Stil-Ikone

Vor 10 Jahren starb die grandiose Soul-Sängerin Amy Winehouse

21.7.2021, 10:51 Uhr
Amy Winehouse bei einem Auftritt im Jahr 2007. 

Amy Winehouse bei einem Auftritt im Jahr 2007.  © Carl De Souza/afp

Am Ende war es fast schmerzhaft zu beobachten, wie der Glanz eines großartigen Talents immer mehr Schrammen bekam, wie sich Amy Winehouse schier selbst zerstörte. Die Welt konnte dabei zusehen, denn das Privatleben des Stars mit der unverwechselbar kratzig-rauen und jazz-kompatiblen Stimme wurde von den Medien bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet und schonungslos an die Öffentlichkeit gezerrt.

Ihre Alkohol- und Drogeneskapaden sorgten zuletzt für mehr Schlagzeilen als Winehouses starke Songs, die zwar nicht zahlreich sind, aber auch heute noch aufhorchen lassen im weitgehenden Einerlei der Pop-Musik. Nehmen wir "Back To Black", das abgeklärte "Tears Dry On Their Own", das reife "Love Is A Losing Game" oder das trotzig rausgehauene "Rehab".

"Schmerzlich vermisst"

Mögen manche die Stil-Ikone für "just another Copy-Cat" halten, die im Motown wilderte. Wir halten es hier mit dem "Rolling Stone", der ihr in diesem Monat die Titelstory widmet. "Amy Winehouse wird schmerzlich vermisst", schrieb das Musik-Fachblatt schon im vergangenen Jahr. Die so schillernde wie zerbrechlich wirkende Musikerin hat von London aus an der internationalen Pop-Geschichte mitgeschrieben. In die ging sie freilich auch als tragische Figur ein. Viel zu früh, mit nur 27 Jahren, starb die britische Sängerin am 23. Juli 2011 an einer Alkoholvergiftung in ihrer Wohnung im Stadtteil Camden.

Revival der Hochfrisur

Nach einem weiteren Entzugversuch hatte die extravagante junge Frau, die ein Revival der hochtoupierten Beehive-Frisur aus den 60er-Jahren bewirkte und Sängerinnen wie Lady Gaga, Adele und Duffy inspirierte, gerade einen Neustart gewagt. Aber zum Auftakt ihrer Come-Back-Europa-Tour in Belgrad wurde sie von serbischen Fans ausgebuht. Sie sang mit schwerer Zunge, wirkte verwirrt und instabil. Die Tournee wurde abgebrochen. Ein Absturz, der Schlimmstes befürchten ließ.

Amy Winehouse auf dem Cover von 

Amy Winehouse auf dem Cover von "Back to Black". © Universal

Nun gehört Amy Winehouse zum "Club 27", zu jenen tragischen Helden der Musikgeschichte also, die wie sie mit 27 Jahren starben: Janis Joplin ist dabei, Jim Morrison von den Doors, Jimi Hendrix und Nirvana-Mastermind Kurt Cobain. Sie alle sind zu Legenden geworden, weil sie mit ihrer Musik etwas bewegt und mutig ihre Seele in die Songs gelegt haben.

Die Songs der 60er

So wie Winehouse. Geboren wurde sie am 14. September 1983 als Tochter eines jazz-begeisterten Taxifahrers und einer Apothekerin. Dass sie singen konnte, entdeckte die Britin schon als Backfisch. Mit 13 bekam sie ihre erste Gitarre. In der Schule lief es für sie weniger gut, dafür entdeckte sie ihre Liebe zur Musik. Immer stärker wurde sie von Soul-, Jazz-, Rhythm&Blues- und HipHop-Einflüssen geprägt - speziell aber von den Songs der Girl-Groups aus den 60er Jahren. "Ich höre nichts anderes", bekannte die Diva mit dem schwungvollen Lidstrich einmal in einem Fernseh-Interview.

Mit Retro-Charme

Sie war gerade 20, als sie mit ihrer Stimme und den Jazz-Pop-Songs auf ihrem respektablen Debüt-Album "Frank" (2003) viele Fans gewann und Kritiker überzeugte. Irgendwann begegnete sie dem ebenfalls drogenkranken Blake Fielder-Civil, den sie später heiratete. Aus der leidvollen Beziehung zu ihm entstanden großartige Songs wie "Love Is A Losing Game" und "Wake Up Alone", die auf dem spektakulären zweiten Album "Back To Black" von 2006 erschienen. Neben "Valerie" lauter selbst geschriebene unglaublich authentische Lieder mit Retro-Charme und spröden, aber poetischen Texten, die starke Gefühle und schmerzende Seelenzustände transportieren. Im Background hatte sie mit den Produzenten Mark Ronson und Salaam Remi sowie der Band The Dap-Kings geniale Mitstreiter.

Amy Winehouse brachte die eigenständige Musik viel Anerkennung ein. Sie räumte fünf Grammys ab, unter anderem für das beste Gesangs- Album in der Kategorie Pop. 2009 wurde sie als internationale "Künstlerin des Jahres" mit dem Echo ausgezeichnet. Wie gut sie den Jazz verstanden hat, hört man in den BBC Sessions oder bei "Body and Soul" im Duett mit dem US-Crooner Tony Bennett. Aufgenommen wurde der Song in den Abbey Road Studios. Es war die letzte Studioaufnahme vor ihrem Tod.

Songs aus dem Leben

Ihr Leben ist immer in ihre Musik eingeflossen. In "Rehab" ("Entzug") heißt es zum Beispiel: "They Tried To Make Me Go to Rehab, I Said, ,No, No, No‘". "Sie hätte ,Ja, ja, ja‘ sagen sollen", schrieb ein Fan nach ihrem Tod als Kommentar zu einem der Videos auf Youtube. "RIP" - Rest in Peace, Ruhe in Frieden", ist da vielfach zu lesen. Man hätte ihr die Ruhe noch im Leben gönnen sollen. Womöglich könnte man sich dann über Platten freuen, die eine gereifte und lebenserfahrene Frau namens Amy Winehouse heute veröffentlichen würde, Songs aus der Finsternis der Gedanken, die vom Scheitern und vom Neubeginn erzählen, und von Fehlern, die man immer wieder aufs Neue begeht.

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