Freitag, 13.12.2019

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Willkommen im Nürnberger Turm der Fotografie

Herbert Liedel und Günter Derleth zeigen »Nürnberg drunter und drüber« - 07.05.2010

Machen im Laufer Torturm gemeinsame Sache: Die Fotografen Herbert Liedel ... © Anestis Aslanidis


Vier große dicke runde Tortürme zählt die Nürnberger Stadtmauer. Drei davon sind vermietet, der vierte steht leer. Der Laufer Torturm am Rathenauplatz ist ein Bunker und bietet im Notfall 200 Menschen Schutz. Ursprünglich waren die vier Haupttürme eckig, bevor sie Mitte des 16. Jahrhunderts mit runden Mänteln ummauert wurden. Grund: Die aufkommenden Geschosskugeln sollten besser abprallen, der Turm sollte weniger Angriffsfläche bieten. Innen ist jedoch bis heute alles schön eckig geblieben, was zwei der renommiertesten Fotografen der Region nun für eine lange geplante Gemeinschaftsausstellung nutzen.

Schwierige Bedingungen

Am Wochenende wird sich der Torturm in den »Turm der Fotografie« verwandeln – allerdings nur für kurze Zeit. Den Dicken zu kriegen war kein leichtes Unterfangen: Ein Jahr lang haben Günter Derleth und Herbert Liedel gekämpft, hier ihre Ausstellung »Nürnberg drunter und drüber« zu installieren. »Die Auflagen sind irre«, erzählen die Fotografen beim Pressetermin hoch oben auf der Kanonenplattform, von wo aus man – Überraschung – einen großartigen Blick über die Stadt hat. »Da es im Turm keinen zweiten Notausgang gibt, mussten wir eine mobile Brandschutzanlage installieren. Maximal zwanzig Personen dürfen sich gleichzeitig im Turm aufhalten, und ganz oben wurde wegen uns sogar eigens ein Türchen als Notausstieg eingebaut.«

Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Für einen Monat beherbergt der Laufer Torturm, durch den in früheren Zeiten die Straße aus der Stadt hinaus nach Nordosten Richtung Lauf führte, nun die sehenswerte Ausstellung »Nürnberg drunter und drüber«. In den unteren der sieben Stockwerke zeigt Herbert Liedel Fotos, die er in dem Labyrinth der Gänge und Gewölbe, Keller und Bunker, in den Felsengängen und in der geheimnisumwitterten Lochwasserleitung tief unter der Stadt geschossen hat. Wer schon immer mal einen Blick in die zu Zeiten des Kalten Krieges hochgeheime Kommandozentrale werfen wollte, wohin die Stadtverwaltung im Katastrophenfall umgezogen wäre, hat hier Gelegenheit dazu.

Riesige Camera Obscura

Günter Derleth hingegen will hoch hinaus: Der Fotograf ist begeistert von der archaischen Fototechnik der Camera Obscura, hat die Turmstuben diverser Nürnberger Stadtmauertürme zu Lochkameras umfunktioniert. Die Ergebnisse sind riesig – nicht nur, was das Format angeht. Das Prinzip der Camera Obscura (ein dunkler Raum, nur durch eine winzige Öffnung fällt Licht herein) kann man hautnah ganz oben unterm Dach erleben, wo Derleth das Turmstübchen noch einmal zu einer begehbaren Lochkamera umgebaut hat.

Auch wenn die Gemeinschaftsausstellung im Turm nur eine einmalige Aktion ist, so können sich die Fotografen mit dem Gedanken an eine eigene Spielstätte anfreunden. »Ein fester ,Turm der Fotografie’ wäre natürlich eine schicke Sache. Aber fotografisch passiert in Nürnberg nicht viel, da ist die Stadt verglichen mit anderen echt hinterher. Somit ist so etwas natürlich immer auch eine Frage des Interesses...«

Wegen der hohen Sicherheitsauflagen darf die Ausstellung nur in geführten Gruppen besichtigt werden, Anmeldung unter der Nummer 0911/502189. Termine: 8./9./15./16./22./23./29. und 30. Mai sowie 5. und 6. Juni. Camera-Obscura-Workshop am 3. Juni.

NN

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