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"Prince Charming": Mehr als nur schwules Reality-TV

Über knutschende Männer und gesellschaftlichen Fortschritt - 25.10.2020 16:30 Uhr

Der 30-jährige Marketingmanager Alexander sucht nach dem Richtigen – in der zweiten Staffel der Reality-TV-Formats „Prince Charming“ die heute Abend auf dem Sender Vox startet.

25.10.2020 © Foto: Arya Shirazi/TVNOW/dpa


Dafür haben wir nicht gekämpft! Diese Worte fallen gerne einmal, wenn über "Prince Charming" diskutiert wird. Eine schwule Variante des "Bachelor"-Formats, also Balzen und Dating vor laufenden Kameras – was soll daran fortschrittlich oder auch nur begrüßenswert sein, fragen sich nicht nur Menschen, die mit Reality-TV nichts am Hut haben, sondern eben auch solche, die sich seit Jahren in der LGBTQI-Bewegung für gleiche Rechte engagiert haben.

Dass eine Kuppel-Show wie "Prince Charming", deren zweite Staffel seit kurzem beim Streamingdienst TV Now und ab heute jeden Montag um 22.15 Uhr auch bei Vox zu sehen ist, in der Liste der Errungenschaften der Schwulenbewegung nicht auf einer Höhe steht mit der Ehe für alle, dem Adoptionsrecht oder Antidiskriminierungsgesetzen, versteht sich von selbst. Doch wer die Sendung bloß abfällig abtut, übersieht eben, dass auch eine Sendung wie diese – in der ein homosexueller Single-Mann hofft, unter 20 Kandidaten, die für ein paar Wochen zusammen in einer griechischen Villa wohnen, womöglich die große Liebe zu finden – ein Zeichen des gesellschaftlichen Fortschritts sein kann.

Gut gemachtes Reality-Fernsehen

Der Erfolg von "Prince Charming", der bei der Premiere im vergangenen Herbst offenbar groß genug war, um nun in die nächste Runde zu gehen, verdankt sich zunächst einmal der Tatsache, dass es sich hier um wirklich gut gemachtes Reality-Fernsehen handelt. Wer etwas übrig hat für diese von Selbstdarstellern und Fremdscham lebende Unterhaltungsgattung, erkennt schon bei den ersten Folgen, dass die Zutaten stimmen: Bei der Auswahl der Kandidaten wurde Gespür für sympathisch-erinnerungswürdige Typen mit Kamerapotential bewiesen und die Mischung aus Romantik-Kitsch und von reichlich Alkoholkonsum befeuertem Drama geht auf.

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Ganz zu schweigen davon, dass hier anders als bei vergleichbaren Sendungen mit heterosexuellem Personal das Konzept ein reizvolles Konfliktpotential in sich birgt: die Möglichkeit, dass zwei der Kandidaten sich direkt ineinander vergucken und den eigentlich umworbenen Märchenprinzen gar nicht mehr benötigen, steht von Anfang an im Raum.

Schwule Kerle, die wild knutschen

Doch tatsächlich ist "Prince Charming" eben mehr als das. Denn auch 30 Jahre, nachdem sich in der "Lindenstraße" erstmals im deutschen Fernsehen zwei Männer küssten, ist es noch eine ziemliche Sensation, eine Sendung mit 21 schwulen Kerlen zu sehen, die einfach nur sie selbst sind. Und mitunter natürlich auch wild knutschen.

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Wie bedeutsam das ist, mag sich heterosexuellen Zuschauer*innen (von denen die Sendung übrigens etliche hat, wie sich in sozialen Netzwerken zeigt) gar nicht unbedingt erschließen. Als Homosexueller allerdings, der damit aufgewachsen ist, sich auf dem Bildschirm von "Herzblatt" über "Traumhochzeit" bis "Temptation Island" stets mit heterosexuellen Romantikvorstellungen und Liebesidealen identifizieren zu müssen, ist es eine einschneidende Erfahrung, plötzlich sich selbst so geballt im Fernsehen repräsentiert zu sehen. Selbst wenn am Ende keiner der Kandidaten wirklich der eigenen Persönlichkeit entspricht.

Die Heteros sind mal außen vor

Bis heute ist das deutsche Fernsehen – ob im fiktionalen "Tatort" oder in Talkshows wie "Maischberger" – eine ziemlich heterosexuelle und weiße Angelegenheit. Reality-Shows waren immer schon ein Stück weiter, was das Abbilden gesellschaftlicher Diversität angeht, von transsexuellen jungen Frauen bei "Germany’s Next Topmodel" bis hin zu Kandidaten unterschiedlichster Hautfarben und Herkunft bei "DSDS". "Prince Charming" ist nun die Steigerung, lässt die Heteros zur Abwechslung einfach mal ganz außen vor und gibt hin und wieder sogar echte Einblicke in schwule Lebenswelten, zu denen Anal-Waxing und Drag-Shows genauso gehören können wie Diskriminierungserfahrungen, familiäre Zerwürfnisse und bewegende Coming Out-Geschichten.

In der ersten Staffel lief das so gut, dass am Ende nicht nur der Prinz einen Liebsten fand, mit dem er bis heute liiert ist, sondern es für die Sendung sogar den prestigeträchtigen Grimme-Preis gab. Dass nun in der zweiten Staffel anfängliche Unbefangenheit einem gesteigerten Inszenierungsdrang aller Beteiligten weicht, versteht sich fast von selbst. Doch auch dass "Prince Charming" nach den gleichen Mustern funktioniert wie vergleichbare Sendungen, passt ganz gut zur Normalität und Selbstverständlichkeit, mit der hier Homosexualität präsentiert wird.

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PATRICK HEIDMANN

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