Angesagt nicht nur bei Underground-Rappern

Der Zeichner Ramon Serrano alias STORMEZ liebt Schwarz-weiß-Kontraste

21.6.2021, 18:52 Uhr
In der Pandemie entdeckte der Zeichner Ramon Serrano, bislang auf starke Schwarz-weiß-Kontraste spezialisiert, die Farben für sich und findet: „Das fühlt sich jetzt an wie echtes Leben.“

In der Pandemie entdeckte der Zeichner Ramon Serrano, bislang auf starke Schwarz-weiß-Kontraste spezialisiert, die Farben für sich und findet: „Das fühlt sich jetzt an wie echtes Leben.“ © Foto: Peter Romir

Die Regierung hat gesagt, ich darf nicht mehr rausgehen – kein Problem ich hab ja sowieso kein Bock zum Aufstehen" singt der Nürnberger Underground-Rapper Phabster Addams. Eine ähnlich lässige Haltung vermittelt Ramon Serrano, der für Addams’ Platte "Onkel Phabba" das Cover geschaffen hat. Eine seiner typischen Zeichnungen: In starken Schwarz-weiß-Kontrasten und angefüllt mit unzähligen Details: "Ich mag es, wenn die Betrachter sich in meinen Bildern verlieren können", meint der Grafikkünstler. "Eine Möglichkeit, sich von der Realität zu lösen und fantastische Welten zu durchwandern. Zudem mag ich es, wenn Bilder skizzenhaft sind: Frisch und nicht endgültig."

Serrano zeichnet schon seit Kindertagen, inspiriert von allem, was ihm unter die Finger kam: Comics, Filme, Graffiti, Tattoos. Und natürlich Musik: "Ich habe lange Zeit in einem Second-Hand-Plattenladen gearbeitet und liebe es, unterschiedlichste Stile zu hören. Musik ist ein endloses Meer – und in jeder Richtung kann man Perlen finden."

Nicht für Geld

Irgendwann hängte er dann auch eine Ausbildung zum Mediengestalter dran, merkte aber schnell, dass das nicht sein Ding ist: "Werbung ist immer auch Manipulation. Ich möchte das Zeichnen aber lieber als Werkzeug für Kunst nutzen. Deshalb male ich nicht mehr für Geld."

Das von Ramon Serrano alias STORMEZ gestaltete Cover von Phabster Addams’ Album „Onkel Phabba“.

Das von Ramon Serrano alias STORMEZ gestaltete Cover von Phabster Addams’ Album „Onkel Phabba“. © Foto: stormez/2tigth Recordz

Das muss man sich fast noch einmal aufschreiben: Malt. Nicht. Für. Geld. Und das, obwohl er schon große Einzelausstellungen hatte und Gast beim Internationalen Comic-Salon in Erlangen war. "Aber sobald mir ein Galerist oder ein Manager sagt, was ich tun soll, ist es als ob mein Brunnen versiegt. Da stelle ich lieber in kleinen Ateliers hier in Gostenhof aus oder mache Projekte mit anderen kreativen Menschen – das ist für mich Erfolg."

Seine Kunst verbreitet er unter dem eigenen Label "Negro Palm Graphics" auf ungewöhnliche Weise: "Eine Zeitlang hatte ich immer einen kleinen Stapel Büchlein im Rucksack, die ich in Kneipen auslegte oder Leuten, die einen Sinn dafür haben, in die Hand gedrückt habe."

Parallele Welt

Neben den Zeichnungen schreibt Ramon Serrano auch Geschichten, in denen sich sein Alter-Ego, der Künstler STORMEZ, mit ähnlichen Problemen wie er selbst herumschlägt: "Zeichnungen sind – wie auch das Internet – eine parallele Welt, in der sich Illusion und Wirklichkeit vermischen. Oft verstehe ich selbst erst später, was meine Werke bedeuten könnten. Ich glaube aber", fügt der Zeichner hinzu, "dass sich all die Bilder und Texte langsam wie Puzzlestücke zusammensetzen und eine Geschichte ergeben werden – meine Geschichte."

Und die nahm im vergangenen Jahr noch mal eine unerwartete Wendung ins Positive. "Durch den Lockdown hatte ich mehr Zeit, mich mit mir selbst zu beschäftigen und plötzlich habe ich angefangen, alte Skizzen hervorzuholen und etwas zu machen, was ich vorher nie gemacht habe: Ich habe sie bunt ausgemalt!" Dadurch, so Serrano. "wurden sie intensiver, realistischer und wahrer. Es fühlt sich jetzt an wie echtes Leben."

https://negro-palm-graphics.weebly.com/

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