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Montag, 20.01.2020

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Ein Waschhaus wird zur Kreativ-Werkstatt

Manuela Dilly hat in «Zabo» ein altes Gebäude renoviert und bietet Kurse für jedermann an - 03.05.2007

Manuela Dilly in ihrer «Kleinen Kreativ-Werkstatt». © Eduard Weigert


Ein sehr in die Jahre gekommenes, fast schon verfallenes Haus: Mehr war die alte Werkstatt in der Kachletstraße 3 in «Zabo» nicht. Manuela Dillys Fotos, die sie nicht ohne Stolz auf die getane Arbeit vorzeigt, beweisen das. Die 39-Jährige hat in den letzten Monaten buchstäblich die Ärmel hochgekrempelt und das Gebäude, das im 17. Jahrhundert ein Waschhaus war, im Alleingang renoviert.

«Das wird nie was», meinten viele mit Blick auf den trostlosen Verhau. Manuela Dilly war da ganz anderer Meinung. Für sie hatte der Schandfleck Potenzial. Wie ein Leitsatz prangt deshalb ein Auszug aus Matthias Claudius’ «Der Mond ist aufgegangen» an der Wand: «So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.»

Und tatsächlich sind aller Unkenrufe zum Trotz helle, bunte Räumlichkeiten entstanden. In ihnen sollen Kurse für alle Altersklassen stattfinden. Die Preise sind an die der Volkshochschule angelehnt. Samstags bietet die dreifache Mutter auch eine offene Werkstatt für Kinder an, so dass die Eltern in Ruhe einkaufen oder etwas unternehmen können. Außerdem richtet sie Kindergeburtstage aus.

Für Manuela Dilly ist die Selbstständigkeit ein Versuchsballon. Die gelernte Reiseverkehrskauffrau hat zusätzlich Kunst studiert. Als sie nach der Geburt ihrer jetzt zweijährigen Tochter im Erziehungsurlaub war, musste ihr Arbeitgeber Insolvenz anmelden. Aufgrund einer Gesetzesänderung standen der Mutter, die ehemals im Außendienst gutes Geld verdiente, nur wenige hundert Euro Arbeitslosengeld zu. So entstand die Idee mit der Kreativ-Werkstatt, die es ihr erlaubt, in der Nähe ihrer Kinder zu arbeiten. Die jüngste Tochter geht in die Krippe. «Ich habe Glück, dass mein Mann gut verdient», gibt Manuela Dilly offen zu.

Weil sie die Erfahrung gemacht hat, dass es in den eigenen vier Wänden schwer ist, genug Platz und Zeit fürs Malen, Nähen oder Emaillieren zu finden, will sie ihre Werkplätze auch außerhalb der Kurse vermieten. Einen angenehmen Nebeneffekt hat die Eröffnung des KKW natürlich auch für sie selbst: Sie hat nun ebenfalls endlich genug Raum, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. SUSANNE HELMER

www.kkw-zabo.com

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