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Freitag, 18.10.2019

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Starschlagzeuger Cobham mischt die Kofferfabrik auf

Jazz-Rock vom Feinsten: US-Amerikaner gab zwei Konzerte an einem Abend - 14.03.2019 08:00 Uhr

Konzentration und Kraft: Der amerikanische Star-Schlagzeuger Billy Cobham beim Gastspiel in der Fürther Kofferfabrik. © Tim Händel


Vor dem Auftritt machte der amerikanische Star, der im Mai 75 Jahre alt wird, erst einmal ein paar Fotos von der Kofferfabrik; der pittoreske Spielort, den man eher in New York als in Fürth vermutet, hatte es ihm angetan. Den Großen der Musikszene hautnah zu sein, macht für das Publikum den besonderen Reiz dieses Clubs aus.

Billy Cobham ist derzeit mit seinem Cosswinds Project auf Tour und wagt einen Blick zurück nach vorne. Im Mittelpunkt stehen die Stücke seines legendären Jazz-Rock-Albums "Crosswinds", das 1974 nicht nur dank der großartigen Besetzung (darunter John Abercrombie, Randy Brecker und George Duke) Maßstäbe setzte.

Die Fusion von Jazz und Rock, wenn man so will von Kopf und Bauch, war damals der letzte Schrei. Cobham spielte bei wegweisenden Alben wie "Bitches Brew" von Miles Davis und durch seine Mitgliedschaft im Mahavishnu Orchestra von John McLaughlin eine entscheidende Rolle. Er definierte damals die Rolle des Schlagzeugers neu.

Inzwischen ist das längst Musikgeschichte. Cobham will indes nicht olle Kamellen auftischen, sondern seine alten Stücke mit Hilfe von neuen Spielgefährten auf zeitgemäße Art interpretieren. Was nur teilweise gelingt. Begleitet wird er von Tim Landers (b), Scott Tibbs (key), dem High-Speed-Gitarristen Fareed Haque und Paul Hanson, der mit seinem elektronisch verfremdeten Fagott-Sound die auffälligsten Akzente setzt.

Billy Cobham sitzt hinter seinem imposanten Riesenschlagzeug und beherrscht nach wie vor das Power-Play ebenso gut wie höllisch vertrackte Rhythmen. Er treibt seine Musiker eine gute Stunde lang ohne Unterlass zum kombinierten Fitness- und Konzentrationstraining an. Formschwächen kann sich hier keiner leisten, aber musikalisch neu ist das schon lange nicht mehr: Keine Sternstunde, sondern eine perfekte Jazz-Rock-Routineübung.

Steffen Radlmaier

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