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Supergirl in der Männerwelt

Monika Roscher und ihr sensationelles Big-Band-Projekt in Nürnberg - 26.01.2015 14:50 Uhr

Gruppenbild mit Dame: Die erfolgreiche Sängerin, Gitarristin und Komponistin Monika Roscher stammt aus Langenzenn und tritt gerne mit Maske auf. © Foto: Eduard Weigert


Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass die 30-jährige Sängerin, Gitarristin und Komponistin derzeit als eines der größten Talente in der deutschen Jazz-Szene gilt. Die Musikerin, die aus Langenzenn im Landkreis Fürth stammt und an der Münchner Musikhochschule studiert hat, wurde letztes Jahr mit dem Bayerischen Kunstförderpreis und einem Jazz-Echo ausgezeichnet.

Monika Roscher bringt frischen Wind in das angestaubte Big-Band-Genre, das man meist mit alten Herren, Swing-Musik und Fernsehshows in Verbindung bringt. Außer der Amerikanerin Carla Bley fallen einem nicht viele Frauen ein, die sich auf diesem Terrain einen Namen gemacht haben. Man tut Monika Roscher allerdings Unrecht, wenn man sie auf Jazz festnagelt. Denn in ihren wunderbar witzigen Kompositionen spielt sie mit allen möglichen Stilarten wie Rock, Pop, Elektronik oder Reggae wie ein Kind mit Bauklötzen. Das Ergebnis ist ein ganz eigener, überraschender Sound, der Herz und Hirn gleichermaßen bedient.

Jugendlicher Charme

Wenn die mädchenhafte Chefin mit Maske und Umhang die Bühne betritt, wirkt sie wie eine Mischung aus Supergirl und der fabelhaften Amélie aus dem Kino. Doch man sollte sich von Monika Roschers jugendlichem Charme nicht täuschen lassen: Das knapp 20-köpfige Orchester hört auf ihr Kommando. Sie kann sich dabei auf junge, technisch versierte und hoch motivierte Spielgefährten und Solisten verlassen.

Prägend für den Sound ist der starke Bläsersatz (vier Trompeten, vier Posaunen, fünf Saxophone). Eigene Akzente setzen Josef Ressle am Flügel, Silvan Strauss am Schlagzeug und Leonhard Kuhn mit elektronischen Spielereien.

Als Frontfrau mag es Monika Roscher noch ein wenig an Bühnenerfahrung fehlen, als Gitarristin hält sie sich zurück, als Sängerin würde sie auch in der Independent-Pop-Szene eine gute Figur abgeben. Über die leisesten Zweifel erhaben sind jedoch ihre Qualitäten als Komponistin und Arrangeurin: Ihre Stücke sind ein geistreiches Hörvergnügen. Die Anregungen dafür holt sich Roscher beim Träumen und auf Reisen ebenso wie beim Einkaufen. Das alles hat Hand und Fuß, steckt voller Dynamik, Fantasie und Poesie.

Das hingerissene Publikum ließ sich an diesem Abend auch von vielen nagelneuen Stücken begeistern. Wer das sensationelle Konzert verpasst hat, kann sich schon mal den 17. Juli vormerken. Da spielt die Monika Roscher Big Band in Altdorf. Nichts wie hin!

Aktuelle CD: Monika Roscher Big Band, „Failure in Wonderland“ (Enja Records) 

STEFFEN RADLMAIER

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