11°

Donnerstag, 25.04.2019

|

Lastwagen mit E-Motor: Dick, aber nicht mehr durstig

Auch beim Schwerverkehr stehen die Signale auf Elektrifizierung, der Durchbruch lässt aber noch auf sich warten - 25.01.2017 20:33 Uhr

Ein Forscherteam an der Uni Fulda hat den ersten im deutschen Straßenverkehr zugelassenen E-Lkw auf den Weg gebracht. © Foto: Hochschule Fulda


18 Tonnen wiegt er, ins Rollen bringt ihn Ökostrom. 24 Monate spult der Laster auf Straßen rund um Fulda Kilometer um Kilometer ab. Es ist – wie auf dem Auflieger prangt – der erste im deutschen Straßenverkehr zugelassene E-Lkw.

Immer wieder verändern die Experten Kleinigkeiten. „Es läuft viel übers Ausprobieren“, sagt Professor Dr. Boris Zimmermann. Alle Daten des Fahrzeugs werden penibel aufgezeichnet und ausgewertet. Das Ziel: Durch Optimierung, spezielles Fahrverhalten und Tourenplanung die Wirtschaftlichkeit des E-Lkw verbessern.

„Wir sind noch am Anfang“, sagt Zimmermann. „Auch, weil es kaum Modellprojekte zu dem Thema gibt.“ Im Fokus stehen Distanzen von maximal 100 Kilometern. Der Test-Lkw hat rund 245 PS und schafft mit seiner 240 Kilowatt-Batterie bis zu 200 Kilometer. „Aktuell gibt es nur Prototypen, alles Spezialbauten.“

In Zeiten zunehmenden Internethandels, bei dem auch mehr als 30 Kilogramm schwere Produkte wie Sofas oder Fernseher verschickt werden, nimmt der Verkehr in den Innenstädten zu, negative Folgen inklusive. Lastwagen mit E-Motor könnten eine Lösung sein. „Sie stoßen, die Stromproduktion einberechnet, etwa 20 bis 25 Prozent weniger CO2 aus, keine Stickoxide, keinen Feinstaub und verursachen deutlich weniger Lärm.“

Einige europäische Großstädte wie London kassieren bereits mit einer City-Maut ab, mittelfristig befürchten Unternehmer auch in Deutschland solche Gebühren. Elektromotoren sind davon ausgenommen. „Die Speditionen wollen deshalb den E-Lkw unbedingt.“ Die Autoindustrie gehe dagegen aktuell mit dem Thema eher restriktiv um. Besonders im Fokus stehen bei den Forschern Verbrauch, Wirtschaftlichkeit, Ladeverhalten und Reichweite.

Ein Hindernis auf dem Weg zur Serienreife sind laut Zimmermann aktuell die Strompreise. Mit einer eigenen Photovoltaikanlage könnten Unternehmer viel erreichen. „Es rechnet sich aktuell aber nur, wenn es eine Förderung geben würde.“ Ein Preis von zwölf bis 15 Cent pro Kilowattstunde sei nötig, damit sich E-Laster wirklich lohnen würden. Auch, weil die Anschaffungskosten gegenüber einem herkömmlichen Lkw drei- bis viermal so hoch sind.

Neben dem Praxistest mit dem 18-Tonner arbeitet das Team der Uni Fulda auch mit externen Fahrzeugbauern an einem E-Laster mit 26 Tonnen Gesamtnutzlast. Dazu wäre aber unter anderem eine spezielle Batterie nötig. Ein erster Entwurf könnte Mitte bis Ende 2018 fertig sein, schätzt Zimmermann.

Wenige Projekte

Insgesamt laufen in Deutschland nur wenige Projekte zum Thema Elektromobilität im Schwerlastverkehr und die wenigen dabei teilweise nebeneinander her. „Wir bemühen uns viel um Austausch, aber es gibt viele einzelne Leuchttürme“, erklärt Zimmermann. Mit seiner Forschung soll bis Ende 2018 auch ein Kalkulationsschema für Firmen erstellt werden.

„Damit könnten Unternehmer grob berechnen, ob es Potenzial für einen E-Lkw gibt, ab wann es sich rechnet.“ In zehn Jahren schätzt Boris Zimmermann könnte es 100 bis 1000 Elektrolaster in der Bundesrepublik geben. Außer, es wird eine Maut für Verbrennungsmotoren in Städten eingeführt. Der damit aufgebaute Druck würde die Einführung grüner Laster deutlich beschleunigen. 

STEFAN BLANK

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: nordbayern.de