Star spielt in Thrillerserie

Moritz Bleibtreu im Interview: "Das Internet kann man gerne abschalten"

12.10.2021, 16:56 Uhr
Schauspieler Moritz Bleibtreu sieht sich eher als

Schauspieler Moritz Bleibtreu sieht sich eher als "analoger Mensch". © Patrick Seeger/dpa

Im sechsteiligen Thriller "Blackout" (ab 14.10. auf Joyn Plus+) nach einem Roman von Marc Elsberg fällt in ganz Europa wochenlang der Strom aus – der Kontinent versinkt in Chaos. Bleibtreu spielt einen Aktivisten, der die kriminellen Hintergründe der Katastrophe aufdecken will.

Herr Bleibtreu, was würde Ihnen bei einem Stromausfall fehlen – das Internet?

Moritz Bleibtreu: Nein, das kann man gerne morgen abschalten, damit hätte ich kein Problem. Ich wäre der erste, der das befürwortet. Aber eigentlich kann man sich in unserer total vernetzten Welt ein Leben ohne Strom nicht vorstellen, das wurde uns auch bei den Dreharbeiten immer wieder klar. Erst im Ernstfall würde man richtig realisieren, wie viele Teilbereiche des Lebens davon betroffen wären – quasi alle.

Haben Sie für den Ernstfall Taschenlampen, Benzin, Wasser, Batterien und Kerzen im Haus gebunkert?

"Blackout - Morgen ist es zu spät" von Marc Elsberg, Blanvalet-Verlag, 832 Seite, 12 Euro. © Blanvalet-Verlag

Bleibtreu: Nein, ich bin kein Prepper und auch nicht der Typ, der sich auf eventuelle Katastrophen vorbereitet und zu Hause Wasserfilter oder dergleichen bunkert – dafür ist mir meine Zeit zu schade. Und wenn so was wie in der Serie passieren würde, wären das alles ja eh nur Tropfen auf den heißen Stein.

In der Bestselleradaption löst ein Cyberanschlag den Ausfall aus. Glauben Sie, dass so etwas wirklich passieren kann?

Bleibtreu: Das Problem an der Sache ist, dass das Ganze überhaupt nicht utopisch ist, das wird in der Romanvorlage ja auch sehr deutlich. Wenn man sich die mancherorts marode Stromversorgung anschaut, oder wie hoch weltweit das Problem mit Cyberkriminalität ist, realisiert man, dass das keine Science-Fiction ist. Es ist doch generell so: Wenn böse Menschen sich in den Kopf setzen, irgendetwas zu tun, um die Welt in den Abgrund zu reißen, dann werden sie Wege finden.

Moritz Bleibtreu mit Marie Leuenberger und Heiner Lauterbach in einer Szene der Thrillerserie

Moritz Bleibtreu mit Marie Leuenberger und Heiner Lauterbach in einer Szene der Thrillerserie "Blackout". © Joyn/W&B Television, Gordon Timpen/obs

Wie eine Büchse der Pandora

Und was würden Sie im Ernstfall machen?

Bleibtreu: Ich würde mich mit meinen Lieben zusammenrotten und alle Leute um mich scharen, die ich mag.

Sind Sie eher analog oder digital unterwegs – bis hin zum smarten Kühlschrank, der Bescheid gibt, wenn die Milch alle ist?

Bleibtreu: Ich bin grundsätzlich ein sehr analoger Mensch und mag das auch sehr. Ich habe das Gefühl, dass das Internet wie eine Büchse der Pandora funktioniert und wir uns da Probleme eingehandelt haben, die wir gar nicht absehen können. Ich mache bei den wichtigsten Entwicklungen natürlich mit, keine Frage, ich bin ja auch nicht auf den Kopf gefallen und ich kann in meinem kleinen Rahmen mit den Geräten umgehen. Aber die Informationstechnologie verschluckt immer größere Teile unseres echten Lebens, und diese Entmenschlichung macht mir Angst.

Sie sammeln mechanische Uhren, das verrät ja eine Liebe zum soliden alten Handwerk. Wann haben Sie sich zuletzt eine gegönnt?

Bleibtreu: Ich mag die Dinger in der Tat sehr, das ist ein kleiner Tick von mir, aber ich habe mir schon länger keine mehr gekauft. Ich sammle ja nun schon seit rund 20 Jahren Uhren, und früher bin ich noch angefeindet worden, da haben Leute zu mir gesagt: "Hey, was protzt du hier mit ner großen Uhr rum?" Aber ich fand die halt schön. Seit drei, vier Jahren ist das ein ziemlicher Trend geworden, gefühlt hat jeder eine dicke goldene Uhr, ich finde, es ist fast ein bisschen inflationär.

Sie sind im August 50 geworden, wie fühlen Sie sich damit?

Bleibtreu: Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, dass ich 50 bin, es kommt mir ein bisschen absurd vor. Aber ich fühle mich super, und eigentlich ist das Alter ja gar nicht so schlecht, denn mit 50 ist man einerseits schon reif, aber doch noch jung genug, um an dem jüngeren Quatsch noch teilhaben zu können (lacht). Gerade in der Schauspielerei sind die mittleren Jahre tendenziell problematisch, die meisten klassischen Erzählungen drehen sich ja um einen jungen Helden. Vor allem Frauen kennen das Problem, speziell auch am Theater, dass es zwischen dem Rollenfach der jungen Geliebten und dem der Amme nicht viel gibt.

Das Kino hat seine Bedeutung eingebüßt

Sie selber haben in den letzten Monaten trotz Corona fleißig gedreht. Wie haben Sie die Krise überstanden?

Bleibtreu: Was das Private angeht, hatte ich dieselben Probleme wie andere Leute auch – zum Beispiel, dass man sich irre Sorgen macht, wie es mit den Kindern weitergeht. Dass man nicht ausgehen konnte, hat mich nicht so betroffen, denn ich bin eh nicht der Typ, der ständig unter Menschen geht und in Kneipen ist. Beruflich hatte ich irres Glück, ich habe fast normal weiterarbeiten können. Als Corona anfing, habe ich gerade den Film "Caveman" gedreht, der im Dezember in die Kinos kommt.

Früher hat man Sie ja ausschließlich im Kino gesehen, jetzt drehen Sie auch Serien – in wenigen Wochen zum Beispiel kann man Sie als Konrad Kujau in der Serie "Faking Hitler" erleben...

Bleibtreu: Das Kino hat seine Bedeutung eingebüßt, und seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft nehmen jetzt die Streamingdienste ein. Ich werde mich zwar immer fürs Kino stark machen und Kinofilme drehen, aber als Schauspieler bin ich ja Geschichtenerzähler und gehe dahin, wo die coolen Geschichten sind. Deshalb wäre es vollkommen idiotisch, an der neuen Erzählweise und dieser neuen Zeit, die gerade beginnt, nicht teilzunehmen.


Moritz Bleibtreu wurde 1971 in München als Sohn der Schauspieler Monica Bleibtreu und Hans Brenner geboren, er wuchs in Hamburg auf und stand schon als Kind vor der Kamera. Karriere machte er mit Kinofilmen wie "Lola rennt" oder "Elementarteilchen". Er ist mit einer schwedischen Grafikerin liiert und seit 2008 Vater eines Sohnes.

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