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NN-Kunstpreisträger Urban Hüter zieht´s nach Frankfurt

Beim NN-Kunstpreis hat Urban Hüter den ersten Preis geholt. Im Künstlergespräch erzählte er, warum er Nürnberg verlassen wird. - 23.08.2019 12:47 Uhr

Urban Hüter mit seiner preisgekrönten Arbeit „pole“ im Nürnberger Kunsthaus. © Ralf Rödel


Urban Hüter ist ein eher leiser Mensch, der sehr ernsthaft und offen über seine Arbeit berichtet. Beim Künstlergespräch in der Ausstellung zum Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten rücken die Zuhörer nahe an ihn heran und spitzen die Ohren. Nicht zuletzt, weil das, was der 1982 in Frankfurt geborene Objektkünstler im Dialog mit NN-Kulturredakteurin Regina Urban über sich, seine Arbeit und seine künstlerische Zukunft sagt, auch ein Schlaglicht auf die Situation der städtischen Kunstszene wirft.

Für seine meterhohe, von der Decke hängende und wie ein fantastischer Kosmos anmutende Skulptur, die dank eines Motors sanft rotiert, wurde Hüter mit dem 1. Preis des NN-Kunstpreises ausgezeichnet. Man kann das mit einer Kupferschicht überzogene Werk lange betrachten, ohne zu erschließen, was genau es eigentlich ist. Das ist ganz im Sinne des Künstlers. Der hat unter dem Kupfer einiges verborgen, einen Globus zum Beispiel, Kleinkinderspielzeug und Dübel, die daran andocken. All das sei skulptural zusammengewachsen und so zugleich verfremdet worden, erklärt Hüter. "Ich versuche etwas zu machen, das irritiert und doch auch den Zeitgeist verkörpert", sagt er.

Nach der Nürnberger Ausstellung will Hüter seine Skulptur auf rund acht Meter verlängern und in der Frankfurter Kunstkulturkirche Allerheiligen zeigen.

Sein Material sucht sich der aus einer Bildhauerfamilie stammende Steinmetz, der an der Kunstakademie bei Ottmar Hörl studierte, zusammen. Vor seinem Atelier, das er (noch) auf AEG hat, habe es bisweilen ausgesehen wie auf einem Wertstoffhof. "Heute weiß ich oft beim Entstehen einer Arbeit, was ich brauche, und kaufe dann, was ins Konzept passt", sagt er. Dass er häufig Objekte aus der Wegwerfgesellschaft verwendet, will er nicht in erster Linie als Gesellschaftskritik verstanden wissen. So wie vor Jahrtausenden Knochen Abfallprodukte waren, aus denen die Menschen etwas schnitzten, so verwerte er die Abfallprodukte der Gegenwart. "Dass der Aspekt Gesellschaftskritik mit drinsteckt, finde ich gut", sagt Hüter, der gerade viel mit Blech arbeitet.

Stein sei für ihn derzeit keine Option, so der Künstler. Seine Ausbildung zum Steinmetz schätzt er dennoch hoch ein: "Wenn man weiß, wie Granit bearbeitet wird, weiß man auch, dass es mehrere Schritte bis zum Ziel braucht. Das ist die Voraussetzung für kreatives Arbeiten", erklärt Hüter. Etliche seiner früheren Objekt-Arbeiten wirken nicht zuletzt wegen ihrer starken Farbigkeit verspielt, doch zu seinem Werk gehören auch große schwarze Mischwesen, die er aus Autoteilen kreiert.

Nachdem die Kreativen auf AEG ihre zwischengenutzten Ateliers demnächst verlassen müssen, sieht Hüter in Nürnberg keine künstlerische Zukunft mehr. Er zieht, wie sein Bruder, der Bildhauer Caspar Hüter, zurück nach Frankfurt, wo er gemeinsam mit anderen Künstlern eine große Halle gefunden hat. "Nürnberg tut wenig für Künstler", lautet sein Fazit. "Wir sind dem Projektentwickler Bertram Schultze unendlich für die Zwischennutzung dankbar", sagt er, aber die Stadt müsse sich etwas ausdenken, um die Kunstszene lebendig zu erhalten. "Wenn die Atelier-Situation besser wäre, wäre ich definitiv geblieben."

Die Ausstellung ist bis 1. Sept. im Nürnberger Kunsthaus, Königstr. 93, zu sehen. 

BIRGIT NÜCHTERLEIN

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