Sonntag, 08.12.2019

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Beweis in Erlangen: Es gibt einen neuen echten Dürer

"Mädchen mit Fackel" war in der Fachwelt lange Zeit umstritten - 30.11.2019 05:56 Uhr

Dürers "Mädchen mit Fackel" ist 21 mal 10,8 Zentimeter groß. © Foto: Jörg Rolf Kistner


Ein Werk des Meisters oder nicht? Immer wieder wurde die Echtheit der Zeichnung "Mädchen mit Fackel", die sich seit 1978 in Schweizer Privatbesitz befindet, von den Experten angezweifelt. Wohl auch, weil die Proportionen, die man ansonsten bei Figuren von Albrecht Dürer (1471-1528) gewohnt ist, nicht ganz so perfekt ausgeführt sind. Gerade das aber ist für Thomas Schauerte, Ex-Leiter des Dürer-Hauses und der Kunstsammlungen in Nürnberg, ein Beleg für die Echtheit des Blattes: Dürer war sein Schöpfer. Und zwar in jungen Jahren.

Das Blatt zeigt eine Frau, die eine Fackel gen Himmel streckt. Was laut Schauerte noch kein Forscher vor ihm beachtete: Dasselbe Motiv, gewissermaßen die jüngere Schwester des Fackelmädchens aus dem frühen 16. Jahrhundert, wird in der Universitätsbibliothek Erlangen verwahrt. Für Schauerte ist das der letzte und ultimative Beweis für die Echtheit des von ihm untersuchten Blattes: "Denn nur ein echter Dürer dürfte damals als Vorlage für Nürnberger Malschüler gedient haben."

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Nach neuen eingehenden Untersuchungen der Zeichentechnik und der verwendeten Materialien wie Papier oder Tinte datiert Schauerte, der heute Direktor der Museen der Stadt Aschaffenburg ist, das Blatt auf die Zeit um 1500. Damit ist es zeitlich vor dem berühmten Feldhasen, dem Großen Rasenstück oder den Betenden Händen entstanden und etwa zur selben Zeit wie das Selbstbildnis im Pelzrock, das in der Alten Pinakothek in München verwahrt wird.

"Ein besonderes Privileg"

Das Mädchen ist durch sein Alter und seinen Aufenthaltsort zudem eine ganz besondere Rarität: Nur insgesamt sieben Zeichnungen des Nürnberger Künstlers, die auf die Jahre 1498/99 oder früher datiert sind, werden nach derzeitigem Kenntnisstand in Privatsammlungen verwahrt. Schauerte verbrachte in Nürnberg Monate mit dem "Mädchen". "Es war ein besonderes Privileg, die Zeichnung bei den Kunstammlungen der Stadt in Obhut gehabt zu haben."

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