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Erste Liebe! "Hard Land", der neue Benedict Wells

Eine Jugend in Missouri - 23.02.2021 16:54 Uhr

Bestseller-Autor aus Bayern: Benedict Wells.

20.02.2021 © Sven Hoppe, dpa


Was ist der unbekanntere Kontinent? Amerika oder die Pubertät? Der junge deutsche Bestsellerautor Benedict Wells ( „Vom Ende der Einsamkeit“) hat die Handlung seines leichtfüßig erzählten neuen Romans „Hard Land“ im Missouri der 1980er Jahre angesiedelt. Für den 15-jährigen Sam ist es die Zeit der ersten Male: Kino, Musik, Liebe.

Wells entwirft eine Sommerstory über die flüchtigen Momente zwischen Euphorie und Melancholie, wie man sie nur in der Jugend erlebt. „Euphancholie“ ist der Begriff, den er Kirsty, Sams heimlicher Liebe, dafür in den Mund legt: „Einerseits zerreißt’s dich vor Glück, gleichzeitig bist du schwermütig, weil du weißt, dass du was verlierst oder dieser Augenblick mal vorbei sein wird. Dass alles mal vorbei sein wird.“

Das ist die Grundstimmung eines Romans, der sich zuweilen ausnimmt wie ein Gemälde von Edward Hopper mit seinem fast surreal schönen und doch kühlen Abendlicht. Und mal wie Ekstase.

Dass der Autor, 1984 in München geboren, zumindest vom Herzen her eher ein Kind seines Geburtsjahrzehnts als eines der 1990er Jahre ist, als er im Allgäu ein Internat besuchte, spürt man mit jedem Kapitel.

Wave-Ohrwürmer wie „Dancing with tears in my eyes“ von der Band Ultravox klingen aus den Seiten wie klassische Kinoblockbuster mit den Titeln „Stand by me“ oder „The Breakfast Club“.

Sam, die Hauptfigur in „Hard Land“, beginnt auch in einem Kino zu jobben, er hat einen farbigen Joggingfreund, eine empathische Vaterfigur und eine kranke Mutter, die von Büchern besessen ist.

Das grenzt schon nah an Weichzeichnung, was Wells da auftischt – der er sprachlich aber gerade noch, wie mit einem Sprung über die nächste Wasserpfütze, entkommt. Und dann passiert ja auch noch was Einschneidendes.

Viel wichtiger sind ohnehin die Zwischentöne in diesem Buch, in dem sich Wells ein weiteres Mal als Meister der literarischen Länderkunde versteht. Hatte sein Bestseller „Vom Ende der Einsamkeit“ diesen französischen Sound, liest sich „Hard Land“ wie ein J. D. Salinger von heute. Er beschreibt Sams Zustand dann als „DUWOK“: „Depressiv und wahnsinnig ohne Kirsty“.

Soll heißen: „In seiner schwächsten Form ein sanftes Ziehen im Magen, gerade noch aushaltbar. Nahm DUWOK jedoch zu, schaltete sich ein Großteil des Hirns ab und ein Verrückter übernahm das Steuer und zwang mich, peinlich genau Tagebucheinträge zu schreiben oder manisch durch die Stadt zu laufen und nach ihr zu sehen. In einem besonders schweren Anfall von DUWOK hätte ich sogar eine Million im Lotto gewinnen können und nicht mal müde gelächelt.“

Sind das nicht Sätze wie Lebensabschnitte, die viele durchwandert haben und die Benedict Wells wie ein Fotoalbum hervorholt?

„Hard Land“ trifft jedenfalls literarisch zielsicher ins Heartland des Herzens.


Benedict Wells: Hard Land. Roman. Diogenes, 352 Seiten, 24 Euro.

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