Dienstag, 24.11.2020

|

zum Thema

Deutsche Oscar-Hoffnung: Das Politdrama "Und morgen die ganze Welt"

Der Film von Julia von Heinz setzt sich mit den Varianten des Widerstands auseinander - 29.10.2020 15:25 Uhr

Mala Emde (Mitte) als Luisa in dem Film "Und morgen die ganze Welt". Die Studentin schließt sich in Mannheim einer Antifa-WG an, die Aktionen gegen Neonazis organisiert.

29.10.2020 © epd


Rechter Extremismus und Populismus sind auf dem Vormarsch. Eine Tatsache, die sehr viele Menschen mit Sorge sehen. Doch wie weit darf man gehen, um diesen Ansichten die Stirn zu bieten? Mit dieser Frage setzt sich die Regisseurin Julia von Heinz auseinander in ihrem Politdrama "Und morgen die ganze Welt", das teilweise in Mannheim gedreht wurde.


Hier geht es zur Filmkritik


Im Mittelpunkt steht die Jurastudentin Luisa, die sich in linken, antifaschistischen Kreisen engagiert. Im Kampf gegen Rechte und Neonazis schrecken ihre neuen Freunde nicht vor Gewalt zurück und Luisa muss entscheiden, wie weit sie selbst bereit ist, zu gehen. Ein brisanter Film, der nun Chancen auf höchste Ehren hat - denn nun ist klar, dass das Politidrama Deutschland beim Rennen um die Oscars vertreten wird.

 Regisseurin Julia von Heinz (l) und Schauspielerin Mala Emde bei der Präsentation von "Und morgen die ganze Welt" beim Filmfestival in Venedig.

29.10.2020 © Gian Mattia D'alberto


"What?????!!!!!! Deutscher Oscar Beitrag???? Grüße aus dem krassesten Wechselbad der Gefühle EVER", schrieb die Regisseurin kurz nach Bekanntgabe des Juryvotums auf Facebook. Dabei war schon die internationale Premiere ihres von persönlichen Jugenderfahrungen inspirierten Films groß, lief er doch im Wettbewerb des Filmfestivals von Venedig. Nun überzeugte die Honorarprofessorin der Hochschule für Fernsehen und Film in München auch noch die Jury, die die Auslandsvertretung des deutschen Films (German Films) mit der Auswahl des Oscarbeitrags betraut hatte.

"In einer Zeit, in der die Demokratie zunehmend unter Druck gerät, stellt Julia von Heinz die Frage, ob und wenn ja, wann Gewalt gerechtfertigt oder sogar notwendig ist", begründeten die Juroren ihre Entscheidung. Sie lobten die herausragende Leistung von Hauptdarstellerin Mala Emde ebenso wie die Kamera. Zudem konfrontiere der Film die Zuschauer mit Konflikten und Entscheidungsprozessen, denen sie sich nicht entziehen könnten. "Ein persönlicher Film von großer, emotionaler Wucht", so das abschließende Votum.

Gegen neun Mitbewerber durchgesetzt

"Und morgen die ganze Welt" hat sich gegen neun andere Filme durchgesetzt, darunter die Literaturverfilmung "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" von Oscarpreisträgerin Caroline Link, Oskar Roehlers Biopic "Enfant Terrible" über das Leben des Filmgenies Rainer Werner Fassbinder und "Berlin Alexanderplatz" von Burhan Qurbani. Beworben hatten sich auch die Macher der Filme "Fritzi - Eine Wendewundergeschichte", "Crescendo #makemusicnotwar", "Curveball", "Ein nasser Hund", "Undine" und "Ich war noch niemals in New York".

Nun also ein Drama, das vom Thema her auch in den USA auf Interesse stoßen dürfte, wo politisch motivierte Gewalt - häufig aus dem sehr rechten Lager - vielerorts ein Klima der Angst verbreitet. Jetzt ist die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) im kalifornischen Beverly Hills am Zuge. Aus allen internationalen Bewerbungen wählt sie zunächst zehn Filme aus, die am 9. Februar 2021 bekanntgegeben werden. Am 15. März werden dann die fünf nominierten Filme verkündet. Der deutsche Oscarbeitrag "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt war im vergangenen Jahr nicht nominiert worden. Die eigentliche Preisverleihung ist am 25. April 2021.

Bilderstrecke zum Thema

Drehort Franken: Diese Filme wurden hier gedreht

Ob die Mittelalterkulisse Bambergs, das Großstadtpanorama Nürnbergs oder die ländliche Idylle Mainfrankens - zahlreiche Filme, zum Teil auch mit Hollywood-Stars wurden in Franken gedreht. Die Bekanntesten stellen wir hier vor.


Doch egal wie weit der Film kommen wird, allein die Auswahl als deutscher Oscar-Kandidat ist schon besonders. Allerdings gibt es auch einen ziemlich großen Wermutstropfen. "Und morgen die ganze Welt" startet zwar am Donnerstag, 29. Oktober, im Kino. Doch wer ihn sehen will, muss sich beeilen: Wegen der Corona-Pandemie sind die Kinos ab Montag, 2. November, alle erst mal dicht.

dpa

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Kultur