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Nürnberger Konzerthalle: Baubeginn soll 2021 sein

Planungen für das neue Haus schreiten voran - 15.02.2020 14:44 Uhr

Nach den Plänen des verantwortlichen Architektenteams um Johannes Kappler würde die neue Konzerthalle von der Schultheißallee aus so aussehen. © Repro: Team Johannes Kappler


Insgesamt ist die Nachpflanzung von 121 Laubbäumen in der gesamten Südstadt vorgesehen und damit 51 mehr als durch die geplante Fällaktion am Parkplatz der Kleinen Meistersingerhalle verlorengehen. Neben der Aufhängung von Nistkästen ist auch die Verpflanzung von Altbäumen geplant. Drei Bäume werden allerdings schon in diesem Monat gefällt, um eine Halbkreiswende und eine neue Rechtsabbiegespur zu schaffen, über die der Baustellenverkehr abgewickelt werden soll.

Vier Großbaustellen auf einem Fleck

Denn wenn ab Herbst der kleine Parkplatz an der Westseite der Meistersingerhalle gesperrt wird, muss man sich auf eine neuralgische Verkehrssitution an der Kreuzung von Schultheißallee, Wodanstraße, Hainstraße und Münchner Straße einstellen. Der erste Spatenstich für die neue Halle ist für 2021 vorgesehen. Zeitgleich soll der Neubau des angrenzenden Hotelkomplexes errichtet werden, der Umbau des N-Ergie-Hochhauses beginnen und die Sanierung des Martin-Behaim-Gymnasiums vonstatten gehen. Da kann man getrost von einem Baustellen-Hotspot im Stadtteil St. Peter sprechen.


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Bevor die neue Halle steht, muss auch das Verkehrskonzept völlig überarbeitet werden. "Das bedeutet, dass der Verkehrsfluss auf den großen Parkplatz an der Ostseite neu konzipiert und effizienter organisiert werden muss", erläuterte Baureferent Daniel F. Ulrich. Darüberhinaus werden alle Großveranstalter verpflichtet, die ÖPNV-Nutzung mit ihren Tickets zu ermöglichen. Bisher ist das ein freiwilliges Angebot der Veranstalter, von denen allerdings die wenigsten Gebrauch machen. "Nur als Gesamtpaket werden wir die Verkehre lenken können", unterstrich Ulrich.

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Die klimaökologische Vorbildfunktion ist den Bauherren sehr wichtig: So sollen sowohl auf dem Dach des Neubaus als auch der bisherigen Meistersingerhalle nicht nur Photovoltaikanlagen entstehen, sondern Fassaden und Dächer auch begrünt werden. Ebenso wird über eine bereits eingebaute Fassadenreinigung nachgedacht, die wirtschaftlicher arbeitet als ein mobiler Reinigungsservice. Zudem wird geprüft, ob sich das vorhandene Grundwasser zum Kühlen (etwa der neuen Konzertorgel) oder Heizen nutzen lässt.


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Ein Hauptaugenmerk in der augenblicklichen Phase der Entwurfsplanung gilt nach der äußeren Hülle und der Erneuerung der Außenanlagen nun dem Innenleben des künftigen Baus. Während die Garderoben- und Foyerbereiche eher kühl von Glas und Beton geprägt sein werden, wird der Saal eine Komposition aus Holz sein.

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In ihn gelangt man absichtlich durch eher enge Eingangssituationen. "Wie in einer Art Geburtskanal soll sich der Blick mit einem gewissen Aha-Effekt dann auf den ganzen Saal weiten", erläutert Robert Vogel von der städtischen Konzerthaus-Lenkungsgruppe das Konzept. Auf Nachfrage von Stadtrat Ulrich Blaschke (SPD) bestätigte Vogel, dass es individuell ausrichtbare Sitzplätze in den Galerien geben soll, sodass das Publikum seinen Blickwinkel jeweils optimal einstellen kann.

Herausforderung: Die Saalorgel

Besondere Probleme bereitet den Planern und Architekten der Einbau der ursprünglich nicht geplanten Orgel. Wie bei anderen modernen Konzerthallen – etwa der Elbphilharmonie in Hamburg oder dem Luzerner Konzerthaus – soll ihr Prospekt den Saal nicht dominieren, sondern eher unauffällig integriert werden. Was bei einem tonnenschweren Instrument mit rund 5000 Pfeifen, die die Bautzener Orgelfirma Hermann Eule errichten soll, nicht ganz einfach ist.


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Christian Schmitt, international tätiger Konzertorganist und Vorsitzender der dreiköpfigen Orgel-Fachkommission, die das neue Nürnbergr Instrument konzipiert, plädiert deshalb dafür, einen Teil des Pfeifenmaterials (etwa zehn bis zwanzig Prozent) als so genanntes Fernwerk in anderen Bereichen als der Saalfront zu verbauen. Mittels Digitalisierung ist das heutzutage kein Problem mehr. Das ganze Instrument soll ausschließlich elektronisch funktionieren, obwohl Organisten mehr Freude an mechanischen Trakturen haben, bei der die Anschlagskultur (ähnlich wie beim Klavier) noch eine Rolle spielt. Unentschieden ist auch noch, ob die Orgel über einen oder zwei Spieltische verfügen wird.

Messungen zur Akustik

Einer würde dann für das Podium zur Verfügung stehen und damit den Spielern unmittelbaren Sichtkontakt zum Dirigenten und zum Orchester erlauben, während der Spieltisch am Instrument selbst unter anderem bei Orgel(vor)führungen zum Einsatz käme.

Mittlerweile hat ein Nürnberger Modellbauer eine Version des künftigen Saals im Maßstab 1:20 erstellt, an dem ab der kommenden Wochen Messungen zur Akustik vorgenommen, aber auch Varianten der Saalgestaltung durchgespielt werden können.

Noch gibt man sich vom Oberbürgermeister bis zu den beteiligten Referaten (Bau, Kultur und Umwelt) optimistisch, den ehrgeizigen Zeitplan einhalten zu können. Wenn der erste Spatenstich tatsächlich 2021 erfolgt, rechnet man mit einer Bauzeit von zwei Jahren. Mit der Spielzeit 2023/24 könnte die neue Halle also in den Regelbetrieb gehen.

Jens Voskamp

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