Hausgeschichten Königstraße 89

26.2.2019, 08:00 Uhr
Die Laubhütte im Jüdischen Museum Fürth.

Die Laubhütte im Jüdischen Museum Fürth. © Jüdisches Museum Franken

Das Grundstück des Jüdischen Museums Franken in Fürth wurde vermutlich im ausgehenden Mittelalter bebaut. Ab 1600 war das Gebäude in der Königstraße 89 dreihundert Jahre lang im Besitz jüdischer Familien. Die prominenteste war die Familie Fromm. Sie war mit bedeutenden Hoffaktoren, die Luxuswaren, Kapital und Heereslieferungen für Herrscher lieferten, und Rabbinern in Fürth, Ansbach, Wien sowie Württemberg verwandt und leitete geschickt die politischen und religiösen Belange der Fürther jüdischen Gemeinde in Fürth. 

Stuck als Deckengestaltung.

Stuck als Deckengestaltung. © Jüdisches Museum Franken

1651 übernahm Salomon ‚Schneior’ Fromm (1611-1692) dieses Anwesen samt eines heute nicht mehr vorhandenen Nebengebäudes mit Garten und Brunnen von seinem Vater, der es wiederum vom Gemeindevorsteher Joel Schlenker erworben hatte. Das Anwesen war als Heiratsgut für seinen Sohn Hirsch Fromm gedacht. Als Geldverleiher und Vorsteher der jüdischen Gemeinde Fürth genoss Salomon Fromm großes Ansehen. Er wohnte unweit von hier, am Königsplatz 5, mit seiner Frau Pessel, sechs Töchtern und drei Söhnen. Dort betrieb er eine Privatsynagoge, die sein Sohn Abraham und sein Schwiegersohn Isaak „Eisig“ Bing als Lehrhaus weiterführten. 1691 gründete Salomon Fromm die erste hebräische Druckerei in Fürth, die seine Söhne bis 1730 weiterbetrieben. Während Fromm seine Söhne mit Häusern als Heiratsgut ausstattete, wurden seine Töchter geschickt mit Gelehrten oder wohlhabenden Partien verheiratet. 
Vermutlich war es auch Salomon Fromm, der um 1651 den im Museum vorhandenen Brunnen zur Mikwe, also zu einem Ritualbad, ausbauen ließ. Eine Treppe führt vom Erdgeschoss hinab zu zwei Räumen, die zum Umkleiden und für die Körperwäsche vorgesehen waren. Von hier führt ein zweiter Treppenabgang in die Mikwe, die noch heute von Wasser gespeist wird. Der Wasserspiegel liegt 8,5 Meter unter Straßenniveau. Erhellt wurden die einst hellblau getünchten Räume durch Kerzen in den Wandnischen.
Die Mikwe spiegelt den wirtschaftlichen Status des Erbauers wider, nur wenige konnten sich einen solch kostspieligen Bau leisten. Fürth war wegen der hohen Besteuerung der jüdischen Bevölkerung vom 16. bis ins 18. Jh. überwiegend von zahlungskräftigen jüdischen Familien bewohnt, die in günstiger Nähe zur Handelsstadt Nürnberg wohnen wollten. Sie unterstützten die jüdische Gemeinde mit Stiftungen und Synagogenbauten und trugen maßgeblich dazu bei, dass Fürth zum bedeutendsten jüdischen Zentrum Süddeutschlands wurde. Nach Salomon Fromms Tod wurde das Haus aufwändig umgebaut und diente noch zwei Generationen als Wohn- und Geschäftshaus der Familie Fromm. 
Spätere Besitzer erweiterten das Anwesen um einen Anbau mit Wohnungen, einer hölzernen Spindeltreppe und einer beeindruckenden Laubhütte im Hof, die heute noch im Orignalzustand erhalten geblieben ist. 1999 wurde das Gebäude aufgrund seines beeindruckenden und gut erhaltenen Baubestandes als Jüdisches Museum eröffnet.

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