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Nürnberger GNM zeigt historische Totenschilde

Museum präsentiert seine Sammlung in der Ausstellung "Gewappnet für die Ewigkeit" - 24.04.2019 16:38 Uhr

Das Totenschild des Hieronymus Kress, 1477/78. Angeblich verlor ein Kress'scher Vorfahre in einer Schlacht beide Arme und kämpfte daraufhin mit dem Schwert im Mund weiter. © Germanisches Nationalmuseum


Von den 146 Exponaten, die das Museum in seinen Beständen hütet, haben die Historikerin Katja Putzer und die Kunsttechnologin Elisabeth Taube 50 genauer untersucht und erforscht. Aufgehängt wurden die Schilde, in denen das Familienwappen im Zentrum steht, nach dem Tod von männlichen Angehörigen der Oberschicht in Kirchen. Sowohl in St. Sebaldus, in St. Lorenz als auch in St. Egidien oder St. Jakob lassen sich noch zahlreiche historische Totenschilde entdecken.

Der Vorteil der Schau im GNM: Man kann die Familienschilde aus der Nähe betrachten. Sie enthielten neben dem Namen und dem Todesdatum des Verstorbenen oft noch einen Segensspruch. Zu den ältesten Stücken gehört eine Tafel für Heinrich Grundherr aus den 1370er Jahren. Sie ist noch in der wappentypischen Dreiecksform gehalten und zeigt einen Löwen mit dreidimensional ausgeformten Felllocken.

Das Totenschild für Peter Staudigl von 1385. © Michael Matejka


Manche Exponate sind nahezu vollplastisch ausgearbeitet und präzise mit Metallplatten mit Nieten nachgebildet. Andere wurden aufwendig versilbert und mit schmückenden Zierbändern versehen. Kostproben sind in Vitrinen genau zu betrachten.

Rat fürchtete Verletzungsgefahr

Nachdem die Schilde im ausgehenden Mittelalter immer größer, schwerer und prächtiger wurden, sich zudem die Verankerungen lösten und sich Kirchenbesucher durch herabfallende Stücke verletzten, beendete der Nürnberger Rat Ende des 15. Jahrhunderts diese Geltungssucht. Fortan wurden nur noch schlichte Rechteck-Tafeln ohne plastischen Schmuck mit dem Höchstmaß 75 mal 45 Zentimeter geduldet.

Die beiden Expertinnen haben sich auch auf die Suche nach alten Handwerkerrechnungen gemacht und herausgefunden, dass die Schilde im Vergleich relativ preisgünstig waren — jedenfalls günstiger als die aus Alabaster oder Marmor gearbeiteten Epitaphien, die in der Spätrenaissance und im Frühbarock Mode wurden und auf denen dann oft auch ganze Familien abgebildet waren.

 

Jens Voskamp

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