Ewald Arenz

Ewald Arenz: Fränkischer Autor stürmt die Bestseller-Listen

12.5.2021, 06:00 Uhr
Ewald Arenz schreibt nicht nur Romane, sondern auch für die Bühne. Hier eine Szene aus dem Musical

Ewald Arenz schreibt nicht nur Romane, sondern auch für die Bühne. Hier eine Szene aus dem Musical "Swing Street". © NN

"Ewald Arenz, ein Name, den man sich merken muss." Im ARD-Literaturmagazin Druckfrisch hat das neulich Kritiker Denis Scheck gesagt, der schon einen Sebastian Fitzek verrissen hat. Wer muss Sie zurzeit festhalten, damit Sie nicht abheben?

Ewald Arenz: Dafür sorgt meine Familie, und auch meine Schüler haben eine beispiellose Gabe, mich zu erden.

Zum Beispiel wie?

Ewald Arenz

Ewald Arenz

Ewald Arenz: Wenn ich ins Stocken komme, spöttisch: "Na, Herr Arenz, was ist los? Nicht vorbereitet?" Sie spiegeln genau, wo meine menschlichen Schwächen sind, treffen mit einem klugen Kommentar ins Schwarze. Das mag ich.

Ihr neustes Buch "Der große Sommer" steht weiter unter den Top Ten der Spiegel-Bestseller-Liste. Kommt man da in Versuchung, den Job als Lehrer am Nürnberger Scharrer-Gymnasium an den Nagel zu hängen?

Ewald Arenz: Ich glaube, viele haben falsche Vorstellungen von dem, was Schriftsteller verdienen. Mein vorletztes Buch "Alte Sorten" hat das Jahr 2020 sogar unter den Top Ten der Spiegel-Jahresliste abgeschlossen. Das Taschenbuch ist bereits in der neunten Auflage erschienen - und trotzdem habe ich letztes Jahr damit nicht mehr verdient als in meinem Lehrer-Job. Aber selbst wenn es eine Million wäre, würde ich mir allenfalls mal ein Jahr frei nehmen. Ich unterrichte unheimlich gern. Und ganz ehrlich: Wer weiß denn schon, ob man in fünf Jahren auch noch über mich spricht.

Sie erwähnen es: Schon "Alte Sorten" war ein Riesenerfolg, trotzdem hat man den Eindruck, dass erst jetzt wirklich viel über Sie geredet wird.

Ewald Arenz: Das stimmt. "Alte Sorten" wurde noch regional besprochen. In den NN, im Frankenfernsehen. Ins Feuilleton von FAZ oder SZ habe ich es damit nicht geschafft. Jetzt empfiehlt mich Denis Scheck, da gehen schon Schriftstellerträume in Erfüllung.

Mit 55 Jahren...

Ewald Arenz: (lacht) Mit 25 hätte ich auch nicht gedacht, dass das so lange dauert. Sonst hätte ich wahrscheinlich vorher aufgehört.

Wie wichtig ist dieses Stehvermögen?
Ewald Arenz: Sehr. Mit "Don Fernando erbt Amerika" war ich 2012 das erste Mal auf der Buchmesse, da war von insgesamt 80.000 anderen Neuerscheinungen die Rede. Ich dachte mir, was machst du hier eigentlich? Es braucht also Scheuklappen und eine gewisse Sturheit. Wie Goethe sagte: Es ist viel Fleiß und Disziplin. Man muss es einfach tun.

Für Ihren heutigen Erfolg dürfte auch der Verlagswechsel 2018 eine große Rolle gespielt haben.

Ewald Arenz: Mit Ars Vivendi in Cadolzburg über die Jahre zu wachsen, hat gut geklappt. Ich hatte da schon einige kleinere Erfolge. Aber ein Verlag wie DuMont in Köln hat ein ganz anderes Vertriebsnetz, auch andere Möglichkeiten zu werben. Das können die Kleinen gar nicht stemmen. Als mich DuMont-Chefin Sabine Cramer ansprach, wusste ich, so eine Chance kommt so schnell nicht wieder. Witzig: Sie war vor knapp 20 Jahren meine erste Lektorin bei Ars Vivendi und hat danach steil Karriere gemacht.

Kontakte helfen also in der Branche, zum Selbstläufer machen sie ein Buch aber sicher nicht...

Ewald Arenz: Nein. Sabine hat mir schon sehr deutlich zu verstehen gegeben: "Wenn ich mal sage, das ist nix, dann musst du das schon hinnehmen."

Ihren Werken haftet das Etikett "Wohlfühl"-Literatur an. Freuen Sie sich darüber oder stören Sie sich daran.

Das Buchcover von Arenz´ jüngstem Werk.

Das Buchcover von Arenz´ jüngstem Werk.

Ewald Arenz: Mit 16 dachte ich noch, ich bin ein literarisches Genie. Heute weiß ich, dass ich kein Kafka mehr werde und kann mit Stolz sagen, dass es eine hohe Kunst ist, gute Unterhaltungsliteratur mit Anspruch zu schreiben. Dafür muss ich mich nicht entschuldigen. Ich erzähle einfach gern Geschichten.

Sie sind in der Region fest verwurzelt. Je daran gedacht, für den Erfolg wegzuziehen?

Ewald Arenz: Nein, aber ich hatte tatsächlich so meine Zweifel, ob ich als Schriftsteller "aus der Provinz" würde erfolgreich sein können. In den Buchklappen meiner Kollegen steht dann ja eher "lebt in Berlin und New York".

Sie sind in Nürnberg zur Welt gekommen, leben im Landkreis Fürth, sehen sich aber als Fürther...

Ewald Arenz: Ich bin mit 13 nach Fürth gekommen, diese Jahre haben mich geprägt. Nicht nur die Spiegel-Bestseller-Liste, auch die Zweitliga-Tabelle gefällt mir derzeit prima.

Haben Sie schon ein neues Buch in Vorbereitung?

Ewald Arenz: Ich suche noch nach Stoff. Es müssen schon Geschichten sein, die ich wirklich selbst erzählen will.

Kein Druck vom Verlag?
Ewald Arenz: Nein, kein Druck. Die wissen, dass ich keine Maschine bin. Es gibt eher eine unausgesprochene Erwartungshaltung. Aber die habe ich auch an mich selbst.

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