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Der Hexenmeister von New Orleans

Der amerikanische Bluesmusiker Dr. John ist im Alter von 77 Jahren gestorben. - 07.06.2019 12:21 Uhr

Der Sänger und Pianist Dr. John war 2014 zu Gast bei den Ingolstädter Jazztagen. © Foto: Steffen Radlmaier


Die Auftritte von Dr. John erinnerten immer ein bisschen an Voodoo-Messen: Der Mann mit Bart, Zopf und Pokerface stützte sich auf seinen reich verzierten Gehstock, auf seinem Flügel grinste ein Totenkopf, Amulette sollten den Musiker vor bösen Geistern schützen. Aus Blues, Boogie, Jazz, Dixie, Soul, Rock’n’Roll, Reggae und Gospel kochte er einen musikalischen Eintopf, wie man ihn nur in New Orleans bekommt.

Der Sänger, der mit bürgerlichem Namen Malcolm John Rebennack hieß, wurde durch seine Mischung aus verschiedenen Musikstilen bekannt . 1968 erschien sein Debütalbum "Gris-Gris", im Laufe seines Lebens veröffentlichte er Dutzende weitere Studio- und Live-Alben. Seine wohl berühmteste Single "Right Place, Wrong Time" schaffte es 1973 in die Top-Ten der amerikanischen Charts. Auch Voodoo und okkulte Mystik hatten es dem Musiker angetan, der auch abseits der Bühne einen abenteuerlichen Lebensstil pflegte: Drogenprobleme brachten Dr. John in jungen Jahren für einige Monate ins Gefängnis, bei einer Schießerei Anfang der 60er-Jahre verlor er einen Teil seines linken Ringfingers.

Der Sänger, Songschreiber, Pianist, Gitarrist und Produzent war in New Orleans ein bekanntes Original, weltweit hoch geschätzt von Musiker-Kollegen. Im Mai 2014 traf sich eine illustre Gesellschaft im "Saenger Theatre" in New Orleans, um Dr. John zu ehren. Es wurde ein rauschendes Musikfest mit Gästen wie Bruce Springsteen, Mavis Staples, Allen Toussaint, Terence Blanchard, Aaron, Charles und Cyril Neville.

Bassist Don Was war der musikalische Leiter des Projekts und der Allstar-Band. "The Musical Mojo of Dr. John: Celebrating Mac & His Music" ist der Titel des mitreißenden Live-Mitschnitts, der das ganze Spektrum des musikalischen Hexenmeisters aufzeigt – vom New Orleans Jazz über Rhythm’n’Blues und Soul bis zum Rock’n’Roll. Auch das gehört nun zu Dr. Johns großem Vermächtnis. 

STEFFEN RADLMAIER

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