutet werden kann.

Eine noch naheliegendere Verbeugung ist Morellos Komposition „Funky Huber“ — ein Spitzname, den der Drummer nicht umsonst trägt: Während Morello mit einem angezerrten, rockigen Gitarrensound überrascht, beweist Huber mit seinem explosiven, hoch inspirierten Solo seine Weltklasse. Und bei „Hey Charlie“ swingen die drei dann sogar so lässig wie einst Jimmy Smith...

Aktuelle CD: Hammond Eggs, „Back in the Pan“ (In&Out Records)
 

VON PETER GRUNER

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